Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
„Meine Angst heißt Geldnot“

Burgwedel/Isernhagen/Wedemark „Meine Angst heißt Geldnot“

Zum 1. Januar soll die Lebensberatungsstelle für Burgwedel, Isernhagen und die Wedemark offiziell die Erziehungsberatung für die Region übernehmen. Das bringt eine dringend benötigte Förderung mit sich - denn die Rücklagen des Vereins sind fast komplett aufgebraucht.

Voriger Artikel
Mit 81 fit wie ein Fisch im Wasser
Nächster Artikel
Diesel-Dieb wird auf frischer Tat ertappt

Bei der Lebensberatungsstelle können sich beispielsweise Schwangere in Konfliksituationen beraten lassen.

Quelle: dpa/Symbolbild

Burgwedel. In der aktuellen Broschüre der Lebensberatungsstelle findet sich nicht nur die Statistik für 2014, sondern auch viel zum Themenschwerpunkt „Angst - Gründe, Ziele, Therapiemöglichkeiten“. Angst hat aber auch Geschäftsführer Hans-Jürgen Hermann: „Meine Angst heißt Geldnot.“ Und damit meint er nicht seine private Situation, sondern die wirtschaftliche der Lebensberatungsstelle.

Offene Sprechstunde

Die Lebensberatungsstelle für Burgwedel, Isernhagen und die Wedemark hat ihren Sitz am Lohner Hof 7 in F.B. Neben der allgemeinen Ehe- und Lebensberatung steht das neunköpfige Beraterteam bei Erziehungsproblemen sowie für die Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung bereit. 865 Fälle zählte die Beratungsstelle 2014 – gleichmäßig verteilt auf die drei Kommunen. Auch 143 Menschen von außerhalb nutzten das Angebot: „Wir schicken niemanden weg“, betont Geschäftsführer Hans-Jürgen Hermann. Das Team ist unter Telefon (05139) 892828 zu erreichen. Alle Informationen gibt es im Internet auf dielebensberatungsstelle.de. Die Wartezeit für ein Erstgespräch liegt bei zwei Wochen – Krisenintervention ist auch kurzfristig möglich. Offene Sprechstunden gibt es zudem in Großburgwedel (Gartenstraße 8), in Altwarmbüchen (Rathaus, Raum 113) und in Mellendorf (Rathaus, Raum 014) donnerstags von 17 bis 18 Uhr.

„Vor 15 Jahren hatten wir hohe Rücklagen“, erinnert er sich. „Jetzt sind fast alle aufgebraucht. Dieses Jahr schaffen wir noch, aber ab 2016 wird es wirklich eng.“ Die Lebensberatungsstelle für Burgwedel, Isernhagen und die Wedemark wird von allen drei Kommunen freiwillig bezuschusst. Hinzu kommen kleinere Förderungen vom Land und der Region. „Gut 100.000 Euro haben wir bisher jährlich aus eigenen Mitteln investiert, und auch Spenden, teils Erben, haben uns geholfen“, sagt Hermann.

400.000 Euro stehen auf der Ausgabenseite - das Gros davon sind Personalkosten. „Wenn wir nicht schnell eine neue Einnahmenquelle finden, müssten wir unser Angebot deutlich reduzieren“, betont Hermann. Und dabei wird dieses mit Blick auf die Statistik gebraucht: 865 Beratungsfälle waren es 2014 - 715 davon Neuanmeldungen. Die meisten Menschen suchen eine Ehe- oder Lebensberatung, weil sie Partnerschaftsprobleme haben (248 Fälle) oder Geld- und Arbeitsplatzsorgen (165 Fälle). Einen Rechtsanspruch auf Beratungen wie diese gibt es nicht - auch Krankenkassen zahlen nicht. Hinzu kommen Angebote für Krebspatienten, die gut 40-mal pro Jahr angefragt werden. Auch Suchtprobleme, Misshandlungen, psychische Krankheiten und Schwangerschaftskonflikte werden in der Beratungsstelle angegangen. „So etwas kann nicht kostendeckend funktionieren“, sagt Hermann mit Blick auf die geringen Honorare, die sein Team auch nur für einige Bereiche berechnen darf.

Anders sieht das bei der Erziehungsberatung aus, die im Sozialgesetzbuch VIII verankert ist. „Die offizielle Beratungsstelle der Region befindet sich für unseren Bereich in Burgdorf“, weiß der Geschäftsführer. Die Region hat ein neues Konzept erarbeitet, das wohnortnäher funktioniert. Ein Lichtblick: „Ab 1. Januar sollen wir die Erziehungsberatung für Burgwedel, Isernhagen und die Wedemark offiziell übernehmen“, sagt Hermann. Das bringt eine umfassende Förderung mit sich. „Über die Höhe verhandeln wir noch.“

Dennoch: „Wir werden mit den Kommunen über höhere Zuschüsse sprechen“, kündigt Hermann an. „Und wir brauchen jede Spende, die wir kriegen können.“

Von Carina Bahl

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten