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Schülerin an Stuhl festgebunden

Großburgwedel Schülerin an Stuhl festgebunden

Was als Unterrichtsspiel gedacht war, geriet zum Eklat: Eine Grundschullehrerin hat in Großburgwedel ein Mädchen auf dem Stuhl festgebunden und weiteren Erstklässlern ein Pflaster auf den Mund geklebt. Nach einer Entschuldigung will die Mehrheit der Eltern, dass die Pädagogin Klassenlehrerin bleibt.

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Der Fall soll sich an der Grundschule in Großburgwedel ereignet haben.

Quelle: Symbolbild/bernhard_pixler/pixelio.de

Burgwedel. Die unglaublichen Szenen, die sich in der vergangenen Woche abgespielt haben sollen, sprachen sich an der Grundschule Großburgwedel herum wie ein Lauffeuer. Rektorin Juliane Parow reagierte mit Transparenz: Dass es sich bei dem „spaßig“ gemeinten Verhalten der Lehrerin um „eine gewaltsame Handlung und um unstreitig vorwerfbares Fehlverhalten“ handelte, räumte sie am Folgetag in einem Brief an alle Eltern ein und versprach Aufklärung. Aber wie konnte eine so erfahrene Pädagogin, die kurz vor der Pensionierung steht, sich derart vergaloppieren? Das fragen sich bis jetzt viele Mütter und Väter. Nach Darstellung der Landesschulbehörde in Lüneburg, deren schulfachlicher Dezernent am Donnerstagabend an einem Gespräch mit der Elternvertretung teilgenommen hat, könnte sich die Situation in etwa so abgespielt haben: Gefragt, wie in der Klasse „Arbeitsruhe“ hergestellt werden könnte, sollen die Erstklässler ihrer Klassenlehrerin Vorschläge gemacht haben, die diese dann in die Praxis umsetzte, indem sie eine Schülerin für einige Minuten auf ihrem Stuhl festband, anderen den Mund zupflasterte. Insgesamt, so ein Vater, sollen vier bis fünf Kinder betroffen gewesen sein.

Rektorin Parow sprach der Lehrerin das Vertrauen aus. In fast vier Jahrzehnten Lehrtätigkeit habe sich diese nie etwas zu Schulden kommen lassen, sagte sie auf Anfrage dieser Zeitung. Die Lehrerin habe ihren Fehler sofort eingesehen und sich bei Eltern und Kindern entschuldigt. Wie viele Eltern die Entschuldigung angenommen haben, ist nicht bekannt. Auf ausdrücklichen Wunsch einer „überragenden Elternmehrheit“ werde die Frau Klassenlehrerin der betreffenden ersten Klasse bleiben, erklärte Susanne Strätz, Sprecherin der Landesschulbehörde. „Sonst wäre das nicht gegangen.“ Über interne Konsequenzen gebe es keine Auskünfte, die Schulaufsicht werde die Angelegenheit bis zur endgültigen Klärung eng begleiten.

Die Schulaufsicht lobt die „erstaunenswerte Transparenz“, mit der die Schulleitung die Angelegenheit austrage. Im Spektrum der Reaktionen auf den Vorfall gibt es aber auch umgekehrte Stimmen, die den Brief an alle Eltern, in dem von einem „bestürzenden Vorfall“ die Rede ist, als überzogen kritisieren und die das Krisenmanagement lieber auf die Klasse beschränkt gesehen hätten. Aus Sicht eines betroffenen Vaters, der namentlich nicht genannt werden will, muss die Schule in den noch ausstehenden Einzelgesprächen erschüttertes Vertrauen wieder herstellen. „Was da in der Klasse vorgemacht worden ist, kann auch zu Hause oder auf dem Schulhof nachgespielt werden, wenn keine Aufsicht oder keine Eltern dabei sind“, sagt er. „Das muss bis aufs Letzte gerade gerückt werden“, sonst könne er nicht mehr das Gefühl haben, dass seine Kinder sich in der Schule in guten Händen befinden.

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