Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Müllers fordern Gleichbehandlung

Burgwedel Müllers fordern Gleichbehandlung

Reines Wohnen im Großburgwedeler Gewerbegebiet II toleriert die Region Hannover nur noch zeitlich limitiert per Duldungsverfügung. Nur Heidemarie und Gerhand Müller bekamen eine Nutzungsuntersagung. Sollte ihr Widerspruch dagegen zurückgewiesen werden, will das Ehepaar klagen.

Voriger Artikel
600 Schäden im Kanalnetz gefunden
Nächster Artikel
Gemeinsam fit für den Job

Das Ehepaar Müller sieht sich im Vergleich zu ihren Nachbarn im Gewerbegebiet II benachteiligt.

Quelle: Martin Lauber

Großburgwedel. Dass die Stadt Burgwedel das Gewerbegebiet hinter Ikea 2015 nicht per Bebauungsplan in ein Mischgebiet umwandelte und damit das Wohnen nicht nachträglich legalisiert hat – was anderes bleibt den Müllers, als das zur Kenntnis zu nehmen? Schließlich hatte Gerhard Müller seine Firma an der Schulze-Delitzsch-Straße 2010 abgemeldet – seitdem ist es nichts mehr mit Arbeit und Wohnen.

Das Gros der Hausbesitzer bekundete im Laufe der letzten anderthalb Jahre die Absicht, ein Gewerbe anzumelden, das auch das Wohnen des Betriebsleiters im Haus erfordert. So sind von den ursprünglich 24 „illegalen“ Anwohnern von Raiffeisen- und Schulze-Delitzsch-Straße, denen die Räumung drohte, nur noch zehn übrig geblieben. Auch diesen kommt die Region mit einer Auswohnfrist bis Juni 2023 mit Aussicht auf Verlängerung im Falle von Alter und Krankheit durchaus weit entgegen. Die Gespräche mit den beiden letzten betroffenen Hauseigentümern seien auf einem guten Wege, berichtet Regionssprecher Klaus Abelmann.

Allein bei den Müllers – er ist 75, sie 62 und durch Multiple Sklerose gehandicapt – liegt der Fall anders. Anders als ihre Nachbarn haben sie in diesem April per Postzustellungsurkunde eine sogenannte Nutzungsuntersagung erhalten. Dieser Unterschied entfalte in der Praxis keine Außenwirkung, erklärt Abelmann. Die Bauaufsicht habe das Ehepaar, das den größeren Teil des Jahres im Ausland, meist in Tunesien, verbringt, über einen Zeitraum von drei Jahren nicht erreichen können. So habe man eben eine Verfügung erlassen müssen, denn: Zu einer Vereinbarung gehörten nun einmal beide Seiten.

Doch auch wenn die Region die Gebühr für den Verwaltungsakt der Nutzungsuntersagung nachträglich auf das Niveau der Duldungen – 857 Euro – gesenkt hat, bleiben mehr als nur redaktionelle Unterschiede. Wird bei den einen die Nutzung der Häuser als Wohnraum für weitere sieben Jahre „geduldet“, so wird sie den Müllers „untersagt“ und ist „bis spätestens 30. Juni 2023 aufzugeben“. Was Heidemarie Müller aber nicht mehr ruhig schlafen lässt, ist eine Sanktion, die es in den Schreiben an die anderen nicht gibt. Ihr und ihrem Ehemann wurde in separaten Verfügungen angedroht: „Falls Sie dieser Verfügung nicht nachkommen sollten, wird ein Zwangsgeld in Höhe von 150 Euro für jede angefangene Kalenderwoche, in der das Gebäude über den genannten Zeitraum hinaus als Wohnraum genutzt wird, gegen Sie festgesetzt werden.“

 „1200 Euro pro Monat? Mein Mann ist 2023 schon 82 und ich habe MS. Das macht mir Angst“, sagt die 62-Jährige. Diese Drohkulisse akzeptieren die Eheleute ebenso wenig wie die Behauptung, nie erreichbar gewesen zu sein. Immerhin hätten sie alle Behördenschreiben beantwortet. Notfalls wollen vor dem Verwaltungsgericht eine Gleichbehandlung erkämpfen. Auf einem anderen Blatt steht, dass das Ehepaar es gar nicht darauf ankommen lassen will, 2023 als Härtefall bei der Region um eine Fristverlängerung nachsuchen zu müssen. Ihr 270 Quadratmeter großes Haus, dessen erstes Geschoss bis zur Aufgabe der Firma als Büroetage diente, bieten die Müllers jetzt zum Verkauf an und sind nach ihrer Information nicht die einzigen im Gewerbegebiet. Interessenten wollen sie reinen Wein einschenken über die eingeschränkte Nutzbarkeit ihrer Immobilie – dass, „obwohl es sich hier wunderbar leben lässt“, Wohnen im Gewerbegebiet II nur im Zusammenhang mit der Ausübung eines Gewerbes erlaubt ist.

Kommunalaufsichtsbeschwerde abgewiesen

Die Kommunalaufsichtsbeschwerde, die Anwohner der Schulze-Delitzsch- und Raiffeisenstraße im Mai 2016 gegen die Stadt Burgwedel angestrengt haben, ist von der Region Hannover jetzt abgewiesen worden. „Die Stadt hat ihre Stellungnahme bei uns abgeliefert. Wir konnten kein Fehlverhalten feststellen“, erklärte Regionssprecher Klaus Abelmann auf Anfrage. In der von einem Anwaltsbüro formulierten Beschwerde war die Rechtmäßigkeit der Weigerung des Planungs- und Tiefbauausschusses, das Gewerbegebiet II in ein Mischgebiet umzuwidmen, infrage gestellt worden. Begründet wurde dies unter anderem damit, dass im Februar 2015 ein Ausschussmitglied nicht an der Abstimmung hätte teilnehmen dürfen, der Mitarbeiter einer im Gewerbegebiet II ansässigen Firma war, die sich klar gegen die Umwidmung positioniert hatte. Zudem seien von den Anwohnern vorgelegte Emissionsgutachten ignoriert worden. Das Ergebnis sei ein dramatischer Wertverlust: Die Beschwerdeführer dürften ihre nicht als Wohnhäuser nutzen noch als solche verkaufen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6slqn371eautd2w7l5i
Zurück aus der Hölle des Flüchtlingslagers

Fotostrecke Burgwedel: Zurück aus der Hölle des Flüchtlingslagers