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Ein zweites Leben für das Lieblingsstück

Großburgwedel Ein zweites Leben für das Lieblingsstück

Reparieren statt wegwerfen heißt es seit mittlerweile einem halben Jahr beim Repair-Café Burgwedel. Die ehrenamtlichen Helfer können sich nicht über Langeweile beschweren: Zu den allmonatlichen Terminen in der Seniorenbegegnungsstätte kommen jedes Mal zahlreiche Leute mit defekten Alltagsgegenständen.

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Günter Schroeder versucht, die Nähmaschine von Christa Karre wieder zum Laufen zu bringen.

Quelle: Elena Everding

Großburgwedel. Konzentriert haben sich Günter Schroeder und Helmut Rehr über den Tablet-Computer gebeugt, den sie zuvor geöffnet haben. „Der An- und Aus-Schalter greift nicht“, erzählt die Besitzerin Mandy Dietterle. Die Garantie ist abgelaufen, doch wegwerfen möchte sie das Tablet eigentlich nicht. Inzwischen haben die beiden Helfer festgestellt, dass ein Kontakt kaputt ist. „Wenn Sie nichts erreichen, ist das auch in Ordnung“, meint Dietterle. Doch fünf Minuten später die erfreuliche Nachricht: Der Schalter funktioniert wieder; warum, weiß allerdings keiner so genau.

Von solchen Erfolgserlebnissen gab es in dem halben Jahr, seit das Repair-Café eröffnete, so einige. „Wir haben hier etwa 130 Reparaturen gemacht, davon sind 85 gelungen“, sagt Klaus Schubert, der das Café gemeinsam mit Schroeder ins Leben gerufen hat. Einmal im Monat, immer sonnabends von 14 bis 17 Uhr, versuchen Helfer, defekte Geräte wieder zum Laufen zu bringen – nur gegen eine Spende und die Kosten für Ersatzteile. Heute sei es vergleichsweise leer, meint er, obwohl an jedem Tisch geschraubt wird. „Oft müssen Leute auch anstehen“, erzählt Schubert.

Schroeder kümmert sich mittlerweile um die Nähmaschine von Christa Karre. Bei dem 30 Jahre alten Gerät verwickelt sich immer der Faden, was das Nähen unmöglich macht. „Die Maschine ist falsch eingestellt, das haben wir gleich“, meint Schröder. Wenn sie wieder funktionstüchtig ist, will Karre die Nähmaschine ihrer Enkelin geben.

Die ehrenamtlichen Helfer haben alle unterschiedliche Spezialgebiete: Der eine kennt sich mit Elektronik aus, der andere mit Mechanik und wieder ein anderer mit PCs. Manche haben einen technischen Beruf erlernt, doch auch Bastler sind dabei. Von Radios bis zu Fahrrädern reparieren sie fast alles. „Am häufigsten kommen die Leute mit Haushaltsgeräten“, sagt Schubert. Mixer, Toaster oder Kaffeemaschinen ließen sich oft gut reparieren. „Manchmal sitzt einfach nur Dreck drin“, meint Schubert.

Kein Grund also, die Geräte sofort zu entsorgen, wie es meist üblich ist. „Mit unserer Arbeit machen wir niemandem Konkurrenz“, betont Schubert. Das Repair-Café will ein Zeichen für Nachhaltigkeit und gegen die Wegwerf-Gesellschaft setzten, wie mittlerweile viele andere Reparatur-Initiativen in ganz Deutschland.

Wegwerfen, das kommt für Lothar Heinrich nicht infrage. Zumindest nicht bei seinem Koffer-Plattenspieler aus den Sechzigerjahren. „Damit sind wir früher immer zum Baden gegangen und haben Rock’n’Roll gehört“, erinnert sich der Burgwedeler. Doch nun ist die alte 90-Volt-Batterie leer, die es heute nicht mehr zu kaufen gibt. Also will Helfer Siegfried Grüneberg eine neue, andere Batterie bestellen. „Das ist schon interessant, solche alten Geräte zu reparieren“, findet er.

„Es sind oft die Lieblingsstücke, mit denen die Leute kommen“, sagt Schubert. Wie für Lothar Heinrich Erinnerungen an seinem Plattenspieler hängen, verbinden auch andere ganz eigene Geschichte mit manchen Geräten. Und die wirft man ja nicht so einfach weg, wenn sie im Repair-Cafe noch einmal ein zweites Leben eingehaucht bekommen.

Die nächsten Male öffnet das Repair-Café am Sonnabend, 21. Oktober, 18. November und 16. Dezember, in der Seniorenbegegnungsstätte, Gartenstraße 10.

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Fotostrecke Burgwedel: Ein zweites Leben für das Lieblingsstück

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Von Elena Everding

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