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Nur Prinzessin Leia hat's nicht gesehen

Burgwedel Nur Prinzessin Leia hat's nicht gesehen

Jeden Tag in der vergangenen Woche war der Großburgwedeler Jens Fischer ab 19 Uhr im Fernsehen zu sehen. Da wird man schnell zum Stadtgespräch. Der Nuklearmediziner war Kandidat in der Vox-Kochsendung "Das perfekt Dinner". Für den ersten Platz reichte es dabei nicht – für Burgwedels Sieger der Herzen aber allemal.

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Jens Fischer hat in der vergangenen Woche im Fernsehen um die Wette gekocht. Freunde, Familie, Burgwedeler und seine Patienten haben es gesehen.

Quelle: Carina Bahl

Großburgwedel. „Am meisten hatte ich Angst, dass ich peinlich oder wie ein Nerd rüberkomme“, überlegt Jens Fischer. Wie kommt er nur darauf? Gut, sein Esstisch steht zwischen 6000 Büchern – vor allem Science-Fiction-Werke und Comics. „Und ich hätte vielleicht nicht unbedingt mit meinem Laserschwert herumfuchteln sollen.“ Zu spät: In dieser Woche hat ein Millionenpublikum den Großburgwedeler dabei beobachtet, wie der Fernsehsender Vox ihn in der Kochshow „Das perfekte Dinner“ in Darth Vader verwandelte.

Dass man mit so einer Fernsehpremiere in einer Kleinstadt wie Burgwedel zum Promi wird, das hatte Fischer sich vorher nicht überlegt. „Als der Sendetermin feststand – Panik!“, scherzt er. Eigentlich ist Fischer Nuklearmediziner – „mit Patientenkontakt“, wie er vielsagend betont. Dass der Fernsehauftritt das Gesprächsthema Nummer eins in seiner Praxis ist, dass Bekannte, von denen er Jahre nichts gehört hat, sich melden, dass Autofahrer an der Tankstelle ihn ansprechen, und die Blicke von Einkaufswagen-Schiebern im Super-
markt an ihm haften – „so ist es wohl, wenn man kurz mal Person des öffentlichen Lebens wird“.

Dabei war Fischer nur durch Zufall in die Fernsehsendung gerutscht. Sein Freund wollte mitmachen, aber dessen Küche war zu klein. „Kurz vor Weihnachten kam der Anruf, ob ich stattdessen mitmachen will. Es folgte ein Koch-Casting, und im Januar liefen drei Fernsehteams auf“, erinnert sich der Großburgwedeler. Skurriles tat sich an den Drehtagen auf – sein geliebtes Bild von Prinzessin Leia aus „Star Wars“ im Esszimmer war im Fernsehen nicht zu sehen. „Ich musste es trotz Protestes mit einem Bettlaken abhängen, weil der Sender die Rechte von Disney nicht verletzen wollte“, erklärt Fischer. Warum das Team dann aber seine Mickey-Mouse-Comics groß herangezoomt hat, bleibt ihm ein Rätsel. Dass man nicht direkt in die Kamera guckt, war nach dem dritten Interview klar. Immer mit Puder fürs Näschen? „Von wegen! Alles ungeschminkt“, sagt Fischer. „Deshalb habe ich auch so einen roten Kopf im Fernsehen gehabt.“ Schauspieltalent war gefragt, weil die Teilnehmer so tun mussten, als wäre schon März. „Da erzählt man auf einmal was von zwitschernden Vögeln und Frühlingsluft.“

„Fürs Fernsehen braucht es Mut oder Selbstbewusstsein“, stellt der Vater zweier erwachsener Kinder fest. Die Facebook-Kommentare zur Sendung – nicht alle nett – hat er mit der „Distanz, die ein Arzt zu schlimmen Sachen eben aufbauen kann“, verfolgt und abgehakt. „Mir ging es immer ums Kochen.“ Seit seiner Studentenzeit liebt der Großburgwedeler das Kochen. Seine Küche ist perfekt ausgestattet, Hunderte Kochbücher reihen sich in den Regalen, Experimente am Herd haben Freunde und Familie schon beglückt. „Ich wollte wissen, ob ich mithalten kann.“

Ein geteilter letzter Platz mit 28 von 40 Punkten sei nicht das Ziel gewesen – aber er hatte es auch schwer. Jede Sendung dauert nur eine Stunde, jeder Drehtag allerdings von 8 bis 2.30 Uhr. Wie bekommt man als „Nicht-Möger“ alkoholischer Getränke bloß gekonnt eine Champagnerflasche auf? Warum war die Wärme-Schublade für die Teller plötzlich aus? Wer hatte vorher gesagt, dass hochmoderne Küchenmaschinen tabu sind? Und wie soll ein Drei-Gänge-Menü, das einen Tag Arbeit erfordert, gezaubert werden, wenn man vormittags ein Kamerateam durch die Wohnung führen muss? „Und dann noch mein wunder Punkt: Tischdeko“, erinnert sich Fischer und zwinkert. Naja, Adventskerzen und ein Metallteller taten das Nötigste. „Aber wenn ich zur Deko der anderen gefragt worden bin, konnte ich mich nicht erinnern. Ich guck’ auf so was doch nicht“, gesteht Fischer. Zudem hatte sich in der Spezialausgabe der Sendung ein echter Koch unter die Kandidaten gemischt. „Am Ende war ich der einzige, der beruflich nichts mit Essen zu tun hat“, sagt der Arzt. „Außer, man zählt Magen-Darm-Erkrankungen mit.“

Diese Kunst, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen, lassen den 52-Jährigen entspannt auf die Erfahrung zurückblicken. Die Kniffe des Filmdrehs – manche Dinge müssen mehrmals in Szene gesetzt werden – bleiben in Erinnerung. „Ich glaube, ich habe meine Gäste dreimal begrüßt. Und man sollte beim Dreh nicht auf einmal den Kameramann ansprechen.“ Fest steht: „Gut, dass nicht alles gesendet wurde, was gedreht wurde.“ Aber genau darin bestand die größte Aufregung: „Als Kandidat bekommt man nichts vorher zu sehen, Vox darf alles senden.“

Dass Fischer die Woche über Urlaub hatte, jetzt verreist ist und seine Tochter  in Südafrika lebt, habe aber absolut nichts mit der neuen Prominenz zu tun, betont der Großburgwedeler. „Ich stehe dazu und würde es wieder machen.“ Was er erkannt hat bei der Selbstschau auf der Mattscheibe: „Ich bin gar nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte“, sagt er und lacht – „aber leider auch nicht so schlank.“

Von Carina Bahl

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