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Plan B: Stadt rüstet sich für „Notlösungen“

Burgwedel Plan B: Stadt rüstet sich für „Notlösungen“

Was ist der Plan B, wenn alle Unterkünfte belegt sind oder Burgwedel mit einer Sonderzuweisung von Flüchtlingen konfrontiert wird? Welche öffentlichen Gebäude dann mit Feldbetten bestückt würden, hat die Stadtverwaltung jetzt offenbart.

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Auf diese vier Objekte, die im Fall der Fälle hintereinander belegt werden würden, hat sich die Verwaltung festgelegt.

Quelle: Martin Lauber

Burgwedel. Gerade beginnt die angekündigte „Verdichtung“ in den Flüchtlingsunterkünften: Einzel- werden durch Doppelstockbetten ersetzt, in Zweibettzimmer zieht ein dritter Bewohner ein – nur so verfügt die Stadt noch über eine Reserve von aktuell 129 Plätzen in eigenen und angemieteten Räumen. Sie sucht weiter dringend Wohnungen zum Mieten. Ohne ganz große Erfolge bei der Akquisition wird die Reserve spätestens bis Ende Januar aufgebraucht sein, selbst, wenn die Zuweisungsquote unverändert bliebe. Tatsächlich würden die Zahlen jedoch fast täglich nach oben korrigiert, sagte Burgwedels Erste Stadträtin Christiane Concilio am Mittwoch in einer Pressekonferenz. Weil die zentralen Anlaufstellen des Landes überquellen, würden Sonderzuweisungen immer wahrscheinlicher.

Deshalb bereite die Stadt sich auf sehr breiter Ebene auf „vorübergehende Notlösungen“ vor. Dazu gehört einerseits eine Art Zentrallager für die Ausstattung der Flüchtlingswohnungen und -notunterkünfte. Dafür hat der Eigentümer der Stadt den leer stehenden NP-Markt in Wettmar kostenlos bis zum Jahresende zur Verfügung gestellt. Unter anderem werden dort Feldbetten untergestellt, die die Verwaltung preiswert in Amerika geordert hat. Andererseits sind alle kommunalen Einrichtungen auf ihre Eignung als vorübergehende Massenunterkunft abgeklopft worden: Wie sind die sanitären Anlagen, wie ist es mit Möglichkeiten der Versorgung der Flüchtlinge? Auf folgende vier Objekte, die im Fall der Fälle hintereinander belegt werden würden, hat sich die Verwaltung festgelegt:

1. Vereinsraum des Schwimmvereins Burgwedel im Freibad.

2. Mehrzweckhalle in Engensen.

3. Westerfeldhalle in Wettmar. Der Schulsport müsste dann in der Aula erteilt werden.

4. Seniorenbegegnungsstätte in Großburgwedel. Die Beratung im Bürotrakt bliebe möglich.

Die Ortsbürgermeister sind ebenso informiert wie möglicherweise betroffene Sportvereine, die die Stadt nächste Woche zudem an einen Runden Tisch einladen will. Frühzeitig informieren – und zwar in den Ortsratssitzungen in den nächsten Wochen – will die Verwaltung auch über ihre Pläne zum Bau mehrerer neuer Wohnheime mit jeweils maximal 50 bis 55 Plätzen, die 2016 und 2017 in mehreren Ortsteilen entstehen sollen. 200 bis 300 Plätze für Flüchtlinge, die später als Wohnungen zur Verfügung stehen sollen, sind insgesamt geplant.

 

Mut zur Transparenz

Die Stadtverwaltung beweist Mut zur Transparenz – und das ist gut so. Auch wenn zurzeit kein Mensch weiß, ob und wann Massenunterkünfte in Burgwedel gebraucht werden, ist es eine Form der Wertschätzung der Bürger, sie frühestmöglich einzuweihen, was im Fall einer Sonderzuweisung von Flüchtlingen passieren soll. Nur so besteht Aussicht, dass ein vorübergehender Verzicht auf Sport- und Freizeiteinrichtungen von den Betroffenen mitgetragen würde – nicht mit geballter Faust in der Tasche, sondern im Bewusstsein, eine gesellschaftliche Aufgabe zu schultern. Ohne die Bürger geht in der Flüchtlingshilfe schon lange nichts mehr: Ohne die vielen Ehrenamtlichen, die Solidarität mit den Menschen in Not üben, wäre die Verwaltung heillos überfordert.

Ein Kommentar von Martin Lauber.

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