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"Heute bin ich doof im Kopf"

Burgwedel "Heute bin ich doof im Kopf"

In vier Gruppen trainieren ältere Burgwedeler in der Seniorenbegegnungsstätte ein Mal in der Woche ihr Gedächtnis. Mit "Ich packe meinen Koffer", Wortbrücken und Teekesselchen halten sie ihre grauen Zellen fit. Die älteste Teilnehmerin ist 95 Jahre.

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Beim Gedächtnistraining in der Seniorenbegegnungsstätte Burgwedel: Wenn der Gedankenfluss stockt, wird auch mal vorgesagt.

Quelle: Linda TONN

Großburgwedel. "Italien -  gutes Essen, Wein, Eis, Rom, Neapel, Venedig, Verdi ... was kam danach?" Kurz stockt die 70-jährige Gisela Maring, dann fällt es ihr ein: "Paparazzi!" Sich auf den Punkt zu konzentrieren, ist selbst für die geübte Gehirnjoggerin gar nicht so einfach. Um das beliebte Urlaubsland geht es heute beim Gedächtnistraining in der Seniorenbegegnungsstätte Burgwedel (SBS). Um den liebevoll mit Muscheln und Sand dekorierten Tisch gruppieren sich zehn Damen mit Stift und Block. Keine von ihnen ist unter 70 Jahren. Aufmerksam verfolgen die Seniorinnen, welches Wort jede von ihnen an die Wortkette anhängt. Wer an der Reihe ist, muss alle in der richtigen Reihenfolge wiederholen. Kam erst der Liegestuhl und dann die Lombardei? Stockt der Gedankenfluss, wird leise tuschelnd vorgesagt.

An vier Tagen in der Woche animiert Sozialpädagogin Elisabeth Geib-Kayser ihre Schützlinge eine Stunde lang zum Rätseln, Knobeln und Grübeln. Maximal 12 Personen können an einem Kurs teilnehmen, die Wartelisten sind lang. "Wer regelmäßig zu den Kursen kommt, kann sein Gedächtnis verbessern", beobachtet Geib-Kayser. Leistungsdruck herrscht in dem freundlichen Raum allerdings nicht, eher eine ausgelassene Stimmung wie beim Kaffeeklatsch. "Wenn ich mal was nicht weiß, nehme ich das nicht zu ernst", sagt die 75-jährige Sigrid Becker. Doch mit skurrilen Wortneuschöpfungen kommt hier keine durch: "Granit-Platz, das gibt es doch nicht." Im Notfall wird auch der Duden gezückt.

Die 95-jährige Hiltraut Bergmann hat heute keinen guten Tag: "Ich bin ganz doof im Kopf", beschwert sich die zierliche Seniorin. Aus dem Buchstabensammelsurium vor ihr wollen keine Worte entstehen. Doch das Gedächtnistraining sei für die Älteste in der Runde wie für viele der Teilnehmer auch einfach nur ein Ort, um "rauszukommen und Menschen zu treffen", so Geib-Kayser.

Die Gehirnjoggerinnen kommen so gerne und regelmäßig, dass sie sogar die Urlaubszeit in eigener Regie überbrücken. Während Leiterin Geib-Kayser die kommenden drei Wochen in Italien verbringen wird, sammelt die Gruppe schon fleißig Rätsel und Wortspiele aus der Zeitung. Für das nächste Training.

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