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300 pilgern täglich zum Lichtermeer

Burgwedel 300 pilgern täglich zum Lichtermeer

„Was zählt im Leben?“ – darum ging es zur Halbzeit der Frühgebete gestern in St. Petri. Bis Sonnabend öffnet die Kirche täglich um 6.15 Uhr ihre Türen zum stimmungsvollen Frühgottesdienst.

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Stimmungsvoller geht's nicht: Die St. Petri-Kirche wird während der Frühgebete nur von Kerzen illuminiert.

Quelle: Gabriele Gerner

Großburgwedel. Kerzen auf Wegen und in Kirchenfenstern, Klänge von Schlagzeug und E-Gitarre – auch im Dunkeln lässt sich der Weg gut finden. Als gestern rund 300 Besucher morgens um 6 Uhr ins Gotteshaus strömten, beherrschte ein Thema die Frühaufsteher: Die Präsidentschaftswahl in den USA. Ob jung oder alt, fast alle suchten auf ihrem Handy die aktuellen Wahlprognosen und tauschten sich darüber aus. So bekam auch das erste Lied „Es gibt noch Hoffnung“ mit Blick auf den Rückstand Hillary Clintons seine besondere Bedeutung.

Den Rest der Zeit waren alle dann aber ganz auf den Gottesdienst konzentriert, genossen das Lichtermeer der Kerzen, die Klänge der Kirchenband „Sound Factory“ und dem von Jugendlichen gestalteten Gottesdienst. Wie ein roter Faden zog sich die Geschichte von vier jungen Menschen durch den Gottesdienst, die sich darüber austauschen, was sie beruflich machen, was sie bislang erreicht haben und was sie stolz und glücklich macht. Es geht um Werte, Wünsche und Wirklichkeit.

Michael ist als Investment-Banker erfolgreich, Peter lebt bescheiden in einer Art Laube, Judith studiert Theologie, Nele sind Freunde und Familie besonders wichtig. Der Investment-Banker fragt die Theologie-Studentin: „Bezahlt Gott dir auch deine Stromrechnung?“ Die vier Jugendlichen der Evangelischen Jugend, die durch den Frühgottesdienst führten, hatten wochenlang zahlreiche Freunde und Verwandte gefragt, was für sie im Leben zählt. Sie kamen zu dem Schluss, dass es zum Glück wohl von Allem ein bisschen geben muss: Glauben, Geld, Liebe und Freundschaft, Erfolg, soziale Kontakte, Sicherheit, Gesundheit, Frieden. Ihr Fazit: „Gott bezahlt uns nicht die Stromrechnung und sagt uns nicht die richtige Lösung, wenn wir in einer Klassenarbeit Aufgaben lösen. Gott schenkt uns andere Dinge: Familie, Freunde, Vertrauen.“

Glücklich waren die Besucher, die dank Taschenlampen-App im Smartphone im Dunkeln die Liedertexte lesen konnten, viele sangen lauthals mit. Die Band steckte einfach an. Der Gedanke der Zuversicht blieb Thema: Mit dem Gedicht „Sozusagen grundlos vergnügt“ der jüdischen Dichterin Mascha Kaléko wurde auch an die auf den Tag genau 78 Jahre zurückliegende Reichsprogromnacht erinnert und der Bogen zu Hoffnung und Zuversicht gespannt. Dass jeder am Ende ein Mitgebsel erhielt – ein Holzherz in einer Streichholzschachtel mit der Aufschrift „Achtung Schatz“ – rundete den zauberhaften Gottesdienst ab.

Beim anschließenden Frühstück im Gemeindehaus lobten die Gemeindemitglieder die Frühgebete als einzigartiges Highlight im Kirchenjahr. „Ich freue mich immer ganz besonders auf den November, weil ich die Frühgebete so großartig finde“, sagte eine Besucherin – danach gingen die Gespräche zurück zum Thema des Tages – die Wahlen in den USA.

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Fotostrecke Burgwedel: 300 pilgern täglich zum Lichtermeer

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Von Gabriele Gerner

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