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Flüchtlinge fallen auf teure Werbeangebote rein

Burgwedel Flüchtlinge fallen auf teure Werbeangebote rein

Und schwupps war er Kreditkarteninhaber: Immer wieder fallen Flüchtlinge auf Werbung für überteuerte oder für sie nutzlose Angebote herein. Haupt- und ehrenamtliche Helfer müssen dann versuchen, die Kohlen aus dem Feuer zu holen.

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Die Kreditkarte lag im Briefkasten eines iranischen Flüchtlings: Nur noch freischalten und benutzen: "Alles ganz einfach“, heißt es im Anschreiben.

Quelle: AP Photo/Martin Meissner

Großburgwedel. Noori B. wusste gar nicht, was eine Kreditkarte ist – bis er vorige Woche ein goldenes Exemplar in seinem Briefkasten vorfand. Zur Freischaltung, schrieb die ihm bis dahin unbekannte Luxemburger Bank, „benötigen wir noch: den anhängenden Aktivierungsschein unterschrieben in dem beigefügten Briefumschlag zurück“. Das vermeintlich gebührenfreie Angebot klang verlockend.

 Kreditzinsen über 20 Prozent

B. ist Oberhaupt einer großen iranischen Familie, die die Stadt Burgwedel in Engensen in einem Einfamilienhaus untergebracht hat. Vier Helfer unterstützen ihre Integration, geben Nachhilfeunterricht, begleiten die Flüchtlinge bei Behördengängen und Arztbesuchen. Und zum Glück ist das Vertrauensverhältnis so gut, „dass die Post komplett mit uns durchgesprochen wird“, berichtet Joachim Schrader, einer der ehrenamtlichen Betreuer.

Der Engenser ist empört über das niederschwellige Kreditkarten-Angebot. B. sei Volksbank-Kunde, habe nicht von sich aus die Luxemburger kontaktiert. Schrader befürchtet, dass gezielt mit der Unerfahrenheit von Flüchtlingen Geschäfte gemacht werden sollen. Dafür spreche der geringe Kreditrahmen von 800 Euro – für die Inanspruchnahme der Kreditlinie würden dann aber zwischen 19,94 und 22,90 Prozent Zinsen verlangt. „Ich finde das unglaublich! Woher hat die Bank die Adresse?“

Werbung auch per Smartphone

Noori B. ist kein Einzelfall. Otto Krull, Sozialarbeiter bei der Stadt Burgwedel, hat erst vor kurzem einen Kreditkarten-Vertrag rückgängig gemacht, der einem seiner Schützlinge via Smartphone-Werbung avisiert worden war. „Er hat auf „Ja“ geklickt und schwupps war er Kreditkarteninhaber.“

In diesem Fall handelte es sich um eine Prepaid-Kreditkarte. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen (VZN) hatte im vergangenen September vor diesem Kartentyp gewarnt, den man „ohne Schufa-Check, ohne Gehaltsnachweis“ und „ohne Bonitätsprüfung“ beantragen kann. VZN-Finanzexperte Andreas Gernt: „Wirklich sicher sind nur die Kosten für die bestellte Kreditkarte, während die Kreditgewährung völlig ungewiss ist.“

Der Zinssatz der Luxemburger sei „sicher an der Grenze der Sittenwidrigkeit“und die Kreditlinie „verdächtig niedrig“ – aber dass gezielt Flüchtlinge umworben würden, lasse sich nicht belegen. „Flüchtlinge reagieren aktiv auf Werbung“, weiß Gernts Kollegin Christina Graf. „Und die kommt häufig über Facebook.“

Am meisten Ärger haben Ehrenamtliche wie Regina Gresbrand vom Interkulturellen Miteinander (IKM) und Otto Krull indes mit überteuerten Verträgen mit Mobilfunkanbietern. Auch würden Flüchtlingen immer wieder in Hannover Abos von Zeitschriften angedreht, die sie gar nicht lesen können. Wichtig sei, so Krull, den Geflüchteten immer wieder zu sagen, dass sie nichts unterschreiben, was sie nicht verstehen und sich auf jeden Fall vorher Rat bei Ehrenamtlichen oder im Rathaus holen sollten.

Infos für Betreuer zum Verbraucherschutz für Flüchtlinge

Mit der Ankunft in Deutschland sind Geflüchtete – auch als Konsumenten – mit vielen Fragen und Problemen konfrontiert. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen (VZN) hat deshalb das mit Landesmitteln geförderte Projekt „Verbraucherschutz für Flüchtlinge“ ins Leben gerufen, um Flüchtlingshelfer wie Geflüchtete zu unterstützen.

Beraten wird zu Themen wie Handy, Fallen im Internet, ungewollte Verträge oder Versicherungen. Eine individuelle Beratung ist möglich unter Telefon (0531) 61 83 10 30 oder unter flucht@vzniedersachsen.de. Daneben gibt es zweistündige kostenlose Schulungsvorträge für haupt- und ehrenamtliche Flüchtlingshelfer. Der nächste beginnt am Dienstag, 7. Februar, um 11 Uhr in der VZN-Beratungsstelle in Hannover, Herrenstraße 14. Am Mittwoch, 15. März, 16 bis 18 Uhr, sind Multiplikatoren im Mehrgenerationenhaus Burgdorf, Marktstraße 19-20, willkommen.

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