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Hochzeitsreise der Königin geht nach Spiekeroog

Burgwedel Hochzeitsreise der Königin geht nach Spiekeroog

Dass nicht jedes Wesen mit königlicher Abstammung ein charakterlicher Volltreffer ist, ist bei Menschen wohlbekannt. Horst Schäfer, Chef des Imkervereins Burgwedel-Isernhagen, kennt das aus der Bienenwelt ebenfalls - und scheut deswegen wie viele Züchter keine aufwendigen Methoden der Einflussnahme.

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Volk ohne Königin: Bienenzüchter Horst Schäfer nimmt eine auf Spiekeroog begattete Bienenkönigin aus einem sogenannten Einwabenkasten (EWK). Sie soll nach 24-stündiger "Vergesellschaftung" in einem anderen Bienenstock für Nachkommen sorgen.

Quelle: Petra Zottl

Großburgwedel. Königin Nummer Zwei ziert sich. Ein Foto? Nein, das war nicht abgesprochen. Eilig verschwindet die große Biene mit dem weißen Tupfer und der "2" auf dem Rücken in den Tiefen ihres Transportgefäßes - dem sogenannten Einwabenkasten (EWK). Hier haust sie zurzeit gemeinsam mit einem kleinen Begleitvölkchen. "Sie ist vor wenigen Tagen aus Spiekeroog angekommen", sagt Bienenzüchter Horst Schäfer. Jetzt soll das Tier raus aus dem EWK - und die neue Regentin eines seiner Bienenvölker werden.

Eigentlich, so berichtet Schäfer, ist die Bienenkönigin mit der Nummer Zwei auf dem Rücken in Burgwedel geboren; sie stammt aus seiner Zucht. Doch für ihren Hochzeitsflug – der Begattung durch einen sogenannten Drohn - hat er sie auf die Nordseeinsel geschickt. "Auf Spiekeroog gibt es nur Drohnen der Gattung Carnica-Troiseck-Hoffmann – und die gelten als sanftmütig und bringen eine gute Honigleistung“, erläutert Schäfer den aufwendigen Hochzeitstrip.

Hätte er seine Königin in der Region Hannover fliegen und begatten lassen, hätte sich dieser "ein Konglomerat an Drohnen mit unterschiedlichsten Eigenschaften" geboten, wie Schäfer sagt. "Hier könnte ich später nicht nachweisen, wer der Vater der Nachkommen ist." Als Züchter sei es jedoch sein Wunsch, reine Linien zu ziehen – und die Bienenköniginnenbelegstation auf Spiekeroog garantiere ihm dies.

Für welches Volk die Nummer Zwei Königin wird, steht schon fest: Es ist ein Bienenstock an der Hannoverschen Straße, der offenbar vor geraumer Zeit seine alte Königin verloren hat – zumindest konnte Schäfer keine Eier oder Larven mehr finden. „Entweder ist sie beim Hochzeitsflug verlorengegangen oder sie wurde von den anderen Bienen getötet“, vermutet er. Denn königlich hin oder her – wer fremd riecht, läuft in der Bienenwelt Gefahr, vom eigenen Volk gemeuchelt zu werden.

Damit dies der neuen Regentin erspart bleibt, muss sie nun noch 24 Stunden in einen kleinen gelben Plastikkäfig. Vorsichtig bugsiert Bienenzüchter Schäfer sie mitsamt zweier oder dreier Bienen aus ihrer Spiekeroog-Reisegruppe hinein. Den winzigen Käfig hängt er zwischen zwei Wabengestelle in den neuen Stock, sodass die Arbeitsbienen ihre neue Chefin riechen, aber nicht attackieren können. "Sobald die Königin ihre Pheromone abgegeben hat, wird sie akzeptiert", sagt Schäfer.

Im kommenden Jahr möchte Schäfer mit seinen reinrassig-sanftmütigen Bienennachkommen zur Züchter-Leistungsprüfung antreten. Dafür wird er einen Teil der etwa 13 Königinnen, die er gerade in einem benachbarten Kasten heranzieht, ebenfalls auf die Insel schicken. "Von der Favoritin werde ich dann weitere Nachkommen ziehen."

Streng dich an, Nummer Zwei.

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Fotostrecke Burgwedel: Hochzeitsreise der Königin geht nach Spiekeroog

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