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Fleischer Fortmüller macht zu

Großburgwedel Fleischer Fortmüller macht zu

Diese schlechte Nachricht rast durch Großburgwedel: „Schon gehört? Fortmüller macht dicht!“ Der Traditionsbetrieb am Markt schließt zum Jahresende. Hans Fortmüller, Fleischermeister in dritter Generation, hofft, zumindest für das Geschäft einen Pächter zu finden.

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Betriebsgründer August Steineke bekam 1880 den Meister-Brief, der wie der von Urenkel Hans Fortmüller (Foto) im Fleischerladen am Markt an der Wand hängt.

Quelle: Martin Lauber

Burgwedel. Die Leuchtbuchstaben „Fortmüller“ in Schreibschrift an der Backsteinfassade gehören zum alten Großburgwedel einfach dazu. Die Hausschlachtewurst von der Adresse am Markt, der Fleischsalat und die Bregenwürstchen setzen für viele Ureinwohner einfach den Maßstab.

Rolf Fortmüller, Vater von Hans und vom heutigen Ortsbürgermeister Rolf Fortmüller, hatte das Geschäft seines Großvaters August Steineke vor 55 Jahren nach einer Generation Pause wieder eröffnet. Hans Fortmüller hat es 2002 übernommen und handwerklich weitergeführt: Zehn Schweine pro Woche werden geschlachtet und im eigenen Schlachthaus verarbeitet. Die einzigen Lieferanten für Schweine und Rindfleisch sitzen in Steinwedel und Burgdorf.

Obwohl sein Beruf ihm nach eigener Aussage bis heute Freude macht, habe der Spaß unter Bürokratie, Auflagen und Dokumentationspflichten zunehmend gelitten, sagt Hans Fortmüller.

„Die Bombe ist dann nach der letzten Betriebsprüfung geplatzt“, berichtet der 48-Jährige: Binnen einer Drei-Monats-Frist verlangte das Landesamt für Verbraucherschutz einen „Instandsetzungsplan“ für das Schlachthaus, das „altersbedingte Mängel“ aufweise. Auch im Kühlhaus wurden offene Stellen an der Wandverkleidung moniert. Für die nach heutigen Maßstäben perfekte Hygiene müssten Böden und Wände neu gefliest, Leitungen unter Putz gelegt und auch die Decke neu gemacht werden - eine satte sechsstellige Investition.

Angesichts der wachsenden Konkurrenz, hauptsächlich durch das E-Center, spürbarer Umsatzrückgänge - „die Leute sehen immer nur den Betrieb am Samstag“ - und des fehlenden Nachfolgers für den Betrieb kam Hans Fortmüller während der Betriebsferien zu einem Entschluss: „Das rechnet sich für mich nicht mehr.“ Vergangene Woche teilte er seiner siebenköpfigen Belegschaft mit, dass Ende Dezember Schluss ist. „Traurig, aber verständnisvoll“, so schildert er die Reaktion sowohl seiner langjährigen Mitarbeiter wie der Stammkunden.

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