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Richter schickt zwei Angeklagte ins Gefängnis

Burgwedel Richter schickt zwei Angeklagte ins Gefängnis

Irgendwann reißt auch der Justiz der Geduldsfaden. Diese Erfahrung mussten jetzt zwei Angeklagte vor dem Amtsgericht Burgwedel machen - der eine nach einer Trunkenheitsfahrt in Mellendorf, der andere nach einem Ladendiebstahl in Großburgwedel.

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Zwei Angeklagte sind vorm Amtsgericht zu Haftstrafen verurteilt worden.

Quelle: Martin Lauber

Burgwedel. Die Polizistin, die den 35-Jährigen an jenem Juli-Abend 2015 in Mellendorf kontrolliert hatte, beschrieb ihn im Zeugenstand als höflich und keineswegs aggressiv: „Er war orientiert und konnte sich klar äußern.“ Das war ziemlich beachtlich für den Blutalkoholwert von 3,08 Promille, mit dem der Mann auf seinem 50er-Roller unterwegs war. So ein Wert sei „eine richtige Hausnummer“, waren sich Richter und Staatsanwalt einig. „Das spricht ganz klar für eine Alkoholgewöhnung“, fügte Amtsrichter Michael Siebrecht hinzu, was der Angeklagte auch gar nicht abstritt. Die Entzugserscheinungen wegen seiner Kokainsucht habe sein Mandant damals mit Alkohol und verschiedenen Arzneimitteln zu lindern versucht, erklärte der Strafverteidiger. Mit dieser Kombination habe ihn die Polizei vom Roller geholt.

Vergeblich beantragte der Rechtsanwalt, die Blutprobe wegen möglicherweise unkalkulierbarer Wechselwirkungen untersuchen zu lassen - einen Freispruch wegen Schuldunfähigkeit vor Augen. Dem erteilte Siebrecht allerdings eine Absage: Er verurteilte den 35-Jährigen zwar nicht wegen der angeklagten Trunkenheitsfahrt sowie Fahrens ohne Fahrerlaubnis, sondern wegen vorsätzlichen Vollrauschs zu einer Haftstrafe von sechs Monaten - und zwar ohne Bewährung. 17 Voreintragungen wies das Strafregister des 35-Jährigen schon auf, der zudem gleich vierfach unter Bewährung steht. Da könne man trotz einer aktuellen Drogentherapie keine gute Prognose mehr stellen. „Sie sind quasi unbelehrbar“, begründete der Amtsrichter sein Urteil, das er mit einer zweijährigen Führerscheinsperre verknüpfte.

Auf sogar 21 Verurteilungen in 15 Jahren hat es ein Burgwedeler gebracht, den der Richter wegen Diebstahls und Körperverletzung zu sechs Monaten ohne Bewährung verurteilte. Weil ihm dadurch der Widerruf der Bewährung einer vorhergehenden Haftstrafe droht, könnte der Mann sich bald sogar zweieinhalb Jahre hinter Gittern wiederfinden. Riskiert hatte der Mann dies für eine Beute von gerade einmal 40 Euro: Im Rewe-Markt in Großburgwedel hatte er im November 2014 drei Flaschen Alkohol gestohlen und, nachdem er entdeckt worden war, den Ladendetektiv weggeschubst.

Der Versuch, sich selbst eine günstige Sozialprognose zu bescheinigen, ging gründlich schief. Nachweise über eine vermeintlich absolvierte Entgiftung oder Drogentherapie konnte der Angeklagte nicht vorlegen. Die angeblich noch aktuelle Arbeitsstelle in einem Restaurant hat er schon wieder verloren, wie sich im Gerichtssaal herausstellte - Amtsrichter Siebrecht hatte kurzerhand zum Telefonhörer gegriffen und im Restaurant angerufen. „Irgendwann öffnet sich das Tor der Justizvollzugsanstalt. Für Sie ist es jetzt so weit“, schloss er seine Urteilsbegründung.

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