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Der "offizielle Nachtisch-Typ" ist Handwerker

Burgwedel Der "offizielle Nachtisch-Typ" ist Handwerker

Fünf Stunden für ein Drei-Gänge-Dessert und 150 Pralinen: Der 26-jährige Nico Kuckenburg aus dem Großburgwedeler Sternerestaurant Ole Deele hat sich Großes vorgenommen. Am Sonntag möchte er im Schwarzwald im Wettkampf gegen viele internationale Kollegen bestehen – und "Patissier des Jahres" werden.

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Nico Kuckenburg möchte Patissier des Jahres werden.

Quelle: Carina Bahl

Großburgwedel. Es geht eigentlich nur um ein Foto. Irgendwas mit Nachtisch-Motiv, um den Patissier der Olen Deele für die Zeitung in Szene zu setzen. Aber nein. Da ist der 26-jährige Nico Kuckenburg einfach Perfektionist. Wenn er in der Küche steht, dann vergisst er die Welt um sich herum – minutenlang wird Rhabarber filigran in den unvorstellbarsten Varianten dekoriert, arrangiert, zelebriert. Der Fotografin hätte auch ein Schokoladenpudding gereicht – „aber auch der müsste fantastisch werden“, scherzt Kuckenburg und steckt konzentriert kleine Basilikum-Blätter zurecht. Gelernt ist eben gelernt.

Bewundernswert, dass Kuckenburg noch die Ruhe hat, sich einem Dessert so intensiv zu widmen. Bereits am Sonntag tritt er im Schwarzwald gegen Kollegen im internationalen Wettkampf zum „Patissier des Jahres“ an. „Langsam steigt die Nervosität“, gibt Kuckenburg zu. Schließlich befindet er sich bereits beim Kofferpacken – beziehungsweise beim Töpfe füllen. „Man darf die Zutaten abgewogen mitbringen“, erklärt der 26-Jährige, der seit Juli in Großburgwedels Sternerestaurant fürs Dessert zuständig ist. Fünf Stunden wird er morgen Zeit haben, um aus Limette, Joghurt und Rote Beete – so lautet die Vorgabe – etwas zu zaubern, das die Jury überzeugen wird. „Ich habe mich vor drei Monaten mit einem Drei-Gänge-Dessert beworben“, erinnert er sich. 16 Komponenten hat allein das Vordessert, 18 Komponenten finden sich in seinem Hauptdessert – mit einem Lakritz-Petit Four soll der Titel „Patissier des Jahres“ dann in Reichweite rücken. Hinzu kommen 150 Walnussbutter-Karamell-Pralinen, mit denen er ebenfalls in den Wettstreit startet. Fünf Stunden? Das wird wirklich knapp.

Einen Freund nimmt Kuckenburg als Assistenten mit. „Er durfte hier im Restaurant schon helfen, um das Dessert kennenzulernen“, sagt der gebürtige Magdeburger zur Vorbereitung. Das durften auch die Gäste der Olen Deele– „aber nach vier Wochen haben wir meinen Beitrag dann von der Karte genommen, weil ich mein Dessert schon selbst nicht mehr sehen konnte.“

Die Handgriffe sitzen dennoch perfekt – das beruhigt. Der Assistent ist eingespielt. „Ich nehme meine eigene Eismaschine mit“, betont Kuckenburg. Auch die Technik soll keine Tücken haben, wenn es drauf ankommt. Und wenn der Laie fragt, was ein Patissier eigentlich ist? „Sagen wir mal, ich bin der offizielle Nachtisch-Typ“, scherzt Kuckenburg dann gut gelaunt. Bereits in seiner Ausbildung habe er die Liebe zum Süßen entdeckt und sich schnell ans Finale jeden Menüs herangekocht – mit privaten Konsequenzen: „Ich habe nichts Süßes im Kühlschrank“, gesteht er. „Nach der Arbeit brauche ich unbedingt was Deftiges.“

Für seine Familie bereitet er die Leckereien dennoch zu. „Ich bin schließlich der einzige, der in der Gastronomie gelandet ist. Alle anderen sind Handwerker.“ Aber mit Blick auf die Vorbereitung, die vielen Arbeitsschritte und die notwendig genaue Gestaltung ergänzt Kuckenburg: „Eigentlich bin ich auch Handwerker. Ob man Zement rührt oder Schokoladen-Mousse, ist doch fast egal.“ Nur beim Geschmack vielleicht nicht.

Von Carina Bahl

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