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Laute verliebt sich in Saxophon

Großburgwedel Laute verliebt sich in Saxophon

Viele Menschen haben am Sonntagnachmittag den Gang zur Wahlurne, die staatsbürgerliche Pflicht, mit dem ganz privaten Vergnügen verbunden und sind anschließend in die St.-Petri-Kirche gegangen. Dort erlebten sie einen ganz selten musikalischen Genuss: Jazz mit Lautenmusik und Saxophon.

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Saxofon und Laute - das passt.

Quelle: Jürgen Zimmer

Großburgwedel. Einst wurde die Laute die „Königin der Instrumente“ genannt, schon die Minnesänger bezupften sie und betörten damit die Damen der Renaissance. Und dann das Saxofon! Das passt doch gar nicht, sollte man meinen. Hier die filigrane, darmbespannte Erzlaute, Chitarrone oder Theorbe, dort das messingglänzende moderne Tenor- oder Sopransaxofon oder die Bassklarinette. Und wie das passt, wenn zwei hochkarätige Musiker sich zusammenfinden, ein Jahr lang probieren und dann eine CD herausbringen.

„Flow“ heißt das Werk des Weltklasse-Lautenspielers Axel Wolf und des vielfach mit Preisen ausgezeichneten Jazzmusikers Hugo Siegmeth. Sie kombinieren frühe klassische Musik mit Jazz, Laute mit Saxophon. Hier umspielen sich zwei Instrumente, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch wie aus einem Guss erklingen.

Ein Teil der Stücke waren Jazz-Standards, ein Teil bestückten die Meister der Renaissance und des Barocks. Giovanni Girolamo Kapsberger und Claudio Montoverdi gaben Vorlagen zur Improvisation, genau wie Miles Davis, Charlie Parker oder George Gershwin. Beeindruckend, wie Wolf, der Künstler für Alte Musik, sich in die Welt des Jazz einfügte. Genauso beeindruckend, wie feinfühlig Siegmeth die zarten Töne der Laute nicht einfach überspielte. Vielleicht ist ja die Tatsache, dass Wolf eine frühe Jazzvergangenheit hat und Siegmeth sich wie alle Jazzer auch bei der Klassik bedient, dafür verantwortlich, dass die beiden Ausnahmemusiker so brillant miteinander harmonieren.

Musik vom Allerfeinsten jenseits aller Schubladen: Das erkannten auch die Besucher in den vollbesetzten Kirchenbänken. Die Zugaben der beiden waren viel zu kurz und die mitgebrachten CDs im Handumdrehen ausverkauft. Kreiskantor Christian Conradi gelingt es immer wieder, ganz ausgezeichnete, hochgelobte Musiker nach Großburgwedel zu holen. Und das dank des Musikförderkreises bei freiem Eintritt – längst keine Selbstverständlichkeit.

Von Jürgen Zimmer

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