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Kirchenasyl: Dorf steht Syrern jetzt offen

Wettmar Kirchenasyl: Dorf steht Syrern jetzt offen

So also sieht die Freiheit aus: Mejdel Othman und sein Neffe Shiyar Alabdullah können sich nun frei durch Wettmar bewegen. Den Flüchtlingen aus Syrien droht keine Abschiebung mehr.

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Er hat es wahrgemacht: Shiyar Alabdullah wollte, wenn er das Kirchengelände verlassen dürfte, die Bockwindmühle besuchen. Freiwilligen-Müller Dieter Rosin lädt den Syrer zu einer Besichtigung ein.

Quelle: Martin Lauber

Burgwedel. Wettmars Kirchenasyl hat ein Happy End: Diese gute Nachricht sparte sich Pastorin Reni Kruckemeyer-Zettel im jüngsten Sonntagsgottesdienst fürs Ende auf. Den beiden Syrern, denen die St.-Marcus-Gemeinde im Gemeindehaus seit Ostern beziehungsweise Pfingsten Obdach gewährt hatte, droht keine Abschiebung mehr. Sie genießen nun bis zum Abschluss ihrer Asylverfahren volle Bewegungsfreiheit. Und wollen doch im Dorf bleiben.

Für Shiyar Alabdullah und seinen Onkel Mejdel Othman, in deren syrischer Heimat die Kämpfe hin und her wogen, stehen die Chancen gut, Wettmarer zu bleiben. Denn auch ein Wohnungsgesuch hatte die Pastorin am Sonntag in den Abkündigungen untergebracht und bereits am Montag positive Rückmeldung erhalten. Ein Gemeindemitglied hat eine Wohnung für die beiden. Die Tage im Jugendraum des Gemeindehauses - fünf Monate für Alabdullah und fast vier für Othman - scheinen nun gezählt.

„Das war ein langer Ritt“, sagt Daniel Wege vom Helfernetzwerk und meint damit die vielen Behördengänge, bis Othman endlich eine Aufenthaltsgestattung hatte, die ihm nach Ablauf von drei Monaten die Aufnahme einer Arbeit erlauben wird. Erst einmal freut sich der studierte Sportlehrer aber heute auf sein erstes Training in der Fußballmannschaft des TSV Wettmarh.

Alabdullahs asylrechtlicher Status ist noch nicht ganz so stabil, aber auch seine Duldung schließt eine Rückführung nach Bulgarien aus, wo beide auf ihrer Flucht vor dem Bürgerkrieg in Syrien erstmals EU-Boden betreten hatten und unter menschenunwürdigen Bedingungen inhaftiert waren.

Am selben Abend, als Rechtsanwältin Ina Remmert die gute Nachricht übermittelte, dass beide Männer sich nun frei bewegen dürfen, hat Wege sie zu sich nach Hause auf eine Pizza eingeladen. „Wir sind Freunde geworden“, sagt er. Weitere Einladungen stünden bevor, weiß die Pastorin. In der Zeit des Kirchenasyls seien intensive Bindungen entstanden. So positiv sie die politische Entwicklung in Deutschland in Bezug auf Flüchtlinge findet: „Wichtig ist, was vor Ort passiert.“ Sie und Wege sind stolz darauf, dass sich in Wettmar die Leute zusammenschließen und helfen.

Und offen sind für die Flüchtlinge - wie Dieter Rosin vom Heimatverein. Als Shiyar Alabdullah sich den Traum erfüllte, die Bockwindmühle zu besuchen, wurde gleich eine fachkundige Führung daraus, weil der Freiwilligen-Müller spontan die Tür aufschloss und sich viel Zeit nahm.

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