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Es kommt auf jeden Millimeter an

Großburgwedel Es kommt auf jeden Millimeter an

Wenn sich Leger und Schießer die Kugel geben spielen sie Pétanque. So wie die Sparte des FC Burgwedel. Dort schaffen die Spieler mit Können, wozu ein Laie wahrlich Schwein braucht: möglichst nah an die Zielkugel zu kommen. HAZ-Mitarbeiterin Katerina Jarolim-Vormeier hat mitgespielt.

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Wer spiel mit wem? Gitta Wolters (von links), Katerina Jarolim-Vormeier, Helga Köner und Heidi Grotwinkel werfen ihre Kugeln um die Wette.

Quelle: Jarolim-Vormeier

Großburgwedel. „Immer schön aufs Schweinchen schauen.“ Der Rat von Karl Wilhelm Goebel, Pétanque-Spartenleiter des FC Burgwedel, macht sich bezahlt. Mein Wurf endet direkt an der kleinen gelben Zielkugel. „Das nennt sich Schnuller“, verrät der Spartenleiter. Doch dann kommt Gitta Wolter und macht alles kaputt. Aus gut sieben Metern nimmt die 64-Jährige meine Kugel ins Visier – und klack, weg ist sie. Ein Meisterschuss, der viel Übung verrät. Gitta – Sportler duzen sich ja – hat Übung.

Fleißig trainiert sie immer dann mit, wenn die Pétanque-Sparte ihre Spielplätze vis-à-vis des Großburgwedeler Freibades öffnet. Seit einem Jahr gibt es die Sparte. Zehn Männer und fünf Frauen treffen sich seitdem regelmäßig zum Spielen. Heute haben sich zehn Aktive auf der vereinseigenen Anlage versammelt. Drei Plätze à 15 mal vier Meter stehen den Mitgliedern derzeit zur Verfügung. „Die Größe entspricht den Vorgaben des internationalen Verbandes“, erklärt Goebel. Damit die Abteilung auch an Ligaspielen teilnehmen kann, sollen im Sommer laut Goebel noch drei weitere Spielflächen auf dem Bolzplatz der FC-Jugend folgen.

Auf einem Spielfeld darf ich zeigen, was ich drauf habe. Als Hier-und-da-mal-Spielerin unter Könnern. Boccia spielte ich als Kind mit jenen gelben, roten, blauen und grünen Kunststoffkugeln, mit Wasser gefüllt, am Strand in Frankreich. Später nahm ich Metallkugeln in die Hand. Ich bin völlig gespannt. Doch zuerst gibt es eine kleine Einführung des Sparten-Chefs. „Pétanque ist die sportliche Variante des Boule.“ Übersetzt heiße Boule Kugel, sagt er und legt mir ein metallenes Exemplar in die Hand. Das hat ein Gewicht von 680 Gramm und ist im Durchmesser 7,2 Zentimeter groß. „Gute Kugeln kosten ab 100 Euro – und das ist Präzisionsarbeit, wie auch das Boulen selbst“, äußert Goebel.

Der Name Pétanque leitet sich ab vom französischen „pieds tanques“, zu deutsch „geschlossene Füße“, und beschreibt die Abwurfposition. Dabei darf ein kleiner Ring nicht verlassen werden. Die Spielidee ist eigentlich simpel. „Man braucht nur seine drei Kugeln und die ausreichend große Spielfläche“, sagt Goebel. Dann kommt es darauf an, seine Kugel möglichst direkt an der sechs bis zehn Meter entfernten Zielkugel, auch „Schweinchen“ genannt, zu platzieren.

Gespielt wird einzeln Tête-à-Tête, zu zweit im Doublette oder zu dritt im Triplett. Wir entscheiden uns für die Doublette-Formation. Ich spiele an der Seite von Helga Köner, die sich mit dem französischen Nationalsport auskennt. Mein Part ist das „Legen“, und so gebe ich mein Bestes, um dem „Schweinchen“ mit meiner Kugel an die Pelle zu rücken. Nicht immer gelingt es, und wenn doch, währt die Freude nicht lange. Denn Gitta ist ein guter Schießer – leider.

Aber meine Team-Kollegin bietet Paroli und nimmt die Kugeln des gegnerischen Legers Heidi Grotwinkel aufs Korn. Weil gut Ding Weile haben will, wird nach jedem Wurf das weitere Vorgehen überlegt, und Heidi versichert sich persönlich, welche Kugel am nächsten liegt. Wird erst der Weg freigeschossen oder doch weiter gelegt? Auf die Taktik kommt es an. Denn punkten kann nur, wer am Ende der Zielkugel am nächsten liegt – gehören einem Team mehrere der besten Kugeln, gibt es auch mehrere Punkte. Sind die Distanzunterschiede so gering, dass sie mit bloßen Auge nicht auszumachen sind, kommt Wolfgang Mohrlüder mit seinem Maßband zum Einsatz – und dann kommt es auf jeden Millimeter an. Gewonnen hat, wer es als Erster auf 13 Punkte bringt. Eine Anzeigetafel zeigt den Spielstand an.

Bis dahin wechseln sich Erfolgserlebnisse und Dämpfer ab. Was konstant bleibt, ist die gute Stimmung. Locker geht es zu in der Pétanque-Sparte des FC. Es wird gewitzelt und gelacht, und ich lerne jede Menge französischer Fachausdrücke. Es macht Spaß, und ich soll wiederkommen.

Verstärkung gesucht

Die Pétanque-Gruppe will den Sport weiter als Freizeitspiel betreiben, ab dem Jahr 2018 aber auch bei Wettkämpfen mitmischen. Im bundesweiten Verzeichnis im Internet auf www.bouleplaetze.de können sich alle Interessierten über die Lage der Pétanque-Bahn Auf der Ramhorst und die regelmäßigen Spielzeiten der Sparte informieren. Trainiert und gespielt wird im Sommer immer mittwochs ab 16 Uhr, freitags ab 17 Uhr und sonntags ab 10 Uhr – je nach Wetterlage und Absprachen.

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Fotostrecke Burgwedel: Es kommt auf jeden Millimeter an

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Von Katerina jarolim-vormeier

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