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Immer wieder montags: Der SBS-Debattierklub

Burgwedel Immer wieder montags: Der SBS-Debattierklub

Rund 100 Gruppen treffen sich monatlich in der Seniorenbegegnungsstätte Burgwedel, die Anfang August ihr 25-jähriges Bestehen feiert. Dis HAZ stellt einige in einer Serie vor, heute den von Helmut Neddermeyer geleiteten Debattierklub: Aktuelle Politik - geschichtlich hinterfragt".

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Helmut Neddermeyer, dereinst Grünen-Fraktionschef im Landtag, moderiert die Montagsrunde.

Quelle: Jara Urban

Burgwedel. Es ist Montag, kurz vor 10 Uhr. Die weißen Tische im Veranstaltungsraum der Seniorenbegegnungsstätte (SBS) formen ein U. Noch sind nicht alle Stühle besetzt, noch hat Moderator Helmut Neddermeyer nicht hinter seinem Tisch Platz genommen. Doch die Ersten sind schon in eine hitzige Diskussion verwickelt. Im Titel „Aktuelle Politik – geschichtlich hinterfragt“ der Diskussionsrunde verflechten sich zwei Ebenen, die auch in Neddermeyers Lebenslauf präsent sind: Der ehemalige Geschichtslehrer war in den Achtzigerjahren Landtagsabgeordneter und dort sogar Fraktionsvorsitzender der Grünen.

In Zeiten von Trump, Erdogan und dem Erstarken des Populismus in Europa verursachen die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen bei manchem Teilnehmer das Gefühl eines Schlags in die Magengrube. Kein Grund für sie und die anderen in der Runde, sich lethargisch zurückzuziehen. Im Gegenteil: Das veranlasst die Gruppe dazu, noch energischer zu debattieren. Dabei wird das historische Hinterfragen aus dem Titel dieses Debattierklubs auch mal vernachlässigt – weil das Bedürfnis, über Aktuelles zu sprechen, in den Vordergrund tritt.

Die Montagsrunde stellt sich gegen ein postfaktisches Zeitalter, gegen Populismus und Politikverdrossenheit. Neddermeyer tauscht seine Alltags- gegen eine Lesebrille und lässt den Blick über einen Artikel aus der „Süddeutschen Zeitung“ schweifen. Er ist immer auf der Suche nach anregenden Texten für die Diskussionsrunde, liest dafür die HAZ, „Die Zeit“, „Der Freitag“ und die deutschsprachige Ausgabe der „Le Monde diplomatique“.

Zum Thema „Populismus in Ungarn“ besteht trotz der Diskussion in der vorherigen Woche noch Gesprächsbedarf. Und hier kommt auch die geschichtliche Ebene ins Spiel: Dass Ungarn sich schon seit Langem als Bollwerk gegen den Islam versteht, lässt den derzeitigen Nationalismus in einem anderen Licht erscheinen. Durch die Betrachtung der historischen Entwicklungen stellten sich aktuelle Geschehnisse oftmals anders dar. „Die Geschichte ist wesentlich für das Verständnis der Gegenwart“, erläutert Neddermeyer.

Verständnis – das ist auch ein Anreiz für den wöchentlichen Besuch der Veranstaltung. Einige kommen, um informiert zu sein, sie lauschen nur den Gesprächen der anderen. Die Diskutierenden vertreten keinesfalls immer die gleichen politischen Einstellungen, sie geraten auch mal verbal aneinander. Der Gesprächskreis dient zum Gedankenaustausch, er lässt die Gruppe den Raum nach zweistündigem Reden mit einem frischen, differenzierteren Blick auf die aktuelle Politik verlassen – die auch immer vor dem geschichtlichen Hintergrund gesehen werden muss. Weitere Informationen gibt es in der SBS und unter Telefon (0 51 39) 89 41 69.

Von Jara Urban

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