Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Rindfleischverkauf mit Tradition und Moderne

Kleinburgwedel Rindfleischverkauf mit Tradition und Moderne

„Wir sind die Gemüsekiste für Fleischesser“, sagt Jan Kreuzkamp lachend. Seine Frau Helen und er gehen neue Wege in der Vermarktung von Rindfleisch. Seit Mai verkauft der Kleinburgwedeler Hof das Fleisch seiner Tiere – Mausklick für Mausklick – online.

Voriger Artikel
Fernseh-Doc: Schluss mit den Ernährungsmythen
Nächster Artikel
Xavier macht immer noch reichlich Arbeit

Helen Kreuzkamp geht auf Tuchfühlung mit ihren Rindern. Ihre Tiere werden  artgerecht gehalten: Sie stehen auf Stroh, haben viel Auslauf und sind Wind- und Wetterreizen ausgesetzt.

Quelle: Gerner

Kleinburgwedel. Jan und Helen Kreuzkamp sind im Stress. Es ist Liefertag. „Wir müssen noch Fleischpakete kommissionieren“, sagt sie. „Heute beliefern wir Burgwedel, morgen Isernhagen und Hannover.“ Seit 22 Jahren züchtet Familie Kreuzkamp Limousinrinder artgerecht und umweltschonend nach Standards der Neuland-Produktion. „Dabei ging unser Fleisch immer nach Berlin, wo es von Neuland vermarktet wird“, erzählt Helen Kreuzkamp. „Irgendwann dachten wir: Das Fleisch ist von hier, der Schlachter ist von hier, da müssten doch auch die Kunden aus der Region kommen.“

So gründete die 31-Jährige Ende Mai die Kreuzkamp Genuss GmbH und begann gemeinsam mit ihrer Familie, in der näheren Umgebung um Kunden zu werben. Gleichzeitig entwickelte die Landwirtin eine Vermarktungsstrategie, die ihresgleichen unter den Rinderzüchtern im Umland sucht: Kunden können die Rindfleischportionen per Mausklick im Internet bestellen. Die Lieferung ist kostenlos.

Auf der Website des Hofes ist das Rind, das als Nächstes geschlachtet werden soll, anhand einer Grafik dargestellt: Farbig gekennzeichnet ist, wie viel Prozent des Tieres bereits bestellt sind. Erst, wenn ein ganzes Rind mit dem finalen Mausklick komplett verkauft ist, geht es zum Schlachter. „Auf diese Weise verschwenden wir kein Fleisch“, erklärt Helen Kreuzkamp. Kunden haben die Wahl zwischen drei Paketgrößen.

Der Kunde braucht Zeit

Alles, was der Kunde, der vom Hof Kreuzkamp kauft, außer Geld mitbringen muss, ist Zeit: Schließlich gilt es abzuwarten, bis auch die letzten „Prozentanteile“ eines Tieres verkauft sind. Auch, wer erst ganz zum Schluss bestellt, muss noch Geduld aufbringen: Drei Wochen lang reift das Rindfleisch nach der Schlachtung. Auf diese Besonderheit legt Helen Kreuzkamp großen Wert: „Das verbessert die Qualität enorm. Durch den langen Reifungsprozess werden die Muskelfasern aufgespalten. Dadurch wird das Fleisch richtig zart.“

Auch die Art der Schlachtung wirke sich auf die Fleischqualität aus, ergänzt ihr Mann. „Wenn Sie Fleisch in der Pfanne anbraten und es schrumpft und viel Wasser abgibt, zeigt das, dass das Tier Stress empfunden hat“, erklärt er. „Unser Schlachter schlachtet nur ein Tier pro Woche. Es gibt keine Geräusche von rasselnden Ketten oder Tieren im Todeskampf. Alles geht in Ruhe ab. Und einer von uns begleitet das Tier bis zum Schluss. Dass keine Stresshormone produziert wurden, zeigt sich dann beim Anbraten des Fleisches.“

Bislang ist die Rinderhaltung ein Nebenerwerb. Noch sind Helen und Jan Kreuzkamp, beide Diplom-Ingenieure der Agrarwissenschaften, in ihren Hauptjobs fest angestellt. Doch mithilfe seiner Eltern und Brüder gelingt es, die Neuausrichtung auf den heimischen Markt voranzutreiben. „Wir präsentieren uns auf vielen Märkten und Stadtfesten in Burgwedel und Hannover“, sagt Helen Kreuzkamp. Ihr Mann mag den direkten Kontakt zu potenziellen Kunden. „Die meisten wollen wissen, wo ihr Fleisch herkommt und unter welchen Bedingungen das Tier gelebt hat.“ Die erste Hofbesichtigung an diesem Sonnabend ist ausgebucht.

Positiv überrascht hat ihn, dass seine Familie mit ihrem Angebot nicht nur junge Leute anspricht, sondern auch Senioren. „Die ältere Generation kennt das noch richtig, dass ein Tier erst geschlachtet wird, wenn es genügend Fleischabnehmer gibt. Die haben sich früher immer ein Tier mit mehreren Familien geteilt.“ Diese Kunden nutzten eher selten das Internet für die Fleischbestellung. „Aber auf unseren Flyern steht ja auch eine Telefonnummer“, sagt Jan Kreuzkamp. Kontakt: Telefon (0 51 39) 95 97 39, im Internet auf www.kreuzkamp-genuss.de

Rindfleischzüchter in Burgwedel

Kleine Höfe, viel Auslauf für die Tiere und eine Vielfalt an Rassen - Burgwedel und insbesondere der Raum Engensen/Wettmar ist Rindfleischregion: Mehrere Landwirte züchtet Rinder und bringen ihr Fleisch auf verschiedene Weise an den Kunden. Ob Mundpropaganda, Infoschilder am Hof oder Marktstände - die Werbung erreicht die Kunden - und das Fleisch ebenso.

Heinz Riekenberg in Engensen:

Den Angus-Zuchtbetrieb Riekenberg gibt es schon seit Anfang der Siebzigerjahre. Heinz Riekenberg züchtet rote und schwarze Angusbullen und -kühe. Seine Frau Ulla verkauft das Fleisch. Kunden werden mit zwei Schildern am Hof über den Fleischverkauf informiert. „Wer Fleisch vorbestellen will, kommt vorbei und klingelt“, sagt Heinz Riekenberg. „Wir bieten Portionen von beispielsweise einem Achtel des Tieres an. Wenn ein ganzes Tier verkauft ist, geht es zum Metzger. Dann lagert das Fleisch 14 Tage lang. Anschließend kann es bei uns direkt am Hof abgeholt werden“, erklärt der Landwirt. Kontakt: Telefon (0 51 39) 8 75 96, www.angusriekenberg.de

Heiner Bähre in Engensen

Heinz Bähre züchtet den roten und schwarzen Angus. Sein Hof ist seit 1995 Öko-Betrieb. Rund 50 Mutterkühe und 33 Kälber in vier Herden nennt er aktuell sein Eigen. 15 Kälber werden noch erwartet. Der Hof hat reichlich Stammkundschaft. „Wir werben nicht, weisen aber auch niemanden ab“, sagt Bähre, der eigentlich schon im Rentenalter ist. Wenn 75 Prozent eines Rindes bestellt seien, werde geschlachtet und das Fleisch drei Wochen im eigenen Kühlhaus gelagert. Kontakt: Telefon (0 51 39) 8 78 30

Timo Oelkers in Engensen

Seit über zehn Jahren betreibt Timo Oelkers Angus-Zucht. Mit derzeit 108 Bullen, rund 50 Kühen und 20 Rindern gehört der Betrieb der konventionellen Landwirtschaft zu den größeren Anbietern im Dorf. Auch Oelkers vermarktet das Fleisch direkt. Jeweils ein Achtel eines Tieres kann bestellt werden. Vom Knochen bis zum Filet ist alles im Paket enthalten. Wenn das Tier geschlachtet wurde, gibt Oelkers Bescheid, dass die Bestellung abgeholt werden kann.Kontakt: Telefon (0 51 39) 95 91 85, www.angusrind-oelkers.de

Ebelingshof in Wettmar

Der Ebelingshof betreibt eine Zucht von Simmentalrindern. Der Hof von Regina Knips und Jürgen Liptow zeichnet sich durch Mutter-Kuh-Haltung und eine nachhaltige Form der Grünlandnutzung aus. Die Tiere weiden im Landschaftsschutzgebiet Hastbruch. Es wird lediglich Gras und Heu zugefüttert. Die Kälber aus Knips’ Aufzucht gehen an Mäster und Züchter, Fleisch vermarktet der Hof nicht.Kontakt: www.ebelingshof.de

Henning Kretzmeyer - Engensen

Der Biofleisch-Produzent am Kiebitzweg in Engensen war für Informationen nicht zu erreichen. Kontakt: Telefon (0 51 39) 89 57 76.

doc6wwck7jhbvb1jthac9f2

Fotostrecke Burgwedel: Rindfleischverkauf mit Tradition und Moderne

Zur Bildergalerie

Von Gabriele Gerner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten