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Das erlebt ein Malermeister bei der Gesellensuche

Burgwedel Das erlebt ein Malermeister bei der Gesellensuche

Malermeister Patrik Lalk ist verzweifelt. "Ich finde einfach keinen guten Malergesellen für meinen Betrieb." Auf der Suche nach einer kompetenten Fachkraft ging er jetzt einen ungewöhnlichen Weg: Mit einer humorig-sarkastisch formulierten Stellenanzeige machte er deutlich, worauf es ihm ankommt.

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Ist verzweifelt in Anbetracht des Fachkräftemangels: Malermeister Patrik Lalk sucht mit einer außergewöhnlichen Stellenanzeige nach einem Mitarbeiter.

Quelle: Gerner

Großburgwedel. "Du bist nicht komplett verpeilt, bist in der Lage, Dich selbst im Supermarkt mit Grundnahrungsmitteln zu versorgen, ..., Du kannst die Uhr lesen, musst nicht alle drei Minuten eine WhatsApp schreiben, ... beherrschst die Grundrechenarten, kannst Dich in deutscher Sprache verständigen", heißt es in dieser Anzeige. Der Text endet mit den Worten: "... Du kannst Dir vorstellen, mindestens fünf Mal die Woche zu arbeiten, ohne gleich an einem Burnout-Syndrom zu erkranken ..." und dem Aufruf, sich in diesem Fall bei der Firma Lalk zu melden. Jede Menge Frust spricht aus diesen Zeilen. Auch wenn seine Annonce in den sozialen Netzwerken reichlich zustimmende Kommentare bekommen hat - frustriert ist Patrik Lalk tatsächlich.

"Es ist geradezu aussichtslos, einen guten Maler zu finden", klagt der Firmenchef. "Ich habe in den 30 Jahren meiner Tätigkeit noch nie solche Probleme erlebt, Mitarbeiter zu finden. Der Fachkräftemangel trifft uns total." Auf seinen launig formulierten Anzeigentext meldeten sich bislang drei Personen: Zwei interessierten sich für eine  Bürotätigkeit, einer besaß keinerlei Berufserfahrung. Aber Lalk braucht jemanden, der als Maler gearbeitet hat. "Selbst eine abgebrochene Ausbildung wäre kein Problem", meint der 50-Jährige.

Gefordert sind auch gute Manieren

Zusätzlich zu handwerklichem Geschick erwartet der Chef ein gewisses Maß an Alltagstauglichkeit sowie gute Manieren. "Ich hatte schon Mitarbeiter, die wollten mit mir ernsthaft diskutieren, warum es wichtig ist, pünktlich zu sein." Genervt berichtet er von jungen Männern, die schon bei den Grundrechenarten ins Schleudern kommen. "Die Farbe braucht ein Mischungsverhältnis von 1 zu 50 - äh, wieviel Wasser muss ich dann nehmen?" Auch jemanden, der nicht über ein Mindestmaß an Umgangsformen verfüge, kann der Malermeister nicht gebrauchen. "Die Kunden lassen uns in ihren Privatbereich. Die müssen uns vertrauen können." Angesprochen auf die Belastbarkeit heutiger Bewerber, wird Lalk sarkastisch: "Schön wäre es auch, wenn ein Kandidat in der Lage wäre, über einen längeren Zeitraum hinweg eine ganze Arbeitswoche durchzuhalten."

"Die Zeit zwischen Aufstehen und PlayStation - pures Leid"

Besonders die Suche nach Auszubildenden sei anstrengend. Es gebe Kandidaten, bei denen die Mutter mit im Bewerbungsgespräch sitze und auf sämtliche Fragen antworte. "Manche Bewerber haben vor dem Vorstellungsgespräch noch nicht einmal unsere Website angesehen!", ärgert sich der Firmenchef. "Viele junge Leute können sich nicht selbst organisieren, haben keine Eigeninitiative und im Grunde auch gar keine Lust zu arbeiten", so seine Erkenntnis. "Die betrachten die Zeit zwischen dem Aufstehen und dem Spielen an der PlayStation als reines Leid", spöttelt er. Lalk, der auch als vereidigter Sachverständiger tätig ist, weiß: "Ob beim Malerstammtisch, ob in der Innung - überall berichten Kollegen das Gleiche." 

Eine sinkende Ausbildungsqualität und hemmende Bürokratie schaden laut Lalk der Branche. Als Beispiele nennt er Hindernisse bei der Übernahme von Leiharbeitern und der Einstellung junger Flüchtlinge als Langzeitpraktikanten. Dabei hätte Lalk viel zu bieten: "Wir sind ein tolles neunköpfiges Team und haben interessante Aufgabenfelder. Da geht es auch mal nach Rügen, um an der Wellness-Anlage eines Hotels zu arbeiten." Wen diese Aussichten ansprechen, kann sich gern per E-Mail bewerben bei: lalk@lalk.de

Von Gabriele Gerner

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