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Lokalzeitung hilft beim Sehen durch Hören

Großburgwedel Lokalzeitung hilft beim Sehen durch Hören

Vor einem halben Jahr war es kaum mehr als ein Traum: Sehschwache Burgwedeler sollten "sehen durch Hören". Doch Franz Wagenhäusers Traum ist wahr geworden. Dank eines Aufrufs in der Nordhannoverschen Zeitung hat er Ehrenamtliche gefunden, die regelmäßig aus der Lokalzeitung vorlesen.

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Die Nordhannoversche Zeitung ist für den Vorlesezirkel die wichtigste Nachrichtenquelle.

Quelle: Martin Lauber

Großburgwedel. Mittlerweile lauschen jeden ersten und dritten Donnerstag im Monat in der Seniorenbegegnungsstätte (SBS) rund zehn Menschen, denen die Zeitungslektüre schwerfällt oder sogar unmöglich ist. Und die tauschen sich auch lebhaft darüber aus, was in ihrer Stadt so alles passiert. „Das ergänzt, was man zu Hause zu hören kriegt“, sagt Alexander Hoppe, der auch im Blindenverein Hannover engagiert ist.

Ob die Diskussion um einen Friedwald, die Stolpersteine, die Flüchtlinge, Südlink oder Gerichtsverhandlungen, das regelmäßige Nachrichten-Update möchte niemand aus der Gruppe mehr missen - zumal das „duale Vorlesen“ besonders aufgelockert ist. Wenn zum Beispiel Meinolf Helling und Margret Timmann als Vorleser an der Reihe sind, setzen sie durchaus unterschiedliche Schwerpunkte. „Ich lese gern auch mal was Lustiges vor“, berichtet Timmann und rezitiert die Meldung über den rot gekleideten Jogger, der in Fuhrberg vor einem Rind auf den Hochsitz fliehen musste. Sie wählt auch gern Kulturnachrichten aus, während Helling das Lokale bisweilen auch um Umweltthemen aus dem Hauptteil anreichert. Die beiden lesen im Wechsel mit Hans Dohrmann und Angela Brosdowski.

Für Menschen, denen die visuelle Welt nicht mehr viel zu bieten hat, sind die Hinweise auf Veranstaltungen wichtig, bei denen es ums Zuhören geht: Lesungen, Podiumsdiskussionen, Konzerte. Werner Teuber indes kommt aus Isernhagen hauptsächlich in die SBS, weil er sich „für das Sehgeschädigten-Milieu“ interessiert. Der Geschäftsführer des Deutschen Hilfsmittelverbandes als Referent in der „Burgwedeler sehen durch Hören“-Gruppe (BsdH) war für ihn genau das Richtige.

Bis der von Wagenhäuser initiierte Vorlese-Zirkel auf die Idee einer „Burgwedeler Stiftung der Hörbücher“ kommen würde, war es eigentlich nur eine Frage der Zeit. Die „Stiftung“ gibt es jetzt, und sie nimmt gespendete Hörbücher entgegen, registriert sie und stellt sie über die SBS-Bücherei Sehbehinderten, die dafür kein Formular ausfüllen müssen, während der Vorlesezeit kostenlos zur Verfügung.

Weitere Initiativen sind nicht ausgeschlossen - allemal nicht, dass, wie Wagenhäuser hofft, BsdH sich über kurz oder lang zur Stimme der Burgwedeler Sehbehinderten entwickelt. Um deren Lebenssituation zu verbessern, gebe es in Burgwedel viel Nachholbedarf - nicht allein wegen unmarkierter Laternenpfähle, vieler Ampeln ohne akustische Signale und Müllsäcken auf den Bordsteinen, über die man stolpern kann.

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