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Unfall ignoriert statt zu helfen

Fuhrberg Unfall ignoriert statt zu helfen

Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit, und schon war der folgenreiche Unfall mit drei Verletzten bei Fuhrberg passiert. Weil der Verursacher einfach weitergefahren war, verurteilte das Amtsgericht Burgwedel den Mann jetzt zu einer Geldstrafe und weiteren zehn Monaten ohne Führerschein.

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Das Amtsgericht verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe und Führerscheinentzug.

Quelle: Martin Lauber (Archiv)

Burgwedel. „Es war ein wunderschöner Sonntag“, beschrieb ein Zeuge den Unfalltag. Doch das änderte sich für mehrere Autofahrer an jenem sonnigen Mittag im März innerhalb von Sekunden. Kurz vor dem Ortseingang Fuhrberg aus Richtung Celle hatte ein 52 Jahre alter Subaru-Fahrer aus Gelsenkirchen ein langsam fahrendes Rollermobil - einen Piaggio Ape - riskant überholt. War er nun zu spät ausgeschert oder aus unerfindlichen Gründen zu lange auf der Gegenspur geblieben? Da unterschieden sich die Zeugenangaben. Sicher ist: Der Subaru-Fahrer zwang einen 31-Jährigen im Gegenverkehr zu einer Vollbremsung. Diese gelang gerade noch, aber dann knallte die nachfolgende Fahrerin mit ihrem Auto in das Hindernis. Drei Insassen blieben geschockt und verletzt zurück: zwei erlitten Schleudertraumata, einer Schädelprellungen, eine 18-Jährige einen doppelten Armbruch, von dem noch eine Metallplatte zeugt.

Der Unfallverursacher jedoch hielt nicht an, er fuhr einfach weiter - ein Zeuge, der den Unfall beobachtet hatte, holte ihn kilometerweit entfernt ein und eskortierte ihn zur Unfallstelle zurück. Konnte es tatsächlich sein, dass der Gießereifacharbeiter aus Gelsenkirchen den Unfall hinter sich nicht bemerkt hatte, wie er vor Gericht standhaft versicherte; dass er den Blechschaden, den Knall der explodierenden Airbags, den Dauerton der Hupe des aufgefahrenen Autos nicht gehört hatte?

Den Sachverständigen, den der Strafverteidiger des 52-Jährigen vergeblich beantragt hatte, brauchte Amtsrichter Michael Siebrecht für seine Einschätzung nicht: Wer beim Überholen eine derart knappe Situation erlebe, wie sie alle sechs Zeugen geschildert hatten, der interessiere sich für das, was hinter ihm passiert - das sage einem die Lebenserfahrung. „Für mich ist völlig klar, dass Sie in den Rückspiegel geguckt haben“, hielt Siebrecht dem Unfallverursacher vor. Und dann hätte er auch anhalten und sich kümmern müssen.

Entsprechend verurteilte der Richter den Mann wegen Unfallflucht und dreifacher fahrlässiger Körperverletzung zu 50 Tagessätzen à 65 Euro. Seinen bereits eingezogenen Führerschein wird der 52-Jährige erst in zehn Monaten zurückbekommen. Die ebenfalls angeklagte Straßenverkehrsgefährdung sah Siebrecht anders als der Staatsanwalt nicht als erwiesen an - anzunehmen sei vielmehr ein „Augenblicksversagen“. „Sie sind kein Verkehrsrowdy“, sagte er mit Blick auf das bislang makellose Verkehrsregister des Mannes. „Aber das war einfach nicht Ihr Tag.“

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