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Musterhäuser sind zurück auf der Agenda

Großburgwedel Musterhäuser sind zurück auf der Agenda

Ein Antrag der Fraktion Die Unabhängigen, unterstützt von hochemotionalen Wortbeiträgen betroffener Bewohner, hat am Donnerstagabend dafür gesorgt, dass sich die Politik ein weiteres Mal mit den ehemaligen Musterhäusern im Gewerbegebiet II entlang der Raiffeisen- und Schulze-Delitzsch-Straße befassen wird.

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Sie beschäftigen wieder die Politik: die ehemaligen Musterhäuser im Gewerbegebiet II.

Quelle: Martin Lauber

Großburgwedel. Eigentlich schien der Zug politisch abgefahren zu sein. 2014 waren die Eigentümer von 24 ehemaligen Musterhäusern im Gewerbegebiet II teils Jahrzehnte nach dem Einzug ins Visier der Bauaufsicht geraten. Für die Bewohner galt plötzlich der baurechtliche Status „illegal“. Der Versuch der Großburgwedeler, ihr Wohnen im Gewerbegebiet nachträglich legalisieren zu lassen, scheiterte. Die Burgwedeler Politik lehnte Anfang 2015 aus rechtlichen Gründen ab – auch gestützt auf ein Gutachten, das für die Anwohner gesundheitliche Risiken durch den Lärm von der nahen Bahnlinie und der Autobahn 7 unterstellte.

Vor diesem Hintergrund hatte jetzt Ratsherr Rudolf Gutte (Die Unabhängigen) seinen Antrag an den Rat formuliert. Man sei zwischenzeitlich zur Überzeugung gekommen, dass die Stadt den langjährigen Bewohnern im Gewerbegebiet II „eine dauerhafte Nutzungsperspektive eröffnen sollte“, so Gutte – durch die teilweise Umwidmung zu einem Mischgebiet. Diese brächte den benachbarten Gewerbebetrieben keine Nachteile, „und zum Beispiel an der Vahrenwalder Straße in Hannover ist es lauter“, sagte Gutte.

Doch zunächst sah es nicht danach aus, als wollte der Rat dieses Fass noch einmal aufmachen: Rainer Fredermann (CDU) schlug in seiner Funktion als Ratsvorsitzender vor, dass man sich nicht mit dem Antrag befassen solle, und auch einige weitere Äußerungen anderer Fraktionen gingen in diese Richtung.

Doch da hatten sie die Rechnung ohne die anwesenden Bewohner der ehemaligen Musterhaussiedlung gemacht. Gerade Karl Wilhelm Goebel, der 1986 sein Haus gekauft, dort ein Unternehmen geführt und das Obergeschoss vermietet hatte, trug eindrucksvoll vor, was ihn und seine Nachbarn beschäftigt. Nie in vielen Jahren habe irgendein Behördenvertreter ausgesprochen, dass das rechtswidrig sei. „Das Versäumnis lag bei der Stadt“, kritisierte er. Nun habe er die Wahl, entweder schnell zu sterben oder noch bis zum Jahr 2023 auszuwohnen, ging er auf die von der Region vorgegebene Frist ein. „Und dann haben wir alle Schrottimmobilien. Man hat uns quasi enteignet“, rief er laut durch den Saal. „Deshalb überprüfen Sie ihre Entscheidung“, bat er die Politiker.

Auch zwei von Goebels Nachbar berichteten eindrucksvoll, wie sie guten Glaubens ihre Häuser gekauft hätten. Sie warben unter anderem damit, dass Wohnhäuser neben Gewerbebetrieben auch gut für die soziale Kontrolle seien. Ein Bewohner versicherte sogar, dass er alle Gewerbetreibenden aufgesucht habe und sich deren Zustimmung zur Umwidmung in ein Mischgebiet schriftlich habe geben lassen.

Letztlich votierte der Rat einstimmig dafür, dass sich der Bauausschuss wieder mit dem Thema Gewerbegebiet II befassen soll – wobei die Erste Stadträtin Christiane Concilio den Hinweis gab, dass selbst die Zustimmung der Gewerbetreibenden das Thema aus rechtlicher Sicht nicht zum Selbstläufer machen werde. „Sie müssen dann aber klare Fakten vorlegen“, sagte Jürgen Schodder (CDU) und nahm damit die Bewohner in der Pflicht.

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