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Viel mehr Flüchtlinge wollen arbeiten

Grossburgwedel Viel mehr Flüchtlinge wollen arbeiten

Circa 70 erwachsene Asylbewerber, die von der Stadt Burgwedel zurzeit untergebracht werden, kämen theoretisch für gemeinnützige Arbeit infrage, wie sie der städtische Bauhof aktuell neun Flüchtlingen bieten kann. Diese Männer arbeiten dort schon mit, seit sie in Burgwedel angekommen sind.

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Heinrich Gremmel (von links) vom Bauhof teilt Alassane Konate, Fatos Mecani und Mike Kita für den Vormittag ein.

Quelle: Jarolim-Vormeier

Burgwedel. „Wir haben extrem viele Leute, die im Asylverfahren stecken, aber unbedingt arbeiten möchten“, erklärt Frauke Paschen, die sich als Sozialarbeiterin um Flüchtlinge kümmert. Außer Bauhof, Schwimmbad, Kläranlage und Wettmar, wo Vize-Ortsbürgermeister Klaus Sommer die Männer bei Grünarbeiten anleitet, gibt es kein weiteres Angebot. „Und die Plätze, die wir haben, sind alle schon belegt“, bedauert Paschen. Sie und ihr Kollege Otto Krull setzen auf Vereine, Verbände und öffentliche Institutionen – diese könnten weitere Einsatzgebiete eröffnen. Voraussetzung: Die Arbeit muss gemeinnützig sein. Paschen: „Wir hatten zum Beispiel an ein Projekt gedacht wie: Flüchtlinge verschönern Burgwedel durch das Anlegen von Beeten.“

Verstärkung hat der Großburgwedeler Bauhof: Neun Flüchtlinge packen bei der Grünflächenpflege und anderen Arbeiten mit an. Nach dem Sturmtief vom Wochenende hieß es am Montag: aufräumen.

In orangefarbener Warnschutzhose schneidet Mike Kita einen großen Ast in kleine Stücke. Mit Arbeitshandschuhen und Sicherheitsschuhen bekleidet, helfen Fatos Mecani und Alassane Konate, das vom Sturm abgerissene Grün auf die Ladefläche eines Kleinlasters zu befördern. Zusammen befreien die drei Flüchtlinge den Parkplatz im Pappelweg von Resten des Sturmtiefs.

Seit einem Jahr arbeitet Kita auf dem Bauhof. Der Mann aus dem Sudan unterstützt dort die Mitarbeiter bei ihrer Arbeit. Auch Fatos Mecani aus Albanien und Alassane Konate von der Elfenbeinküste ziehen bereits seit sechs Monaten morgens mit den städtischen Mitarbeitern los und halten die Dörfer und die Stadt sauber. Aktuell neun Asylsuchende setzt die Stadt am Rasenmäher, in der Grünflächenpflege oder bei der Straßenreinigung ein.

„An die elektrische Heckenschere lasse ich die Männer noch nicht heran, aber ansonsten können wir sie überall einsetzen“, erklärt Heinrich Gremmel vom Bauhof. Der 48-Jährige ist zufrieden, sein Zwischenfazit: „Ich habe sie als freundlich, motiviert und herzlich kennengelernt“, sagt er. Die Stimmung sei gut, auch wenn die Kommunikation noch nicht einwandfrei laufe.

Individuelle Sprachbarrieren werden zum Teil mit Händen und Füßen überwunden. Das Motto: Erst vormachen, dann nachmachen. Gremmel, der anfangs skeptisch gewesen war, ob das Projekt trotz der Verständigungsschwierigkeiten klappt, berichtet von durchweg positiven Erfahrungen.

Gut verständigen kann sich schon der 33-jährige Kita. Er nimmt wie die anderen Flüchtlinge am Deutschunterricht teil. „Die Arbeit hilft beim Lernen der Sprache“, sagt er.

Bei Wind und Wetter sind die Asylsuchenden unterwegs. Für ihre Tätigkeit erhalten die Flüchtlinge einen Euro Lohn pro Stunde. Gremmel möchte die Arbeitskraft des Sudanesen in seinem Team nicht mehr missen. „Ich würde ihn gern als Saisonarbeiter einstellen“, erklärt er. Nach dem Einsatz am Pappelweg ging die Arbeit am Montag in Wettmar weiter. Danach kehrten Kita, Mecani und Konate zum Bauhof zurück und machten es sich zum Frühstück an einem Tisch bequem. Die feuchte Arbeitskleidung legten sie beiseite und freuten sich auf warmen Tee und belegte Brote.

Von Katerina-Jarolim-Vormeier und Martin Lauber

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