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Mit Oskar ist der Rest der Welt vergessen

Burgwedel Mit Oskar ist der Rest der Welt vergessen

Seit Beginn des Schuljahres gibt es in Fuhrberg einen tierischen Lehrer: Schulbegleithund Oskar hilft den Grundschülern beim Lesenlernen. Nach den Ferien wird es noch weitere Unterrichtsstunden mit Hund geben.

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Liam ist ganz in seiner Welt versunken: Dem Schulbegleithund Oskar etwas vorzulesen, macht dem Siebenjährigen viel Spaß.

Quelle: Carina Bahl

Fuhrberg. Eine gemütliche Decke auf dem Boden, ein Kissen zum Anlehnen an der Wand, und schon ist der Vorleseplatz für Dackel Oskar in Fuhrbergs Grundschule pünktlich um 8 Uhr morgens fertig. Die siebenjährige Finja kuschelt sich vorfreudig in die Ecke und genießt es, dass der kleine Schulbegleithund sich sofort an sie schmiegt. Und dann ist es so, als hätte jemand den Schalter umgelegt: Wort für Wort versinkt die Zweitklässlerin tiefer in ihre Vorlesewelt. Eine Journalistin, die die ganze Zeit fotografiert? Waldpädagogin Claudia Mithöfer, die Kind und Hund im Auge behält? Mitschüler, die auf den Fluren lachen? Einfach ausgeblendet.

„Ich würde die Kinder nie beim Vorlesen unterbrechen oder verbessern“, betont Mithöfer, die das Projekt „Lesen mit Hund“ seit Schuljahresbeginn in Fuhrberg anbietet. „Sie lesen schließlich für Oskar und für niemand anderen.“ Die Lehrer schicken alle 14 Tage abwechselnd Schüler zu ihr – und entscheiden, was gelesen wird. „Die Kinder werden schnell ganz ruhig dabei und konzentrieren sich viel besser mit Hund“, weiß Mithöfer.

Wer von dem Projekt hört, zweifelt vielleicht daran, wie ein Hund beim Lesenlernen helfen kann. Wer jedoch dabei war, tut das nicht mehr: Auch Liam hat mit Oskar das perfekte Publikum gefunden – extra für ihn liest er die Sätze in seiner spannenden Piratengeschichte besonders betont. „Das macht richtig viel Spaß“, sagt der Siebenjährige – und kichert, als Oskar ihn liebevoll mit der Schnauze anstupst. Die Angst vor dem Vorlesen ist den Schülern schnell genommen. Und wie leicht das Lesen fällt, wird deutlich, als Liam und Finja es auch noch schaffen, ganz nebenbei Oskar zu kraulen.

Die Schulstunden mit Hund werden in Fuhrberg nach den Herbstferien noch ausgebaut – „mit Oskar kann man alles machen, was man will“, weiß Mithöfer um die Gutmütigkeit ihres dreijährigen Dackels. „Aber das gilt bei Weitem nicht für jeden Hund.“ Um den Grundschülern den richtigen Umgang mit den Vierbeinern zu erklären, ihnen zu zeigen, wann ein Hund besser in Ruhe gelassen wird, was Warnzeichen im Verhalten sind und wie sich schnell Freundschaften schließen lassen, startet im Oktober das Projekt „Hunde machen Schule“. „Viele Beißunfälle lassen sich vermeiden, wenn man den Hund lesen kann“, betont Mithöfer. Als tierischer Lehrer wird Oskar dabei nur zu gern helfen. Für den Dackel ist das Freude pur: „Wenn er Kinder sieht, sind Erwachsene vergessen“, sagt sein Frauchen. #

Begeistert ist Oskar auch von Vorleser Liam, aber so ganz kann er der spannenden Piratengeschichte wohl nicht folgen – schläft er doch am Ende einfach auf dem Schoß des Siebenjährigen ein.

Von Carina Bahl

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