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"Scheiß Bulle": Beleidigung kostet 1050 Euro

Großburgwedel "Scheiß Bulle": Beleidigung kostet 1050 Euro

Ein 62-jähriger Rentner hatte sich im vergangenen Jahr vor Gericht im Ton vergriffen: Angeblich habe er "Scheiß Bulle" und "Arschloch" zu einem Polizisten im Zeugenstand gesagt. Nun musste er sich dafür verantworten.

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Amtsgericht Burgwedel.

Quelle: Zimmer

Großburgwedel. Andere verfallen vor Gericht bisweilen in Ehrfurcht. Auf einen 62-jährigen Rentner aus Burgwedel, der am Donnerstag nicht zum ersten Mal vor dem Kadi stand, trifft das nicht zu. Im Dezember vergangenen Jahres hatte der Handwerker im Ruhestand sich arg im Ton vergriffen, als er sich wegen eines Ordnungswidrigkeitenverfahrens vor dem Amtsgericht Burgwedel verantworten musste. "Scheiß Bulle" und "Arschloch" soll er einen Polizisten beschimpft haben, der dort als Zeuge aussagte.

Damals ging es darum, ob sein 17-jähriger Sohn bei einer Verkehrskontrolle den Gurt angelegt hatte oder nicht. Der Polizist hatte sich in der Verhandlung laut dem 62-Jährigen nur daran erinnern können, dass sein Sohn nicht angeschnallt war. Farbe und Modell des Autos habe der Beamte aber nicht gewusst. Für den Rentner war dieser Widerspruch Anlass genug zu einer Beleidigung. "Als ich an ihm vorbeiging, sagte ich 'scheiß Bulle'", räumte er am Donnerstag ein. "Aber Arschloch – das habe ich nie gesagt!"

Um den Prozess nicht unnötig zu verlängern und die Kosten zu erhöhen, weil dafür Zeugen hätten geladen werden müssen, ließ Amtsgerichtsdirektor Michael Siebrecht die zweite Beleidigung streichen. Für die eingestandene aber muss der Rentner zahlen: 30 Tagessätze à 35 Euro. "Das ist aber eine Menge", sagte der Verurteilte dann doch überrascht. "Kann man da nicht verhandeln?" Nein, das könne man nicht, musste Siebrecht erläutern. "Und im Gegensatz zu den 40 Tagessätzen, die Sie beide Worte zusammen gekostet hätten, ist das doch immerhin weniger." Die Einsicht des Angeklagten kannte Grenzen: "Es war doch nicht in der Öffentlichkeit", unternahm er einen zweiten Versuch zur Strafminderung. Siebrecht sah das anders: Öffentlicher als vor Gericht gehe es kaum. "Die Zunge kann einem schon mal entgleiten, wenn ich mich, in Anführungszeichen, verarscht fühle?": Über diesen letzten verbalen Fauxpas hörte das hohe Haus geflissentlich hinweg.

Von Katharina Derlin

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