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Mit Lektüre und viel Zeit am Krankenbett

Burgwedel Mit Lektüre und viel Zeit am Krankenbett

Sie war 23 Jahre lang nicht nur die gute Seele der Patientenbücherei, sondern des ganzen Krankenhauses Großburgwedel: Gisela Metzdorf geht 82-jährig nach 23 Jahren im Ehrenamt in den Ruhestand.

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Das Team der Patientenbücherei, Pflegedirektorin Annelie Kadler (links) und Holger Grünjes beim Abschied von Gisela Metzdorf.

Quelle: Martin Lauber

Großburgwedel. Dass im Klinikalltag, als der Computer Einzug hielt, für den einzelnen Patienten immer weniger Zeit blieb, hatte Gisela Metzdorf noch in ihrer aktiven Zeit als leitende Schwester schmerzhaft miterleben müssen.

Als sie 1993 nach fast 40 Berufsjahren in den Ruhestand ging, hatte sie deshalb noch eine Rechnung offen: Jetzt endlich wollte sie Zeit haben am Krankenbett – für Gespräche, um zuzuhören. So schloss sie sich dem Team der Patientenbücherei im Großburgwedeler Krankenhaus an, um fortan 23 Jahre lang mit dem Bücherwagen über die Stationen zu tingeln – zweimal die Woche, und sogar zwischen Weihnachten und Neujahr pausierte sie nicht.

Für dieses Ehrenamt war Gisela Metzdorf die Idealbesetzung: Schon seit ihrer Kindheit an der Weichsel eine Leseratte, hat sich in diesem Punkt bei ihr bis heute nichts verändert: „Auf meinem Nachttisch liegen immer zwei, drei Bücher, und noch ein paar mehr vor dem Bett“, verriet sie gestern bei ihrer höchst feierlichen Verabschiedung. In den Gesichtszügen der zierlichen Frau wechselten sich Lächeln, Nachdenklichkeit und Rührung ab.

Am Monatsende wird die 82-Jährige mit ihrem Ehemann – auch er Krankenpfleger und Buchfreund – umziehen in ein Seniorenstift in Lindau, wo ihre Tochter lebt. Im Eigenheim am Erlenweg ist alles schon in Kartons verpackt – auch die Bücher.

Sang und klanglos konnte man Gisela Metzdorf natürlich nicht gehen lassen. „Das Haus“ spendierte ein kaltes Buffet, und Pflegedirektorin Annelie Kadler überreichte der „Seele des Krankenhauses“ einen großen Blumenstrauß. Superintendent Holger Grünjes – der evangelische Kirchenkreis ist Träger der Patientenbücherei – sagte: „Danke, dass es Sie gibt.“ Still und leise habe Gisela Metzdorf für „den liebevollen Umgang mit sich und anderen“ unendlich viel Zeit eingesetzt und so der Patientenbücherei ein menschliches Gesicht gegeben.

Das jetzt nur noch achtköpfige Team um Petra Hoppmann braucht nun dringend neue Verstärkung. Wer Interesse hat, kann sich unter Telefon (05139) 8 01 32 43 melden. 
 


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