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Morricones Filmmusik - in Kammermusik-Besetzung

Burgwedel Morricones Filmmusik - in Kammermusik-Besetzung

Er hat den Soundtrack zu "Spiel mir das Lied vom Tod" und zu 30 weiteren Italo-Western geschrieben - und die Musik zu mehr als 500 Kinofilmen. Im ausverkauften Amtshof lernten die Zuhörer den Komponisten Ennio Morricone von einer weniger bekannten Seite kennen.

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Perfekt aufeinander eingespielt, ebenso subtil wie dynamisch: Das Ensemble Duomo erobert sich im ausverkauften Amtshof die Herzen der Zuhörer.

Quelle: Martin Lauber

Großburgwedel. Langer Schluss- applaus im ausverkauften Amtshof am Ende eines zum Niederknien schönen Kammermusikabends – und doch hatte manch ein Zuhörer zuvor erst eine leise Enttäuschung überwinden müssen. Wäre es nicht noch schöner gewesen, zu wohlbekannten Filmmusiken in imaginierten Kinobildern zu schwelgen?

Mit Themen zum Wieder-Erkennen ging das Ensemble Duomo in seinem „Tutto-Morricone“-Konzert am Mittwochabend nicht gerade verschwenderisch um. „Zwei Glorreiche Halunken“ und „Nuovo Cinema Paradiso“ – solche Ikonen der Filmmusik ließen im Amtshof den Applaus-Pegel am höchsten ausschlagen.

Ansonsten hatte das Mailänder Quintett unter den mehr als 500 Soundtracks von Ennio Morricone (der 2016 für die Musik zu „The Hateful Eight“ seinen zweiten Oscar bekam) solche ausgewählt, die hierzulande weniger bekannt sind. Die ungekannten italienischen Filmtitel im gedruckten Programm halfen da auch nicht weiter.

Von der CD transkribier t

Aber – alles ist eine Frage der Erwartungshaltung. Wer nicht zum Abhaken von Morricone-Klassikern à la „Spiel mir das Lied vom Tod“ gekommen war, dem eröffnete das Ensemble Duomo einen Filmkomponisten, in dessen Werk die stilbildende Musik zu 30 Italo-Western eben nur ein kleiner Aspekt ist.

Gitarrist und Ensemble-Chef Roberto Porroni, der leider erst nach der Pause einige Erläuterungen zum Konzertrepertoire gab, hat vom Meister persönlich die Genehmigung erhalten, die meist für großes Orchester und innovative Soundeffekte komponierte Film- in Kammermusik zu übersetzen. Weil es keine gedruckten Partituren gibt, hat Porroni für sein „Tutto-Morricone“-Programm 14 Themen ausgesucht, von CDs transkribiert und für Gitarre, Querflöte, Bratsche, Violine und Cello bearbeitet.

14 Meisterwerke, die hören und staunen ließen: Mit der Reduktion auf die Quintett-Instrumentierung machte das Ensemble Duomo die vielschichtige Struktur der Vorlagen transparent, die, wenn man sie ohne Kinobilder genießt, bisweilen arg bombastisch daher kommen. Da waren sie: die charakteristischen schroffen Streicher-Staccati, mit denen Morricone Dramatik und Spannung aufbaut. Breitwandkino fürs Ohr in Dolby-Surround-Intensität bot Marcella Schiavelli am Violoncello. Auf dessen schwebendem Wohlklang hoben die Zuhörer ab, um sich von Porronis erzählerischer Gitarrenkunst an die Hand nehmen zu lassen – jeder in seinem eigenen Film.

Welch zeitlose Musik Morricone erschafft, das machte die Mailänder in der Zugabe mit einem Trick bewusst. Sie spielten ein barockes italienischen Meisterwerk, das sich nahtlos ins Morricone-Universum einfügte.

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