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Integration funktioniert ohne Sonderstatus

Burgwedel Integration funktioniert ohne Sonderstatus

Wie funktioniert die Integration von Flüchtlingen im Schulsystem? Diese Frage ließ sich der Schulausschuss am Dienstagabend beantworten. 46 Flüchtlingskinder gehen aktuell zur IGS oder Oberschule, zwölf zum Gymnasium, 37 in eine der fünf Grundschulen.

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In den Sprachlernklassen werden Flüchtlingskinder gesondert gefördert, ansonsten verzichten die Schulsozialarbeiter ganz bewusst auf Extraangebote.

Quelle: Symbolbild

Burgwedel. „Der erste Ansturm, bei dem es nur um Versorgung und Unterbringung gehen konnte, ist abgearbeitet“, erklärte Burgwedels Erste Stadträtin Christiane Concilio. „Jetzt stellt sich die Frage, wie wir die Integration unterstützen können, was wir den Kindern anbieten sollten.“ Drei Sprachlernklassen gebe es an den weiterführenden Schulen, zudem eine für alle Grundschulen in Wettmar. Zwei Schulsozialarbeiter sind momentan auch für die Flüchtlinge im Einsatz – aber nicht an den Grundschulen. Anträge darauf sind vom Land stets abgelehnt wurden, weil die Zahl der Flüchtlingskinder zu gering sei.

„Integration funktioniert am besten ohne Sonderstatus. Unsere Angebote für Flüchtlinge? Wir haben keine“, stellte Schulsozialarbeiter André Leuschner den Politikern vor. „Wir sind für alle da und machen keine Unterschiede zwischen Flüchtlingen und Deutschen.“ Dem pflichtete auch Jugendpfleger Uli Appel bei: „Ein Extra-Angebot bedeutet immer auch Isolation“, sagte er. Abgesehen von Sprachlernklassen, die durchaus ihren Sinn erfüllten, müsse es Ziel sein, die allgemeinen Angebote der Schule so niederschwellig zu gestalten, dass Flüchtlinge und Deutsche sie gemeinsam nutzten. „Vor allem in der Fußball-AG funktioniert das sehr gut“, nannte Leuschner ein Beispiel.

Im Jugendzentrum sieht das nicht anders aus. Laut Appel mussten sogar die Öffnungszeiten erweitert werden, um dem Andrang gerecht zu werden. „Nur sieben bis acht Flüchtlinge sind für die offene Ganztagsschule angemeldet“, erklärte Appel. „Das macht aber nichts: Nachmittags finden wir sie dann im Jugendzentrum wieder.“ Auch Leuschner und seine Kollegin Heide Neudörfer konnten diese Einschätzung unterstützen – viele Flüchtlingskinder seien sehr bemüht, sich zu integrieren. „Die Arbeit mit den Flüchtlingsfamilien unterscheidet sich kaum von der mit deutschen“, betonte Neudörfer. Es gebe schwierige Familien, die eine Zusammenarbeit ablehnten, und andere, die kooperativ seien. Man müsse immer bedenken, dass Flüchtlinge oft belastet seien, teils auch keine Vorstellung davon hätten, was Schulpflicht bedeute.

Die größte Herausforderung bleibe die Sprache: „Zum Glück gibt es in der weiterführenden Schulen ältere Flüchtlinge, die rasant Deutsch gelernt haben und aushelfen“, so Neudörfer. In den Grundschulen allerdings, so wurde in der Diskussion klar, fehlen immer häufiger Dolmetscher. „Jeder, der helfen möchte, ist gern gesehen und kann sich bei der Stadt melden. Wir koordinieren das dann“, betonte Concilio.

Von Carina Bahl

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