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Postbank-Filiale immer wieder dicht

Burgwedel Postbank-Filiale immer wieder dicht

Großburgwedels Post bleibt am Donnerstag wegen einer Betriebsversammlung geschlossen. Vor verschlossenen Türen stehen Kunden dort aber auch sonst immer wieder. Das sei Folge einer zu dünnen Personaldecke, sagt die Gewerkschaft Verdi.

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Am Donnerstag dicht: Die Mitarbeiter des Postbank Finanzcenters haben Belegschaftsversammlung.

Quelle: Martin Lauber

Großburgwedel. "Jede Woche mindestens ein paar Stunden" sei die Filiale dicht, beobachtet Klaus Krüger. Der Rentner hat auf der Von-Alten-Straße seinen Stammplatz genau gegenüber. "Die Leute kommen dann 'rüber zu mir und beschweren sich", berichtet er.

Wer in Großburgwedel nach der Post fragt, bekommt regelmäßig Klagen zu hören. Das Personal wirke "ausgelaugt", so ein Ortspolitiker. Aus Überforderung seien die Leute bisweilen unfreundlich. Ein Musiklehrer fühlte sich "aggressiv abgefertigt", als er sich nach dem Grund für die Schließung am Vortag erkundigte. Rentner Horst Hartmann bekam "im Ton richtig unangenehm" diesen Kommentar aus dem Hintergrund zu hören: Es gebe in Hamburg eine Filiale, die sei schon seit Wochen geschlossen. "Wir haben schon ein paar Mal vor verschlossenen Türen gestanden", berichtet auch Großburgwedels früherer Ortsbürgermeister Otto Bahlo. Immer wieder sehe man Leute mit Paketen, die verärgert vor der geschlossenen Postbankfiliale abdrehen müssten. Eine Stammkundin der nahen Eisdiele überspitzt: "Die haben doch mehr zu als auf!"

Kein Wunder, dass eine vermeintliche Schließung schon länger durch die Großburgwedeler Gerüchteküche schwappt. Mit dieser Frage werde sie immer wieder konfrontiert, bestätigt die Vermieterin, sie wisse aber selbst nichts. "Wir planen aktuell keine Änderung des Standortes Großburgwedel", stellt Ralf Palm klar, Sprecher der Postbank in Bonn, einer 100-prozentigen Tochter der Deutschen Bank.

"Postbank-Finanzcenter", das ist die korrekte Bezeichnung für das, was auch in Großburgwedel immer noch Post genannt wird, weil die Postbank-Filialen außer Bankdienstleistungen auch den Service rund ums Brief- und Paketgeschäft der Deutschen Post bieten.

Am Donnerstag jedoch wird weder das eine noch das andere geboten: Weil der Betriebsrat in Teilen von Niedersachsen und Schleswig-Holstein Betriebsversammlungen durchführt, bleiben viele Filialen geschlossen – so auch in Großburgwedel.

Man bedauere diese Serviceeinschränkung und bitte um Verständnis, heißt es in einer Postbank-Mitteilung. Den Beschäftigten die Teilnahme an Betriebsversammlungen in der Arbeitszeit zu ermöglichen, sei eine gesetzliche Verpflichtung.

Markus Westermann, bei der Gewerkschaft Verdi für die Postbank-Mitarbeiter zuständig, weiß, worum es in den Betriebsversammlungen gehen wird: "um den Schutz der verbliebenen Mitarbeiter". Denn: "Burgwedel ist überall. Es gibt kaum noch Personal in dem Bereich." Zusätzlich zur Arbeitsbelastung würden Anstellungen generell befristet, sogar von Zwei- bis Drei-Wochen-Verträgen berichtet Westermann. Die Postbank akzeptiere einfach nicht, "dass sie flächendeckend mehr Personal einsetzen muss".

Postbank-Sprecher Palm spricht denn auch von "krankheitsbedingten Ausfällen", die in Burgwedel im April zu mehreren Schließungen geführt hätten. "Wir versuchen dann, Personal aus anderen Filialen zu holen. Aber das gelingt nicht immer." Weil viele Teilzeitkräfte (mit früherem Feierabend) beschäftigt seien, hätten die Schließungen teils nur anderthalb Stunden gedauert, so Palm.

Die Burgwedeler Angestellten des Postbank-Konzerns plagen wie ihre rund 15 000 Kollegen bundesweit noch ganz andere Sorgen als vorübergehende Schließungen, wenn die Mindestbesetzung ihrer Filiale - in Banken ist das Vier-Augen-Prinzip Pflicht - mal wieder unterschritten wird. Weil die Konzernmutter Deutsche Bank sich von ihrer Tochter trennen oder sie an die Börse bringen will, bangen sie um die Zukunft ihrer Arbeitsplätze.

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