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Schlafampel wird in Großburgwedel getestet

Burgwedel Schlafampel wird in Großburgwedel getestet

Es ist nur ein Test: Von Mitte Mai bis Mitte Juni wird an der Hannoverschen Straße in Großburgwedel die regionsweit erste sogenannte Schlafampel im Rahmen einer Masterarbeit getestet. Sie soll Fußgängern und Radlern lästiges Warten ersparen, aber es gibt auch Skeptiker.

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Während des Testlaufs wird ein Hinweisschild an die Ampelmasten montiert. Das Bild stammt aus Konstanz, wo rund ein Dutzend Schlafampeln in Betrieb sind.

Quelle: Archiv

Großburgwedel.  Nichts leuchtet – diese Ampel muss per Tastendruck erst geweckt werden. Dann zeigt sie Autofahrern Gelb, dann Rot – wenig später bekommen Fußgänger ihr Grün und können die Straße sicher überqueren. Herrscht kein Verkehr, lässt der eilige Fußgänger oder Radler die „Schlafampel“ einfach weiterschlafen und kreuz die Straße, ohne dass dies einen Verkehrsverstoß darstellt.

Eine solche „Schlafampel“-Schaltung, die Fußgängern und Radfahrern lästige Wartezeiten ersparen soll, gibt es in der Region Hannover noch nicht. In Großburgwedel wird sie von Mitte Mai bis Mitte Juni an der Kreuzung Hannoversche/Mühlen-/Pestalozzistraße getestet.

Student beobachtet „Rotläufer“

Bereits vielfach in der Region und auch in Burgwedel installiert sind sogenannte "Dunkelampeln“, die für Autofahrer ausgeschaltet zu sein scheinen, für Fußgänger aber Rot zeigen. Diese müssen sich ihr Grün per Tastendruck holen. Im Unterschied dazu ist die "Schlafampel“ komplett abgeschaltet, solange sie nicht per Druck aktiviert wird – nicht mal das rote Ampelmännchen zeigt sich. Fußgängern und Radlern lässt das die Entscheidungsfreiheit, entweder die Straße auch ohne Lichtsignal ganz legal zu überqueren, wenn der Verkehr dies erlaubt. Oder – wie bei üblichen Bedarfsampeln – den Autoverkehr per Tastendruck mit einem Rot-Signal anzuhalten.

Für den Testlauf ausersehen wurde die Ampel an der Hannoverschen Straße im Rahmen einer Abschlussarbeit an der Hildesheimer Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK). Student Felix von der Lieth verspricht sich von seiner Masterarbeit deutliche Verbesserungen für den Fußgängerverkehr. „Wir hoffen, dass die Unzufriedenheit der Fußgänger beim Warten auf Grün durch diese Schaltung zurückgeht“, berichtet der 26-Jährige. In den vergangenen Tagen hat er vor Ort mehrfach beobachtet, wie Schüler trotz roten Ampelmännchens über die Hannoversche Straße huschen. Von der Lieth glaubt, viele der jetzigen „Rotläufer“ mit der „Schlafampel“-Schaltung „in die Legalität zu holen“.

Aber auch Autofahrern könne der Frust erspart werden, vor einer roten Ampel anhalten zu müssen, obwohl längst kein Fußgänger mehr in Sicht ist. Schon vor der Testphase, die kommende Woche beginnt, beobachtet der Student die Situation vor Ort, während des Tests plant er weitere Erhebungen und Befragungen. Schulen und Kindergärten in Großburgwedel hat der Student mit kindgerechten Merkblättern darüber informiert, „dass es von Mitte Mai bis Mitte Juni an der Fußgängerampel vor der Tankstelle an der Mühlenstraße etwas anders zugehen“ werde.

Keine Umbaumaßnahmen nötig

Den Test-Standort hat von der Lieth gemeinsam mit der Verkehrsbehörde der Region ausgewählt, weil dort einerseits Schulen und Supermärkte in der Nähe liegen und daher viele Menschen zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind, andererseits aber auf der Hannoverschen Straße die Verkehrsfrequenz im Tagesverlauf stark schwankt. U

mbaumaßnahmen sind nicht erforderlich, die Anlage muss für den Test nur umprogrammiert werden. Um Fußgänger zu informieren, dass die Ampel nicht defekt ist, wird an den Ampelmasten der Hinweis „Bei Bedarf drücken“ angebracht.

Falsche Vorbildwirkung für die Kleinsten?

Schulzentrum, Pestalozzi-Kita und -Förderschule liegen in unmittelbarer Nähe – die Test
ampel an der Hannoverschen Straße liegt an einem Haupt-Schulweg. Das wird einerseits für aussagekräftige Test-
ergebnisse sorgen. Aber das wirft auch die Frage auf, ob der differenzierte Umgang mit einer „Schlafampel“ nicht zwangsläufig eine falsche Vorbildwirkung auf die kleinsten Verkehrsteilnehmer haben könnte.

Carsten Bertram, Verkehrssachbearbeiter bei der Polizeiinspektion Burgdorf, mag nicht ausschließen, dass die Kleinsten es sich von den Großen „abgucken“, wenn diese bei freier Fahrbahn die Hannoversche Straße ohne Fußgänger-Grün überqueren. Kindern müsse deshalb unbedingt vermittelt werden, dass sie an der Ampel „auf jeden Fall immer drücken“ müssen.

Der Kontaktbeamtin des Kommissariats Großburgwedel würde ein potenzieller Dauerbetrieb einer „Schlafampel“-Schaltung an dieser Stelle Bauchschmerzen bereiten: Antje Schneider vermittelt in Kitas und Grundschulen das kleine Einmaleins der Verkehrssicherheit. Ampelmasten versieht sie stets mit dem Aufkleber: „Kindern ein Vorbild: Nur bei Grün!“ Die wirklichen Gefahren einzuschätzen, sagt sie, würde die Kinder überfordern.

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Fotostrecke Burgwedel: Schlafampel wird in Großburgwedel getestet

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