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Gutte schreibt Buch übers Mahnmal

Großburgwedel Gutte schreibt Buch übers Mahnmal

Unabhängigen-Ratsherr Rudolf Gutte, gerade erst zur Romanfigur avanciert, hat auch selbst ein Buch geschrieben, das den fast schon legendären Streit ums Großburgwedeler Mahnmal behandelt - nicht fiktiv, sondern dokumentarisch.

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Rudolf Gutte kommt gut präpariert zum Redaktionsgespräch.

Quelle: Martin Lauber

Burgwedel. „Zur Romanfigur zu werden, hätte ich mir nie träumen lassen“, sagt Gutte nach der Lektüre des vergangene Woche erschienenen Romans „Wem gehört die Erinnerung?“ Diesen hat der 88-jährige Großburgwedeler Julius Schulze, wie berichtet, unter dem Pseudonym Julius Aller dem kommunalpolitischen Streit ums Mahnmal gewidmet. „Viel blühende Fantasie“, konzediert Gutte diesem Werk. Die Fantasie sei dem Autor in puncto Mahnmal-Zerstörung allerdings „etwas aus dem Ruder gelaufen“. Immerhin wird Guttes literarisches Alter Ego Benno Rotermund im Roman in den Verdacht gebracht, anno 2009 Autonome für die Zerstörung des „Tors der Erinnerung“ auf dem Großburgwedeler Friedhof angeheuert und bezahlt zu haben.

Das eigene 160-Seiten-Manuskript des Ratsherrn liegt bereits seit Monaten bei einem wissenschaftlichen Verlag. „Vom Soldaten-Ehrenmal zur Gedenkstätte für alle Opfer des NS-Regimes“ soll es heißen. An eben jenem Prozess hatte der 77-Jährige als SPD-Mitglied im Ortsrat Großburgwedel maßgeblichen Anteil gehabt. Seine Erfahrungen habe er im Bemühen dokumentiert, dem politischen Gegner Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, erklärt er - was dem Vernehmen nach eine subjektive Positionierung in Kernfragen des Streits aber nicht ausschließt.

Denn anders als Romanautor und CDU-Mitglied Julius Schulze sieht Gutte in dem umstrittenen Mahnmalspruch „... ob die Soldaten ... an Verbrechen beteiligt waren oder unbescholten blieben, ist für jeden einzelnen zu fragen“ keine Schmähung von Soldaten. Vielmehr sei diese Formulierung ein „erinnerungspolitisches Meisterstück“. Nur durch sie sei es möglich geworden, auch belastete Täter mit auf der Gedenktafel zu nennen.

Wann sein Buch erscheint, kann Gutte noch nicht sagen. Zwei Vorworte seien bereits geschrieben: eins vom Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Hannover, Michael Fürst, ein weiteres von dem promovierten Historiker Jens-Christian Wagner, der seit 2014 die niedersächsische Gedenkstättenstiftung leitet. Was noch fehle, sei ein substanzieller Beitrag eines Historikers, der den Meinungsbildungsprozess und sein Ergebnis einordnet. Immerhin habe Großburgwedel in Sachen Gedenkkultur eine Stellvertreterdebatte geführt für viele Orte in Deutschland, wo NS-Unrecht verdrängt und verschwiegen werde.

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