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Ausbau des Gymnasiums kostet 37 Millionen Euro

Burgwedel Ausbau des Gymnasiums kostet 37 Millionen Euro

Eine Summe, die Schnappatmung auslösen kann: Erweiterung und Sanierung des Gymnasiums Großburgwedel werden nach groben Schätzungen rund 37 Millionen Euro verschlingen. Für die Vorbereitung eines Architektenwettbewerbs auf dieser Kostenbasis hat der Schulausschuss am Donnerstagabend grünes Licht gegeben.

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Die Schule braucht Platz. 1050 Schüler besuchen zurzeit das Gymnasium Großburgwedel, in vier Jahren sollen es 1200 sein.

Quelle: Martin Lauber

Burgwedel. Schuldenfreiheit adé? Ortrud Wendt (CDU) sprach angesichts der finanziellen Dimension von einer „Zeitenwende“. Wohl kein Burgwedeler Ratsmitglied habe bisher jemals über eine auch nur ansatzweise so hohe Investition zu entscheiden gehabt, unterstrich auch Kämmerer Christian Möhring.

An der Notwendigkeit sei gleichwohl nicht zu rütteln, machte Burgwedels Erste Stadträtin Christiane Concilio deutlich – aus Platz- wie aus pädagogischen Gründen. Karin Beckmann (SPD) erklärte, dass es bei diesem Jahrhundertprojekt zu einem Vorgehen in großer Gemeinsamkeit keine Alternative gebe. Wendt pflichtete dem bei und sprach von einem „gemeinsamen Baby“.

Den Beschluss, einen Architekten mit der Erstellung der Unterlagen für die Ausführung eines Architektenwettbewerbs zu beauftragen, unterstützte der Schulausschuss denn auch einstimmig. Zuvor soll eine Wirtschaftlichkeitsanalyse Aussagen darüber treffen, ob das Raumprogramm der bisherigen drei Planvarianten, so Möhring, „überhaupt passt“.

Zu dem erhöhten Raumbedarf, den eine Arbeitsgruppe aus Schulleitung, Lehrern, Eltern, Schüler und Stadtverwaltung in einer halbjährigen Planungsphase ermittelt hat, tragen unterschiedliche Faktoren bei. So beschert die Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren (G 9) dem Gymnasium einen zusätzlichen (siebenzügigen elften) Jahrgang. Auch können die neun derzeit ins Schulzentrum ausgelagerten Gymnasialklassen dort nicht bleiben, weil die neue IGS diese Räume für Differenzierungsangebote bald selbst brauchen wird.

16 Klassenverbände zusätzlich müssen also nach Umbau, Erweiterung und Sanierung des Gymnasiums zur Verfügung stehen. Aber mehr Platz braucht die Schule auch fürs zeitgemäße Lernen. Die pädagogischen Anforderungen hätten sich gravierend verändert – und das nicht nur wegen des Ganztagsbetriebs, unterstrich  Concilio.

Das Gymnasium sei Anfang der Sechzigerjahre für circa 700 Schüler gebaut worden – mit Klassenräumen, die auf Frontalunterricht ausgerichtet seien, in dem alle zur selben Zeit dasselbe tun. Doch derzeit besuchten circa 1050 Kinder die Schule, und für das Jahr 2020 – dann sollte nach bisheriger Planung die Baumaßnahme abgeschlossen sein – rechnet die Schulleitung sogar mit 1200 Schülern. Diese sollen die Voraussetzungen für die heute angesagten kooperativen und selbstbestimmten Lernformen vorfinden, wofür es unter anderem auch in bestimmten Jahrgangsstufen größerer Klassenräume bedarf. Die unterschiedlichen Altersstufen sollen räumlich zusammengefasst werden. Zum gehobenen Standard gehört auch, dass alle Schüler sich in Pausen auf hellen Fluren in ihrer jeweiligen „Homebase“ aufhalten können sollen. Für die Oberstufe steht unter anderem ein Lernzentrum auf der Agenda.

Obwohl noch ungeklärt ist, was im Bestand verändert und was wo angebaut werden soll, bietet die Planungsgruppe vor dem Hintergrund des pädagogischen Konzepts des Gymnasiums drei mögliche Varianten zum Vergleich an. 4100 Quadratmeter Fläche haben die Gebäude bisher. Die Umsetzung des gesetzlichen Minimums würde sich auf 6300 Quadratmetern (Variante III) für geschätzte 25,8 Millionen Euro realisieren lassen – inklusive der 2,5 Millionen Euro für die Interimsunterbringung während der Bauphase.

Das anspruchsvollste Denkmodell (I) der Planungsgruppe landet bei einem Flächenbedarf von 8600 Quadratmetern und rund 34,5 Millionen Euro Kosten. Um die von der Stadtverwaltung favorisierte Konsens-Variante (II) auf 7400 Quadratmetern Gesamtfläche zu bauen, würden knapp 32 Millionen Euro fällig. Auf alle Varianten kommen aber jeweils noch rund 5 Millionen Euro für Sanierungen im Bestand obendrauf.

Laut Stadtverwaltung legt der jetzt gefasste Beschluss für die Vorbereitung des Architektenwettbewerbs den neu gewählten Rat nicht auf eine Variante fest, was den Mitgliedern des „alten“ Schulausschusses in dessen letzter Sitzung eminent wichtig war. Gegebenenfalls ließen sich die Ausschreibungsunterlagen laut Kämmerer Christian Möhring nachträglich verändern.

Stimmen zum Beschluss des Schulausschusses

Axel Düker, Bürgermeister (SPD): "Was wir heute beschließen, ist zwar kein Bauauftrag. Aber dass wir weiterplanen können, ist ein wichtiges Signal. (...) Wir wissen, dass wir die Kinder unterbringen müssen. Und es soll etwas Gutes für die Zukunft sein. Allerdings werden wir uns auch fragen müssen, wie wir das gegenfinanzieren." 

Gesa Johannes, Schulleiterin des Gymnasiums: "Ich bin der Stadt sehr dankbar, dass sie dieses wichtige Projekt so tatkräftig anpackt. Besonders freue ich mich für die Schüler, um deren Lernbedingungen es geht."

Olaf Slaghekke, Ratsherr, Die Grünen: "Wir sollten noch einmal in die Meta-Ebene Ramhorst gehen und mögliche Berührungspunkte der Gymnasiumserweiterung mit der Entwicklung der IGS prüfen."

Ortrud Wendt, Ratsvorsitzende (CDU): "Wir waren bisher schuldenfrei und nehmen jetzt einen Riesenschluck aus der Pulle und stemmen 35 Millionen Euro. Ich hätte dabei ein Problem, wenn das nicht unser gemeinsames Baby wäre."

Wie der Kämmerer der Stadt den Handlungsspielraum erhalten will

Ist es jetzt vorbei mit der Schuldenfreiheit der Stadt Burgwedel, die aktuell 20 Millionen Euro auf der hohen Kante hat? Die Kosten der Erweiterung des Gymnasiums taxiert die Verwaltung in der empfohlenen Variante II inklusive fälliger Sanierungen auf grob geschätzte 37 Millionen Euro. „So viel haben wir nicht in der Portokasse. Wir werden Kredite aufnehmen müssen“, machte Kämmerer Christian Möhring am Donnerstagabend deutlich.

Um der Stadt ihren Handlungsspielraum zu erhalten, würde Möhring am liebsten den gesamten Betrag bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) aufnehmen und zum aktuellen Zinssatz von 0,5 Prozent bei dreiprozentiger Tilgung über 
30 Jahre abstottern. Die Liquidität des städtischen Haushalts würde das mit rund 1,15 Millionen Euro jährlich belasten. Und ab dem elften Jahr bestünde ein erhebliches Zinsrisiko.

Ob das haushaltsrechtlich so möglich ist, versah Möhring noch mit einem Fragezeichen. Denn vor einer Kreditaufnahme müssten normalerweise vorhandene Mittel eingesetzt werden – „es sei denn, das Ganze ist wirtschaftlich“. Ob dies so ist, werde gerade berechnet. Ihre zurückgelegten Millionen bekommt die Stadt zurzeit mit null Prozent verzinst. Dank eines potenziellen Tilgungszuschusses in Höhe von 2 Millionen Euro, mit dem die KfW eventuell die höhere Energieeffizienz nach dem Umbau honorieren würde, könnte ein Komplett-Kredit sich möglicherweise rechnen.

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Den Auftrag, einen Architektenwettbewerb vorzubereiten, fasste der Schulausschuss einstimmig.

Quelle: Martin Lauber

Von Martin Lauber

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