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Würmsee soll künftig nicht mehr austrocknen

Burgwedel Würmsee soll künftig nicht mehr austrocknen

Vom hochtrabenden Entwicklungskonzept für den Würmsee hat die Stadt Burgwedel, seit Juni Pächterin des Gewässers, Abschied genommen. Stattdessen sollen kleine Einzelmaßnahmen die Naherholung am See attraktiver machen – alles ganz naturnah.

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Für einen freien Blick auf den See sollen an einigen Stellen Äste und Gehölz entfernt werden, sagt Umweltkoordinator Malte Schubert.

Quelle: Martin Lauber

Kleinburgwedel. Dass der Würmsee sich dieses Jahr trotz der langen Trockenheit nicht in eine Schlammwüste verwandelt hat, hat nach Aussage von Burgwedels Umweltkoordinator Malte Schubert einzig diesen Grund: Jede Nacht habe die Stadt von 22 bis 6 Uhr insgesamt Zehntausende Kubikmeter Grundwasser in den See gepumpt. Was regelmäßige Spaziergänger auch sicher schon bemerkt haben: Rund um den See ragen seit Kurzem keine Wurzeln mehr aus dem Weg. „Die Stolperfallen haben wir abfräsen lassen“, erklärt Schubert. Regelmäßig gemäht würden nun auch die Wegränder.

„Die Stadt ist Pächter, deshalb können wir jetzt loslegen“, sagt er. Was Schubert rund um den Würmsee an Eingriffen plant, geht über reine Verkehrssicherung zwar hinaus, ist aber um Klassen bescheidener als die Ziele, die sich Stadt und Region im 2013 präsentierten Entwicklungskonzept gesteckt hatten. Ein hannoversches Landschaftspflegebüro hatte vorgeschlagen, den Würmsee zum Naherholungsgebiet von regionalem Rang zu profilieren. Für circa 400.000 Euro sollten Wegesystem und Möblierung erneuert und besondere Akzente gesetzt werden: Stege, ein Aussichtsturm am Nordostufer, ein Informationssystem und ein Themenspielplatz für alleine 150 000 Euro waren geplant.

Davon ist jetzt keine Rede mehr – und ebenso wenig davon, den See aus Naturschutzgründen sich selbst zu überlassen, also verlanden zu lassen. „Wir haben das Einverständnis der Naturschutzbehörde, die Wasserfläche wegen ihres Wertes für Brut- und Rastvögel offen zu halten“, berichtet Schubert.

Innerhalb der vergangenen zehn Jahre sei schon viel Seefläche durch Verlandung verloren gegangen. „2006 hatten wir noch viel mehr Uferbereiche. Ob wir sie zurückholen können, müssen wir sehen. Aber wir wollen versuchen, die Verlandung wenigstens aufzuhalten, um das ganze Jahr eine geschlossene Wasserfläche zu behalten.“ Im südlichen Uferbereich sollen in einem Testlauf zehn bis 
15 Zentimeter Schlamm abgetragen werden. Das Sediment könne wegen seines hohen organischen Gehalts nicht auf Felder gebracht, sondern müsse wahrscheinlich deponiert werden, berichtet Schubert und spricht denn auch von einem Kraftakt.

Vorher soll es zunächst in kleinen Schritten vorangehen. Noch diesen Herbst sollen am Parkplatz ein erster zentraler Info-Punkt mit Wissenswertem über das Seebiotop sowie Fahrradbügel aufgestellt werden. Sieben bis acht neue Bänke sollen die verrotteten Sitzmöbel ersetzen. Und an ausgewählten Stellen soll der Ausblick aufs Wasser wieder ermöglicht werden. Dafür sollen im Süden auch einige Fichten fallen. In insgesamt fünf Uferzonen soll Röhricht zurück geschnitten, im Südosten eine zugewucherte Wasserrinne freigelegt werden. Auch einige Weiden am Südufer sollen weg – ihr Durst trage zum regelmäßigen Austrocknen des Sees bei, so Schubert.

Neues See-Konzept passt zur Gastronomie

Ungefähr 20 Minuten dauert eine Runde um den Würmsee. Für viele Spaziergänger ist die jeden Tag von früh bis spät geöffnete rustikale Gaststätte von Dietrich Kley am Westufer der Ausgangs- oder Zielpunkt. Die Bratkartoffeln wahlweise mit Sülze, Currywurst oder Schnitzel genießen Kultstatus. Und den selbstgebackenen Pflaumenkuchen empfahl kürzlich Umweltkoordinator Malte Schubert sogar im zuständigen Fachausschuss, als er sein See-Konzept vorstellte.

Den Kuchen backt Ameli Zieseniß, seit 2015 die Frau an Schleys Seite. Sie findet, dass das naturnahe See-Konzept der Stadt zur Gastwirtschaft und deren Kunden, die wegen der Natur herkämen, sehr gut passt: „Bescheiden, ruhig und nicht so übertrieben.“ Froh sind die Wirtsleute, dass von einer Verlandung jetzt nicht mehr die Rede ist. In den vergangenen Jahren fiel der See mehrfach monatelang trocken, das hatte sich deutlich in der Besucherfrequenz niedergeschlagen. „Eine Verlandung wäre ganz schlecht für uns gewesen“, sagt denn auch Dietrich Schley, der beim mittlerweile aufgegebenen 2013-er Konzept überhaupt nicht gefragt worden war, obwohl er seit 1990 Würmsee-Wirt ist und die Gaststube nach einem Brand eigenhändig neu aufgebaut hatte. Das Wasser sei das „Entscheidende für die Leute“, sagt er.

Der moderate Neuanfang am See beflügelt: Das Freiluft-Schach wollen Schley und Zieseniß 2017 reaktivieren, die kleine Bühne am Biergarten schöner herrichten. Und wenn jemand einen Naturfragebogen für Kinder ausarbeiten wolle – warum nicht der Nabu? – wäre das doch eine tolle Ergänzung, findet Ameli Zieseniß.

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Fotostrecke Burgwedel: Würmsee soll künftig nicht mehr austrocknen

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