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Hohe Nitratwerte in privaten Brunnen

Burgwedel/Isernhagen Hohe Nitratwerte in privaten Brunnen

Ganz Europa redet über den Unkrautvernichter Glyphosat, der Verein Gewässerschutz (VSR) von Nitrat: Davon gebe es "viel zu hohe" Konzentrationen im Grundwasser, erklärt Harald Gülzow, nachdem er Proben aus 52 Hausbrunnen im Raum Burgwedel und Isernhagen analysiert hat.

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Diplom-Physiker Harald Gülzow vom Verein Gewässerschutz im Gespräch mit einer Brunnennutzerin, die eine Wasserprobe zum VSR-Stand auf dem Domfrontplatz bringt.

Quelle: Archiv

Burgwedel/Isernhagen. Der Nitrat-Grenzwert liegt laut Trinkwasserverordnung bei 50 Milligramm je Liter. Unterhalb dieses Limits gilt der Pflanzennährstoff zwar als ungiftig. Gesundheitliche Risiken birgt Nitrat aber für Säuglinge und für Menschen mit entarteter Darmflora.

Der Verein VSR hatte im April auf dem Großburgwedeler Domfrontplatz den Service angeboten, Wasser aus privat genutzten Brunnen untersuchen zu lassen. Die 53 abgegebenen Proben aus dem Raum Burgwedel/Isenhagen hat er zwischenzeitlich analysiert. Mit 95 Milligramm (mg) Nitrat pro Liter führt ein Brunnen in Wettmar die Negativrangliste an. Weitere stark verschmutzte Brunnen stellten die Umweltschützer in Groß- und Kleinburgwedel (je 71 mg) sowie in Engensen (52 mg) fest. Das Wasser sei nicht mehr zum Trinken geeignet und sollte laut VSR auch zum Befüllen eines Fischteichs wegen der Gefahr einer Massenvermehrung von Algen nicht genutzt werden, das Bewässern von Pflanzen mit nitratbelastetem Grundwasser komme einer zusätzlichen Düngerzufuhr gleich. Die Gewässerexperten warnen insbesondere vor einer weiteren Überdüngung landwirtschaftlicher Böden, weil es dadurch zu einer unnötig hohen Nitratauswaschung ins Grundwasser komme.

Volker Krebs, Geschäftsführer des Wasserverbands Nordhannover (WVN) in Wettmar, sieht in den VSR-Analyseergebnissen eine  Momentaufnahme, die für unseren Raum aber keinen Trend widerspiegele. Es bestehe bei den Sandböden zwar immer die Gefahr, dass starke Niederschläge nach eine Düngergabe zu erhöhten Werten im Grundwasser führten. Zuverlässige Aussagen seien aber ohne längere Messreihen nicht zu haben.

WVN und Stadtwerke Hannover hätten dank der Kooperation mit den Landwirten in ihren Trinkwassergewinnungsgebieten vielmehr Fortschritte in Sachen Nitrat bewirkt, sagt Krebs. Ende der 80-iger Jahre habe die NO-3-Konzentration noch bei durchschnittlich 20 bis 28 Milligramm je Liter gelegen. Die jüngsten Rohwasserproben vom April und Mai 2016 aus WVN-Brunnen mitten in landwirtschaftlich genutzten Bereichen wiesen Werte von 9,8 beziehungsweise 10,6 Milligramm Nitrat auf. In den Stadtwerke-Brunnen in Berkhof und im Fuhrberger Wald ergaben Messungen in den ersten drei Monaten dieses Jahres Konzentrationen von maximal 2,4 Milligramm je Liter.

Gleichwohl warnt VSR-Gewässerexperte Harald Gülzow, dass es für die Versorger in Zukunft immer aufwendiger werde, Wasser zu liefern, das den Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat einhält und die Preise für Leitungswasser steigen werden. Der Grenzwert gilt auch als Indikator für die allgemeine Belastung der Trinkwasserquellen mit stickstoffhaltigen organischen Verschmutzungen. Laut dem Sachverständigenrat für Umweltfragen befinden sich 27 Prozent aller Grundwasserkörper in Deutschland wegen des zu hohen Nitratgehaltes in einem schlechten chemischen Zustand.

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