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Geldstrafe für Widerstand gegen Polizeibeamte

Burgwedel Geldstrafe für Widerstand gegen Polizeibeamte

Im Alter von 76 Jahren hat eine bis dato unbescholtene Rentnerin aus einem Burgwedeler Ortsteil erste Bekanntschaft mit dem Richter gemacht – unter der Anklage, Widerstand geleistet zu haben gegen Vollstreckungsbeamte, die sie zudem getreten und beleidigt haben soll mit Worten wie „Tunten“ und „Ärsche“.

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Die 2250 Euro Geldstrafe, zu der die 76-jährige Rentnerin vor dem Amtsgericht Burgwedel verurteilt wurde, will Richter Siebrecht als "klare Ansage" verstanden wissen.

Quelle: Frank Walter

Burgwedel. Nur Letzteres bestritt die Angeklagte vor dem Amtsgericht Burgwedel. Solch ein Wort würde sie doch nie in den Mund nehmen. Die ältere Dame lebt unter einem Dach mit ihrer Schwester, aber bisweilen hängt der Haussegen reichlich schief.

Ohne dass dies bisher zu weiteren Ermittlungen geführt hatte, gab es bereits vorher vier Polizeieinsätze, weil die 76-Jährige durch Tätlichkeiten gegen diese Schwester aufgefallen sein: Mal habe sie sie geschubst, wiederholt geschlagen und an den Haaren gerissen, mal ihr lauwarmen Kaffee über den Kopf gegossen oder das Telefonkabel durchgeschnitten, wusste Amtsrichter Michael Siebrecht aus den Polizeiprotokollen. Die Beschimpfung der Beamten beim fünften Einsatz brachte das Fass zum Überlaufen.

Passanten hatten am 8. April dieses Jahres die Polizei verständigt, weil sie aus dem besagten Haus Hilferufe gehört hatten. Diese waren auch noch nicht verstummt, als der erste Streifenwagen eintraf. Die Beamten fanden die Schwester mit zerrissenem Hemd vor. Zwei Beamtinnen – im Zuge des Einsatzes war die Polizei zeitweise zu neunt vor Ort – schilderten im Zeugenstand, wie massiv die Angeklagte sich durch Treten und Klammern gewehrt habe, als sie den verfügten Platzverweis durchsetzen wollten.

Die auch vor Gericht unbelehrbar wirkende Frau wurde gar „zu Boden gebracht“, und nur zu zweit schafften es offenbar die Polizistinnen, ihr Handfesseln anzulegen. Während der Fahrt ins Kommissariats soll die 76-Jährige sich einen Tritt auf den Fuß einer Beamtin nicht verkniffen haben. Und als es in der Arrestzelle darum ging, sich für die obligatorische Untersuchung zu entkleiden, soll dies nach Aussage der Zeuginnen ganz und gar nicht friedlich über die Bühne gegangen sein.

Für die Wucht der Reaktion von Polizei und Justiz vermochte die 76-Jährige keinerlei Verständnis aufzubringen. Richter Siebrecht sprach allerdings Tacheles. Wegen der Häufung der Tätlichkeiten habe das Gericht sogar schon überlegt worden, ob ein Betreuungsverfahren geboten sei. Die verhängte Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 45 Euro sei „eine klare Ansage, um sie auf den Weg zurückzubringen“.

Wort- und grußlos ließ die Verurteilte, die keinen Verteidiger hatte, Richter und Referendarin der Staatsanwaltschaft im Sitzungssaal zurück. Das Verhältnis zu ihrer Schwester sei gut, hatte sie beide zuvor belehrt. „Und wir werden noch lange zusammen wohnen.“

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