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Es kommt nur auf den Lerntyp an

Burgwedel Es kommt nur auf den Lerntyp an

Die eigenen Kinder beim Lernen zu unterstützen, das fällt Eltern nicht immer leicht. Was sie besser machen können und welches Hintergrundwissen dabei hilft, das haben rund 100 Eltern am Donnerstagabend bei einem Vortrag im Schulzentrum Großburgwedel erfahren. Zu Gast war Lerncoach Meike Gottschalk vom Lernverein Berlin (LvB).

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Meike Gottschalk lässt auch die Eltern bei Praxisbeispielen lernen: So müssen sie in zwei Minuten 20 Begriffe auswendig lernen.

Quelle: Carina Bahl

Burgwedel. „Es gibt kein Richtig und Falsch beim Lernen“, leitete sie ein. „Theoretisch kann jeder alles lernen, es ist nur eine Typfrage.“ Zwei Stunden lang nahm Gottschalk die Eltern mit auf eine Reise durch die Lernmethodik. Das Grundprinzip: Das Gehirn ist eine Lagerhalle mit Informationen. Lernen heißt einlagern. „Aber sie müssen die Sachen auch wiederfinden können.“ Die linke Gehirnhälfte habe sich Logik, Fakten und Struktur verschrieben, die rechte stehe wiederum für Kreativität und Emotionen. „Am besten lernen wir, wenn wir beide Seiten verknüpfen“, so Gottschalk.

Eltern müssen ein Verständnis dafür gewinnen, welcher Lerntyp ihr Kind ist. Emotionale Lerntypen brauchen und suchen zum Beispiel keine Logik – sie lernen am besten im Gespräch, wenn sie sich wohlfühlen. Rollenspiele und basteln sind eine ideale Unterstützung dabei. Allerdings: Sie neigen zu Selbstvorwürfen, wollen es allen recht machen. „Jede Motivation beginnt mit einem Erfolgserlebnis“, erklärte Gottschalk. Eltern sollten alles positiv formulieren. „Du brauchst keine Angst vor der Mathearbeit zu haben“, rufe erst recht Angst hervor. „Du hast die meisten Übungen richtig gemacht. Da kannst du ruhig schlafen“, sei viel hilfreicher.

Der kreativ-chaotische Lerntyp wiederum zeichnet sich durch viel Fantasie und gute mündliche Beteiligung aus – die Schulhefte sind aber meist unordentlich, generell herrscht Chaos beim Lernen. Die ideale Unterstützung sind Abwechslung und ein spielerisches Lernen daheim, das Spaß macht.

Der sicherheitsliebende Lerntyp ist ruhig, ordentlich, gewissenhaft und fleißig. Auswendiglernen? Kein Problem! Bunte Markierungen und ausschweifende Aufsätze? Die gibt es kaum. Wichtig ist in diesem Fall, den Kindern Zeit zu lassen. Sie brauchen ihre eigenen Strukturen.

Der für Eltern wohl einfachste Fall ist der logisch-abstrakte Lerntyp: Fakten und Daten machen den wissbegierigen Schnelllerner glücklich. Meist sind diese Schüler Einzellerner, etwas dominant und sehen in der Konkurrenz zu Mitschülern ihre Motivation.

„Kein Lerntyp ist klüger als der andere“, beruhigte Gottschalk schließlich. Meist lägen die Probleme nur darin, dass die Kinder nicht typgerecht beim Lernen gefördert würden. „Oder wenn Eltern ganz andere Lerntypen sind und damit nicht umgehen können.“

Fünf Tipps für den Lernerfolg

20 Minuten Pause: Nach dem Lernen sollten Kinder 20 Minuten lang nicht fernsehen, Computer oder Playstation spielen. Lernen ist ein biochemischer Prozess – die vielen Sinneseindrücke würden die zuvor gelernten Sachen durcheinander bringen. Essen, Sport, Lesen zur Entspannung oder anderes, was Spaß macht, ist erlaubt.

Päckchen packen: Ordnung und Struktur erleichtern das Lernen ungemein. Alle Flüsse in Deutschland zu lernen, das scheint schwierig. Wer sie aber bunt aufgemalt in einzelne Flusssysteme unterteilt, hat es einfacher. Wer sich 20 Begriffe merken soll, tut sich schwer. Wer diese aber vorher in kleine Pakete zu Oberkategorien sortiert oder sich eine Geschichte dazu ausdenkt, hat keine Probleme. Auch die ungeliebten unregelmäßigen Englisch-Verben lassen sich kreativ sortieren – vom Hühner-Verb „put put put“ bis zum Katzen-Verb mit den Endungen „i-a-u“.

Wiederholung: Um Gelerntes nicht nur ins Kurz-, sondern ins Langzeitgedächtnis zu bekommen, ist Wiederholung das A und O. Fünf bis zehn Minuten täglich mit den Kindern Basiswissen – vielleicht als Quiz am Esstisch – spielerisch zu wiederholen, hilft. Ob das Einmaleins in der Grundschule, Grammatikregeln in Deutsch oder Hauptstädte in Erdkunde: Wer jeden Tag ein Fach ein wenig auffrischt, spart sich viel Lernzeit.

Emotionalität ist Trumpf: Wer Gelerntes emotional verknüpft, speichert es automatisch langfristig ab. Reime oder Lernsätze wie „He, she, it, das s muss mit“ oder „Wo Werra sich und Fulda küssen ...“ bleiben ein Leben lang in Erinnerung. Das beste Beispiel dafür, dass Emotionen beim Erinnern helfen: Niemand weiß wohl mehr, wo er am 4. April 2005 war – aber jeder erinnert sich daran, was er am 11. September 2001 gemacht hat.

Lernvideos: Nachhilfe funktioniert heute oft über das Internet. Das ist in Ordnung. Bei Plattformen wie „Sofatutor“, die sich bis zum Abitur eignen, oder „Scoyo“ für Grundschüler bekommen Kinder den Lehrstoff anhand einfacher Videos erklärt. Allerdings: Youtube-Videos eignen sich nicht – die Werbung zwischen den Einheiten lenkt die Kinder ab.

Von Carina Bahl

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