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Kinderpornografie: Burgwedeler verurteilt

Burgwedel Kinderpornografie: Burgwedeler verurteilt

Mehr als 1000 kinderpornografische Fotos und Videos hat die Polizei bei einem Burgwedeler gefunden. Der 51-Jährige wurde am Donnerstag vom Amtsgericht Burgwedel zu neun Monaten auf Bewährung und 300 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt.

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Das Amtsgericht Burgwedel hat einen 51-Jährigen wegen des Besitzes und des Verbreitens von kinderpornografischen Materials verurteilt.

Quelle: Symbolbild

Burgwedel. Gelassen, selbstbewusst, scheinbar ohne jedes Gefühl von Scham und Schuldbewusstsein nimmt der 51-Jährige gestern Morgen auf der Anklagebank des Amtsgerichts Burgwedel Platz. „Das war letztes Jahr, da kann ich mich doch heute nicht mehr dran erinnern!“, entfährt es ihm nach der Verlesung der Anklage.

Und die hat es in sich: 1037 kinderpornografische und 220 jugendpornografische Dateien hat die Polizei bei einer Hausdurchsuchung im September auf drei Computern, einem USB-Stick, einer Fotospeicherkarte und zwei Handys des Burgwedelers gefunden. Zehn Videos sind darunter. Die Motive sind durchgehend strafbar: entblößte Kinder und Jugendliche in eindeutigen Posen, während sexueller Handlungen oder beim Betrachten derselben.

Nicht nur der Besitz der Dateien ist angeklagt, sondern auch das Verbreiten: Der Burgwedeler, selbst zweifacher Vater, hatte Bilder per MMS mindestens an neun verschiedene Personen geschickt, wie die forensische Untersuchung der Polizei ergeben hatte. Gegen die Empfänger läuft nun auch ein Strafverfahren.

„Dann helfen wir ihrem Gedächtnis doch auf die Sprünge“, kündigt Amtsrichter Michael Siebrecht kühl an. Der Angeklagte muss sich viele Bilder einzeln auf dem Richtertisch anschauen. „Das sind wirklich ganz alte Sachen“, quittiert dieser die Bilderserie. „Und verschickt habe ich, glaube ich, auch nichts.“ Seine Meinung ändert sich, als ein Experte der Polizei erklärt, wie man technisch nachweisen konnte, dass er aber genau das getan habe.

Die Polizei war auf ihn aufmerksam geworden, weil der Burgwedeler eines der „abscheulichen Bilder“, wie Siebrecht sie fortan nennt, an einen Mann im Saarland gesendet hatte. Dieser war damit sofort zur Polizei gegangen – und die Ermittlungen begannen. Als „schrecklich unaufgeräumt“ schildert eine Polizistin im Zeugenstand die Wohnung des Angeklagten, aus der die Beamten im September alles, was Dateien speichern kann, mitgenommen hatten. Der seit 15 Jahren arbeitslose Mann habe dabei auch nicht abgestritten, dass ihm die Geräte gehören. „Also, mein neues iPhone und die Fotokarte hätte ich aber schon gern bald zurück“, fordert der 51-Jährige im Gerichtssaal.

Er bekommt sie nicht wieder. „Tatwerkzeug“ nennt sie der Staatsanwalt und kann trotz sachlichen Plädoyers auf eine Freiheitsstrafe dann doch nicht gelassen bleiben. „Sie haben keine Bilder von Hasen oder Bäumen verschickt“, betont er mit lauter werdender Stimme. „Jedes einzelne Bild zeigt, wie ein Kind sexuell misshandelt und kaputt gemacht wurde. Das Leben der Kinder ist vielleicht für immer zerstört. Machen Sie sich das klar!“ Mit dem Herunterladen und Verbreiten der Fotos habe er diese Taten unterstützt. Auf die Frage des Staatsanwaltes, wie er denn mit dieser Neigung umgehen wolle, antwortet der Angeklagte knapp: „Ich bin geheilt. Das passiert nicht wieder.“ Sein letztes Wort? Er findet keins. 

Im Urteil stehen am Ende neun Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung. „Die stehen nur solange auf dem Papier, bis wieder etwas passiert. Dann gehen Sie ins Gefängnis“, macht Siebrecht klar. Allein, dass der Mann nicht vorbestraft war, könne positiv verbucht werden. „Das muss jetzt schon wehtun“, erklärt Siebrecht die Bewährungsauflage von 300 Arbeitsstunden. „Sie haben ja Zeit!“

Von Carina Bahl

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