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Betrugsverdacht: Polizei ermittelt gegen Handy-Händler

Burgwedel Betrugsverdacht: Polizei ermittelt gegen Handy-Händler

Seit 2014 ermittelt die Polizei gegen den Inhaber des Vodafone-Shops im Großburgwedeler Mitteldorf wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betruges. Laut Staatsanwaltschaft Hannover geht es aktuell um 60 Fälle, rund zehn Anzeigen liegen noch bei der Polizei. In den sozialen Netzwerken haben Geschädigte wiederholt vor unseriösen Geschäftspraktiken gewarnt.

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Wie zahlreiche Kunden hat auch die Vodafone-Zentrale selbst Anzeige erstattet gegen den Vertragshändler im Großburgwedeler Mitteldorf.

Quelle: Martin Lauber

Großburgwedel. „Sehr geehrte Damen und Herren! Ich bitte um sofortige Kündigung/Stornierung des Vertrages und volle Kostenerstattung. Ich habe am 27. Januar 2016 den Vodafone-Shop nur betreten, um ein Festnetz-Telefon (Hardware) zu kaufen. Ich habe überhaupt kein Bedarf für ein Handy bzw. Handynummer. Beides ist vorhanden.“

Was war vorgefallen, dass ein über 80-jähriger Großburgwedeler sich mit einem handgeschriebenen Brief hilfesuchend an die Vodafone-Zentrale im rheinländischen Ratingen wandte? Im Shop im Mitteldorf von Inhaber Y. hatte der Rentner Günter Wilhelm sich eine Festnetzstation ausgesucht, weil seine daheim nicht mehr lud. Tatsächlich in Rechnung gestellt wurden ihm dann am 11. Februar der Anschlusspreis (25,20 Euro) plus der Basispreis für den Tarif „Vodafone Smart L ohne Smartphone“ (29,40 Euro). Wegen der eigentlich von ihm bestellten Festnetz-Hardware – sie sei gerade nicht lieferbar – wurde Wilhelm nach eigenen Angaben bei mehrfachen Rückfragen vertröstet. Die von ihm geforderte Stornierung der ungewollten Handyverträge sei abgelehnt worden, sagt er. Erst die Deutschland-Zentrale von Vodafone habe nach dem Brief der Stornierung zugestimmt.

Ärger und schlaflose Nächte

Ärger haben Kunden des Geschäfts offenbar schon viel länger. Ein 33-jähriger Wettmarer berichtet, dass er 2014 zusätzlich zu den Handy-Verträgen für sich und seine Frau zwei weitere für seine Kinder abschließen wollte. Unterschrieben habe er elektronisch auf einem Tablet. „Auf der Rechnung waren dann aber sieben Verträge für insgesamt 350 Euro monatlich“, berichtet der Familienvater. Auf seine Beschwerden hin sei er immer wieder hingehalten worden, auch Gutschriften habe es zwischenzeitlich gegeben. Ein Ende fand der Spuk erst, nachdem der Wettmarer der Vodafone-Zentrale schriftlich mitteilte, warum er nicht zu zahlen bereit sei. „Da waren bereits 1800 Euro aufgelaufen“, so der 33-Jährige.

Annelore Steinforth verbrachte „schlaflose Nächte wegen der Vodafone-Affäre“, wie sie es nennt. Nach Problemen mit einem anderen Telefonanbieter hatte sich die Rentnerin aus Neuwarmbüchen zum Jahreswechsel an den Großburgwedeler Shop gewandt. Y. habe ihr den Wechsel zu Vodafone nahegelegt. Sie habe zugestimmt, da ihr versprochen worden sei, dass der alte Vertrag fristgerecht gekündigt würde. Binnen einer Woche werde ihr der neue Anschluss mit ihrer alten Rufnummer zur Verfügung stehen. „Als das nicht der Fall war und ich also nicht ins Internet konnte, hat er mir bei einem erneuten Besuch einen Stick gereicht, um ins Internet zu kommen. Ich dachte, das sei eine nette Geste“, schilderte Steinforth in einem Brief an die Zentrale. „Aber nein, es war mit einem Vertrag verbunden, was Herr Y. nie erwähnt hat.“ Bei ihrem mittlerweile zehnten Besuch im Laden „tat er so, als hätte er mich noch nie gesehen“.

Eine 29-jährige Fuhrbergin, die namentlich nicht genannt werden möchte, hat jetzt Strafanzeige erstattet. Im November 2014 hatte sie nach eigenen Angaben in dem Geschäft im Mitteldorf ihren Mobilvertrag verlängert. Als Prämie sei ihr dabei ein Samsung-Tablet versprochen worden, berichtet sie. Tatsächlich war nach ihrer Aussage mit der Prämie aber ein weiterer Vertrag verbunden, von dem nicht die Rede gewesen sei. Immer wieder sei sie beschwichtigt worden – hier eine Gutschrift über 50 Euro, da ein Anruf oder eine E-Mail, einmal gab es sogar einen Flachbildfernseher. Die Rechnungen trudelten derweil weiter ein. In einem anderen Vodafone-Laden bekam sie den Tipp, zur Polizei zu gehen, da hatte die 29-Jährige mittlerweile schon rund 800 Euro zu viel gezahlt. Am 23. September habe sie Y. persönlich mit dem Vorwurf konfrontiert, nie einen Vertrag für das Tablet unterschrieben zu haben. Die Antwort „Die habe ich gefälscht“ habe sie schlicht umgehauen, berichtet sie. Am gleichen Tag erstattete sie Anzeige und postete per Facebook eine Warnung in einer der Burgwedeler Gruppen. Diese löschte sie wieder, nachdem Y. rechtliche Schritte angedroht hatte. Mittlerweile liegt die Anzeige vor – wegen übler Nachrede.

Y. hat auf mehrfache Nachfrage zu den Vorwürfen keine Stellung genommen. Nach Aussage der Staatsanwaltschaft Hannover sind dort gegen Y. zurzeit 60 Fälle wegen mutmaßlichen Betruges anhängig. Die lange Dauer der Ermittlungen erklärt Sprecherin Kathrin Söfker damit, dass sich seit 2014 immer wieder Anzeigen­erstatter gemeldet hätten. Ob und wann Anklage erhoben wird, darüber könne sie noch keine Aussage machen. Nach Informationen dieser Zeitung beschäftigen acht bis zehn weitere Verdachtsfälle wegen Betruges noch die Ermittler der Polizei in Großburgwedel.

Vodafone-Sprecher: An gerichtlicher Klärung interessiert

Über die Zeitungsanfrage aus Großburgwedel wirkt Vodafone-Pressesprecher Volker Petendorf nicht wirklich überrascht. „Die polizeilichen Ermittlungen haben wir mit angestoßen“, berichtet er. In zwei Fällen habe sein Unternehmen selbst Anzeige erstattet – im Raum stünden dabei Vorwürfe wie ungerechtfertigte Provisionen, beiseite geschaffte Hardware, Buchungstricks. „Mit der Polizei in Großburgwedel stehen wir in engem Austausch.“

Vodafone hat laut Petendorf schon seit 2014 „Stress“ mit Y. In circa 60 Fällen seien Ungereimtheiten festgestellt worden, bestätigt er. Beschwerden habe es unter anderem wegen in Rechnung gestellter Zusatzfunktionen gegeben, für die Kunden keine Unterschrift geleistet haben wollen. „Was uns bekannt wurde, haben wir glattgezogen und den Kunden geraten, Anzeige zu erstatten“, sagt der Vodafone-Sprecher. Sein Unternehmen würde, um weiteren Rufschaden abzuwenden, den Partner in Großburgwedel lieber heute als morgen durch einen anderen ersetzen. Doch der Vertragshändler im Mitteldorf bestreite alle Vorwürfe und behaupte, die Beschwerden und Anzeigen beruhten auf Missverständnissen oder Fehlern entlassener Mitarbeiter.

Vodafone sei an der gerichtlichen Aufklärung der Vorwürfe in Großburgwedel in höchstem Maße interessiert, sagt Petendorf. Stichproben würden in allen der bundesweit circa 1300 Partner-Agenturen gemacht – für Großburgwedel gelte aber: Alle dort getätigten Abschlüsse „schauen wir uns mittlerweile genau an“.

mal

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