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Geständnis erspart Gefängnis

Wedemark/Burgwedel Geständnis erspart Gefängnis

Weil er sechs Jahre lang keine oder zu geringe Sozialabgaben für seine Angestellten gezahlt hatte, ist ein Wedemärker Bauunternehmer am Donnerstag vor dem Amtsgericht zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. So glimpflich kam er nur davon, weil er alles gestanden hatte.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Burgwedel. „Das hätte ein heftiges, mühsames, langwieriges Verfahren mit vielen Zeugen und hohen Aktenbergen werden können“, betonte der Verteidiger, warum das umfassende Geständnis seines Mandanten besonderes Gewicht habe. In der Tat ließ schon die fast 40-minütige Verlesung der Anklage erahnen, dass es weitaus mehr als einen Prozesstermin gebraucht hätte, um den Angeklagten zu verurteilen. Im Zeitraum von Juni 2007 bis Februar 2013 hatte der 54-Jährige für diverse Angestellte seiner Baufirma keine Sozialabgaben gezahlt - sie größtenteils nicht einmal angemeldet. Insgesamt waren so mehr als 495 000 Euro an Sozialbeiträgen von ihm nicht abgeführt worden.

„Es ließe sich viel zu diesen Vorfällen sagen, aber das hat an dieser Stelle keinen Sinn. Und zu entschuldigen ist das eh nicht“, ließ der Angeklagte über seinen Anwalt erklären. Er räume die Taten im Sinne der Anklage ein und werde dafür haften.

Im Vorfeld des Prozesses hatte es bereits ein Verständigungsgespräch zwischen Staatsanwaltschaft, Gericht und Verteidigung gegeben - mit dem Ergebnis, dass der Wedemärker für ein umfängliches Geständnis nur mit einer Bewährungsstrafe zwischen 20 und 24 Monaten rechnen müsse.

So kam es denn auch - 24 Monate Bewährung lautete das Urteil. „Und 500 Stunden gemeinnützige Arbeit halte ich obendrein für absolut angemessen“, betonte Amtsrichter Michael Siebrecht. „Das sind Sie der Gesellschaft bei so viel Geld und so einem langen Tatzeitraum schon schuldig.“

Dass dieses im Verhältnis milde Urteil die letzte Chance für den bereits einschlägig vorbestraften Angeklagten sei, daraus machte der Richter kein Geheimnis: „Sollten Sie in den nächsten drei Jahren straffällig werden, werden Sie sich für eine sehr lange Zeit verabschieden müssen.“

Auf das Pluspunktekonto des Angeklagten ging außer seinem Geständnis aber auch die Tatsache, dass von der knapp halben Million Euro Beitragsschulden schon gut zwei Drittel abbezahlt worden sind. Zudem hat der Angeklagte zugesichert, bei der Aufklärung weiterer Betrugsfälle rund um das Unternehmen zu helfen.

„Es tut mir wirklich leid“, nutzte der Angeklagte sein letztes Wort - er werde sich bemühen, den Schaden zu begleichen und eine Anstellung zu finden. Aktuell sei er nämlich arbeitslos und lebe auf Kosten seiner Familie.

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