Saurer Regen, das war 1984 nach dem ersten nationalen Waldschadensbericht das Umweltthema schlechthin. Der zerstörerische Säureeintrag ist seitdem jedoch drastisch zurückgegangen. Stattdessen tragen die Niederschläge heute so viel Nitrat in die Waldböden ein, wie die genügsame Kiefer gar nicht verbrauchen kann. Sie ist im Fuhrberger Feld, unter dem sich große Trinkwasserreservoirs befinden, mit 90 Prozent (noch) die dominante Baumart.
Die nächste Generation des Stadtwerke-Waldes wird Laub statt Nadeln tragen. Der Umbau des Waldes im Norden von Burgwedel und der Wedemark hat bereits in den neunziger Jahren begonnen. Rund um ihre Trinkwasserbrunnen pflanzen die Stadtwerke unter die Kiefern Buchen und Roteichen. Die Laubbäume lassen in der regenreichen blattlosen Jahreszeit mehr Niederschläge versickern, bauen die Nährstofffracht des Regens wirksamer ab und sind auch beim Holzzuwachs produktiver als die langsam wachsenden Kiefern. 600 der 1800 Hektar Stadtwerke-Wald seien abgehakt, „in 25 Jahren sind wir durch“, sagt Olaf Zander. Er ist als Förster für den unternehmenseigenen wie auch für zirka 500 Hektar Privatwald zuständig, dessen Eigentümer Kooperationspartner im Programm Grundwasserschutzwald sind.
Das Bild des Waldes werde sich radikal verändern, prophezeit Zander. In der oberen Etage Kieferkronen, darunter Laubholz – das werde spätestens im Jahr 2050 auf 80 Prozent der Stadtwerkeflächen Realität sein. Weil der Umbau mindestens 60 bis 80 Jahre dauert, kann er auch schon vorhersagen, dass anno 2100 die Bestände zu 80 Prozent aus Buche und zu zehn Prozent aus Roteiche bestehen werden. Der Kiefer bleiben extrem nährstoffarme Böden. Die Fichte, jetzt mit unter fünf Prozent vertreten, gilt als die große Verliererin des Klimawandels.
Möglicherweise wird es künftig eine sichtbare Grenze zwischen Stadtwerke-Wald auf der einen und dem Staats- und Privatforst auf der anderen Seite geben. Große Teile der Waldwirtschaft auch in Niedersachsen schwören beim Umbau der Wälder auf die robuste Douglasie, die beim Holzzuwachs kaum zu überbieten ist. „Wir setzen unseren Schwerpunkt trotzdem auf Laub“, sagt Olaf Zander. „Für uns steht der Wasserschutz im Vordergrund.“
Hintergrund: Ein Vierteljahrhundert nach dem ersten Waldschadensbericht gibt es in Deutschland mehr Wald als je zuvor: Mehr als elf Millionen Hektar sind laut einem Bericht der Bundesregierung mit Wald bedeckt, eine Million Hektar mehr als vor 40 Jahren. 31 Prozent der Landesfläche entfallen heute auf Wälder. Statt des sauren Regens, der 1984 Umweltschützer alarmierte, gilt heute der Klimawandel Forstwissenschaftlern als die neue Bedrohung für den Gesundheitszustand der Wälder. Eine wärmere Umwelt schädigt viele Baumarten. Das Pflanzen von Mischwäldern und neuer Baumarten wie der Douglasie statt der Fichte sollen dazu beitragen, das Problem zu meistern.
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