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Es braucht Zeit zur Orientierung

Großburgwedel Es braucht Zeit zur Orientierung

Der Einladung zum "Erzählcafé“ im Treff des Vereins Interkulturelles Miteinander (IKM) an der Von-Alten-Straße sind viele gefolgt: Gebannt lauschen Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern, ehrenamtliche Helfer und andere Interessierte dem halbstündigen Vortrag der Krisenberaterin Shakila Nawazy.

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Referentin Shakila Nawazy (rechts) berichtet den Zuhörern über die Zustände in Afghanistan.

Quelle: Laura Ebeling

Großburgwedel. Bei Kaffee, Tee und Kuchen berichtet Nawazy am Montagnachmittag über die Erziehung in Afghanistan und die Integration in Deutschland. "In Afghanistan steht die Familie im Vordergrund“, sagt die gebürtige Afghanin, die auch dort zur Schule ging – "jedoch ist die Erziehung leider patriarchalisch.“ Da das Land zu 90 Prozent muslimisch geprägt ist, gilt der Mann als Familienoberhaupt. "Nach Beginn des Krieges 1950 hat sich die Situation vor allem von Frauen und Kinder rapide verschlechtert“, erklärt die Expertin. Viele Kinder, hauptsächlich in ländlichen Regionen, genössen kaum bis gar keine Schulbildung, da Kinderarbeit weit verbreitet sei. Die Folge: 70 Prozent Analphabeten, darunter 90 Prozent Frauen.

"Und wenn die Mädchen zur Schule oder Uni gehen, dann ist das immer mit Angst verbunden“, erläutert die Sozialpädagogin. Denn die Aufgabe der Frau sei klar festgelegt: Sie solle den Nachwuchs aufziehen, gehorsam und autoritär. Die Mädchen würden dementsprechend direkt zu Hausfrauen erzogen.

In Deutschland werden die Familien mit einer ganz anderen Lebensweise konfrontiert – besonderes für die Frauen und Kinder bedeute das neue Freiheiten, so Nawazy. "Die Männer haben Angst, dass durch die veränderten Lebensumstände die afghanischen Werte und Normen verloren gehen“, erläutert sie. "In den ersten Jahren können wegen der anderen Werte und Normen Schwierigkeiten aufkommen. Sie brauchen in dieser neuen Welt Zeit zur Orientierung“, wirbt die Krisenberaterin für Verständnis. Das Wichtigste sei es, den Geflüchteten eine Perspektive vor Augen zu führen – ihnen die deutsche Sprache beizubringen, Arbeitsplätze zu schaffen und sie in die Gesellschaft zu integrieren.

Nawazys Vortag stieß auf fruchtbaren Boden – und entfachte eine lebhafte Diskussion unter den Zuhörern rund um Flüchtige, Eingewöhnung und Unterstützung.

Von Frank Walter

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