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Schmalstieg spricht über Kurdistan, Flucht und Flüchtlinge

Großburgwedel Schmalstieg spricht über Kurdistan, Flucht und Flüchtlinge

Hannovers langjähriger Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg (73) spricht im Großburgwedeler IKM-Treff über Kurdistan, IS-Terror, Flucht und Flüchtlinge.

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Herbert Schmalstieg hat eine Ausgabe der HAZ aus dem vergangenen Sommer mit in den IKM-Treff gebracht.

Quelle: Martin Lauber

Burgwedel. Zu Zehntausenden fliehen die Menschen zurzeit vor dem Bomben aus der syrischen Millionenstadt Aleppo. „Mein Aleppo“, sagt der 73-jährige Schmalstieg. So heißt sein gerade in zweiter Auflage wieder erschienenes Buch - erstveröffentlicht anno 2011, als das Land sich noch in demokratischer Aufbruchstimmung befand. Die Tragödie des Bürgerkrieges in Syrien und die Verfolgung der jesidischen Kurden im Nordirak - sehr nahe geht dies alles Hannovers Ex-Oberbürgermeister, der seit Jahrzehnten ein Liebhaber Kurdistans und Anwalt der Autonomiebestrebung der Kurden ist, denen er aber keine echte Chance einräumt.

Mehr als 60 Zuhörer - darunter ein gutes Dutzend Asylbewerber - hingen im vollbesetzten IKM-Treff an Schmalstiegs Lippen: ein Mann mit Expertise. Der Kampf gegen die IS-Terroristen in Syrien werde sich ohne Bodentruppen nicht gewinnen lassen, glaubt der 73-Jährige, der sich „eigentlich“ als Pazifist sieht und trotzdem die deutschen Waffen für die kurdischen Peschmerga im Nordirak befürwortet: „Wir können doch nicht zusehen, wie wehrlose Frauen und Kinder abgeschlachtet werden.“ Und der sich von der Bundesregierung zum blutigen Kurdenkonflikt in der Türkei klarere Kante gegenüber Recep Erdogans „Präsidialdiktatur“ wünscht.

Die erste syrische Familie, die in Großburgwedel Zuflucht fand, kam Anfang 2013 aus dem damals bereits teilweise zerstörten Aleppo - heute wohnen allein aus diesem Land mehr als 200 Menschen in der Stadt. Zwar sei die Unterbringung von Kriegsflüchtlingen eine Aufgabe für die Weltgemeinschaft, sagt Schmalstieg, abstrus wäre es aber, die Verpflichtung infrage stellen zu wollen. Amateurhafte Züge trage deshalb die „leichtfertige Wahnsinnsdebatte über Obergrenzen“, wie sie auf Bundes- und Landesebene geführt werde. Wer glaube, so rechten Parteien und Gruppierungen das Wasser abzugraben, der irre sich. „Wenn wir so an die Unterbringung der Flüchtlinge herangingen, könnten wir als Kommune getrost einpacken“, spann Burgwedels Bürgermeister Axel Düker den Faden weiter.

Deutschlands erfahrenster Kommunalpoliliker verriet auch, wie er Kritik an Merkels Flüchtlingspolitik begegne - mit dieser Frage: „Was ist für Dich persönlich eigentlich schlechter geworden?“ Und bisweilen wundere er sich auch darüber: „Was sind das für Christenmenschen, die glauben, dass der Schutz von Familie und Ehe nur für Deutsche gilt.“

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