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Zwei Gesamtschulen stehen vor dem Start

Burgwedel/Isernhagen Zwei Gesamtschulen stehen vor dem Start

Jahrelang von einer ortsübergreifenden Initiative gefordert, starten im August tatsächlich zwei Integrierte Gesamtschulen (IGS) in Burgwedel und Isernhagen. Mittlerweile sind die pädagogischen Konzepte beider Planungsgruppen vorzeigbar.

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Anderthalb Stunden Information pur gab es beim Infoabend der Burgwedeler IGS-Planungsgruppe.

Quelle: Martin Lauber

Burgwedel/Isernhagen. Mit wie vielen fünften Klassen die beiden Gesamtschulen nach den Sommerferien an den Start gehen werden? Das ist noch völlig offen. Abhängig ist das davon, wie viele Eltern die IGS für die richtige Wahl für ihr Kind halten. Bei einer ersten Infoveranstaltung am Donnerstagabend in Großburgwedel hat die designierte IGS-Leiterin Renate Koch versucht, die zahlreich erschienenen Eltern von den Vorteilen der Schulform Gesamtschule zu überzeugen, in der Kinder aller Begabungen mit- und voneinander lernten und in der es bei Leistungsschwankungen keinen Schulwechsel gebe. Am Dienstag, 10. Mai, folgt ab 18.30 Uhr der IGS-Infoabend für die Isernhagener Eltern in der Agora des Schulzentrums am Helleweg in Altwarmbüchen.

An beiden Standorten haben Planungsgruppen aus Lehrern sowie Vertretern von Eltern und des Schulträgers (in Burgwedel auch der Schülerschaft) monatelang intensiv beraten und bestehende Gesamtschulen konsultiert - mittlerweile sind ihre pädagogischen Konzepte weit gediehen. In den grundsätzlichen Dingen finden sich viele Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede gibt es. Es ist eben keine IGS wie die andere.

Leitbild: Ein angstfreier "Lern- und Lebensraum" Schule schwebt der Planungsgruppe der IGS Burgwedel vor. Unter "Rhythmisierung" versteht sie, dass kognitive Arbeit und Fächer, in denen Schüler entspannen können, sich abwechseln sollen. "Wir erkennen und fördern unsere Stärken, wir helfen uns gegenseitig und lernen, mit unseren Schwächen umzugehen", heißt es in den Leitsätzen der IGS Isernhagen.

 Zwei Klassenlehrer: Jede Klasse wird von zwei Klassenlehrern möglichst bis Klasse 10 geleitet. "„Das stärkt den Zusammenhalt und die Verantwortung füreinander", sagt Renate Koch. Auch in Isernhagen soll es Tandems geben. Jeder Klassenlehrer soll sich so intensiv um etwa 15 Schüler kümmern können.

Keine "klassischen" Hausaufgaben: Ganz ohne Vokabellernen, Deutsch-Lektüre oder Pauken für Tests geht es nicht. Aber "klassische Hausaufgaben" daheim soll es an beiden Gesamtschulen nicht geben. In Burgwedel dienen Trainingszeiten am Vormittag und die "Lernbegleitung" im Freizeitbereich der Wiederholung und Vertiefung von Lehrinhalten.

 Kein Sitzenbleiben: Alle Kinder bleiben in einer Klasse. Dabei soll innere Differenzierung die unterschiedliche Leistungsfähigkeit berücksichtigen. Erst ab Jahrgang 9 gibt es in Burgwedel klassenübergreifende Fachleistungskurse.

Logbuch: In Isernhagen wird jeder Schülers ein persönliches Logbuch führen. Es ist Kalender, Lerntagebuch, Lernplaner und Postmappe für Schüler, Eltern und Lehrer zugleich. Die Kinder dokumentieren dort ihre Lernfortschritte, legen in Absprache mit der Klassenleitung ihre Wochenziele fest und erhalten am Ende der Woche in einem Gespräch eine Rückmeldung. Ähnliches ist auch für die IGS Burgwedel in Vorbereitung.

Noten: Bis Klasse 7 gibt es in Burgwedel ausführliche Lernentwicklungsberichte, erst Achtklässler bekommen Notenzeugnisse (mit verkürztem Bericht). Ausgehändigt werden die Zeugnisse bei "Übergabegesprächen", bei denen Eltern und Kinder verpflichtend dabei sind. Auch in Isernhagen wird es 10- bis 12-seitige Entwicklungsberichte statt Noten geben - bis zu welcher Jahrgangsstufe, das ist noch offen. Bei Klassenarbeiten werden die Lehrer statt Noten kürze Beurteilungen schreiben. "Damit kann man feiner differenzieren", ist der designierte IGS-Leiter Jens D. Könecke überzeugt.

 Schulabschlüsse: Vom Haupt- bis zum Erweiterten Sekundarabschluss I, der zum Übergang in eine gymnasiale Oberstufe berechtigt, können an beiden IGS-Standorten alle Abschlüsse erworben werden. Eigene Oberstufen sind zurzeit nicht geplant.

Mittagessen: Da sind sich die Planungsgruppen in Isernhagen und Burgwedel einig: Gegessen wird in der Mensa gemeinsam im Klassenverband – mit den Lehrern.

Fremdsprachen: Ab Klasse 6 wird die IGS Burgwedel, falls die Eltern bei der Anmeldung Interesse bekunden, Französisch und Spanisch zur Wahl gestellt werden.

Freizeit: Beide Gesamtschulen werden "teilgebundene Ganztagsschulen". In der Praxis bedeutet das: verpflichtender Unterricht an zwei Nachmittagen sowie freiwillige Angebote an zwei weiteren. Freitags ist mittags Schluss. Was in den Arbeitsgruppen angeboten werden soll, reicht in Burgwedel von Robotik über Reiten bis Klettern und "Mathe für Querdenker". Auf Wunsch wird in Burgwedel eine Betreuung bis 16.30 Uhr angeboten. In Isernhagen soll um 16 Uhr Schluss sein. Mehr Unterstützung, mehr Erziehungsarbeit – das brauche Zeit, so Könecke.

Klassenräume und Ausstattung: Die IGS Isernhagen zieht ins Erdgeschoss der Realschule, diese auslaufende Schulform wandert in die Obergeschosse. An der IGS Burgwedel bekommt jede 5. Klasse zudem einen zusätzlichen Gruppenraum. Moderne Whiteboards wie in Isernhagen spendiert die Stadt.

Profilkurse: Mit sogenannten Profilkursen will die IGS Burgwedel sich den Freiraum schaffen, um den Neigungen ihrer Schüler besser entgegenkommen zu können. Vor den Herbstferien können die Kinder wählen, welches Interessengebiet sie in den ersten beiden IGS-Jahren mit einer – in der Regel – interdisziplinären Herangehensweise vertiefen wollen. Der Profilkurs "Geschichte und Entdeckung" zum Beispiel bedeutet in der Unterrichtspraxis auch, Feuer zu machen oder per GPS fremdes Gelände zu erschließen. In "Forschung und Umwelt" geht es ebenso oft nach draußen, und es wird für ökologische Fragestellungen sensibilisiert. Zu "Musik und Gesang" gehören individuelle Stimmbildung und ein Repertoire, bei dem die Kinder mitreden. Und „Sport und Gesundheit“ spannt den Bogen vom Ausdauertraining bis zum gesunden Kochen.

Lernbüro: Steht der Sinn heute mehr nach Deutsch, Englisch, Mathematik oder etwa Gesellschaftskunde? An der IGS Isernhagen werden Schüler jeden Tag für zwei Stunden selbst entscheiden können, mit welchem dieser Fächer sie sich im sogenannten Lernbüro befassen. Statt im Klassenverband lernen sie jahrgangsübergreifend mit anderen Schülern der IGS. Begleitet und unterstützt durch die Lehrkraft, entscheiden sie selbst über den Schwierigkeitsgrad der Aufgaben, können so auf ihrem individuellen Anspruchsniveau und in ihrem eigenen Tempo arbeiten und lernen. "Die Tutoren werden aber darauf achten, dass dabei der Lehrplan erfüllt wird", erläutert der stellvertretende Planungsgruppen-Leiter Ulf Linxweiler das Prinzip. Wer also denkt, dass er sich dauerhaft vor der ungeliebten Mathematik drücken kann, liegt damit falsch.

 Anmeldung: In Großburgwedel, Auf der Ramhorst 2, am Montag, 9. Mai, von 9 bis 12 sowie von 15 bis 18 Uhr, sowie am Dienstag, 10. Mai, 9 bis 12 Uhr. Anmeldeformulare gibt es auf burgwedel.de/igs. In Altwarmbüchen in der Realschule am Helleweg am Donnerstag, 26. Mai, 15 bis 18 Uhr, und Freitag, 27. Mai, von 9 bis 13 Uhr. Informationen gibt es auch unter igsisernhagen.wordpress.com.

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Fotostrecke Burgwedel: Zwei Gesamtschulen vor dem Start

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Von Frank Walter/Martin Lauber

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