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Sakralbau diente einst 
als Klassenzimmer

Engensen Sakralbau diente einst 
als Klassenzimmer

Burgwedels alte Häuser können Geschichte(n) erzählen: In einer Serie stellen wir in loser Folge eine Auswahl der steinernen Zeitzeugen vor. Diesmal geht es um die Kapelle in Engensen.

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Die am Dorfplatz etwas versteckt stehende Kapelle Engensen ist aus Findlingen und Raseneisensteinen errichtet. Links der 1912 angebaute Klassenraum.

Quelle: Jürgen Zimmer

Engensen. Die Kapelle ist so klein und liegt noch dazu hinter einem Haus versteckt, dass man sie am Dorfplatz leicht übersieht. Vor dem Bau aus Findlingen und Raseneisensteinen steht deshalb eine Informationstafel. Da erfährt der Interessierte, dass der sakrale Bau einer der ältesten zwischen Hannover und Celle ist: Er soll etwa im Jahr 1250 entstanden sein.

Gesichert ist, dass die Kapelle schon stand, als Bischof Otto von Hildesheim im Jahr 1278 den „Zehnten“ aus Engensen an das Kloster Wienhausen übertrug. Genutzt wurde sie zu dieser Zeit jedoch eher selten. In einem Visitationsbericht von 1668 steht zu lesen, dass nur zweimal jährlich darin gepredigt wurde. Schließlich hatte der Pfarrer sich nicht nur um seine Gemeinde zu kümmern, sondern musste auch seine eigene Landwirtschaft betreiben.

Im Jahr 1307 kauften sich die wackeren Christen von Wettmar, Engensen und Thönse für 50 Pfund Hildesheimer Münzen von der St.-Pankratius-Gemeinde in Burgdorf los. Auch in diesem Vertrag ist die Kapelle erwähnt. Das Kirchspiel existiert noch heute. Zu dieser Zeit soll auch das damals noch separat stehende Glockgerüst abgerissen und ein Glockenturm aufs Gebäude aufgesetzt worden sein.

Eine genauere Beschreibung der Kapelle hat Pastor Johann Heinrich Knoch im Jahr 1787 in seiner Schrift „Corpus Bonorum“ (ein geläufiger Begriff für Beschreibungen städtischen oder kirchlichen Grundbesitzes) geliefert. Darin gab er die Außenmaße mit 36 Fuß Länge und 22 Fuß Breite an und erwähnte, dass alle Bewohner des Dorfes in der Kapelle Platz fänden.

1868 wurde westlich der Kapelle ein Lehrer- und Schulhaus mit Durchgang zum Sakralbau gebaut, der dann auch als Klassenzimmer genutzt wurde. Der regional bekannte Baurat Conrad Wilhelm Hase soll dabei seine Hände im Spiel gehabt haben. Die Bürger wollten die Kapelle abreißen. Hase, der zuvor die St.-Marcus Kirche in Wettmar bauen ließ und in diesem Zuge sicherlich auch die kleine Kapelle in Engensen besichtigt hatte, verhinderte dies und plante den Engensern dafür das neue Gebäude für rund 70 Schulkinder.

Die Räume wurden 1912 für die Bedürfnisse abermals zu klein, und man errichtete einen weiteren Schulklassenbau südlich angrenzend. Im Jahr 1917 fiel die 1868 in Linden gegossene Glocke der Rüstungsindustrie des Ersten Weltkrieges zum Opfer und wurde eingeschmolzen. Der 1924 gekauften neuen Glocke erging es nicht besser. Sie wurde 1941 zur Kanone

In den Nachkriegsjahren wurde die Kapelle renoviert und der ursprüngliche Zustand des Gebäudes soweit wie möglich wieder hergestellt. Dabei wurden alte Runen in Form von Weihekreuzen entdeckt und restauriert. Die Neueinweihung, die auch mit einer neuen Glocke verbunden war, erfolgte am Palmsonntag 1961. Der Innenraum ist zuletzt 2008 nach Entwürfen des örtlichen Tischlermeisters Johann Christian Zoch renoviert worden. Das bislang letzte große Ereignis erlebte die Kapelle im August 2010, als die einstige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, im Rahmen einer Fernsehsendung zum Reformationstag die Kapelle besuchte.

Viele Engenser lassen sich in der kleinen Kapelle trauen und ihre Kinder taufen. Die Unterhaltung wird ausschließlich durch Spenden finanziert. Küsterin Anne Wolny führt auf Anfrage gern Besucher herum und erzählt die Geschichte des Baus.

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als Klassenzimmer

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Von Jürgen Zimmer

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