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Serie: Der Stammsitz der Steinekes

Großburgwedel Serie: Der Stammsitz der Steinekes

Burgwedels alte Häuser können Geschichte(n) erzählen. In einer Serie stellen wir eine Auswahl der steinernen Zeitzeugen vor. Heute: Die Schlachterei Fortmüller.

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Das Gebäude Am Markt hat Tradition – bereits 1907 wurde die Schlachterei der Familiendynastie Steineke/Fortmüller errichtet.

Quelle: privat

Burgwedel. Als Ludwig Friedrich August Steineke, der vierte in der Familiendynastie - alle trugen nach dem ersten, Johann Heinrich August (1740-1816), einen August als Vornamen -, 1860 seinen Meisterbrief in Empfang nehmen durfte, setzte er bereits eine lange Tradition fort. Die Dynastie Steineke/Fortmüller ist mit der Burgwedeler Sippe Schlue verbunden, die bereits 1470 in den Chroniken erwähnt ist und neben Bauern und Handwerkern auch Schlachter und Gastwirte in ihren Reihen hatte. Allerdings schlachtete August Steineke seinerzeit noch in dem Vorgängerhaus des heute stadtbekannten Eckhauses Am Markt 5 mit dem markanten Schriftzug der Fleischerei Fortmüller.

Der Gebäudekomplex zusammen mit der heutigen Gaststätte Am Markt und der Bäckerei ist seit 1907 das Stammhaus der Familie Steineke. Nach dem fünften August Steineke erlosch die männliche Linie. Die einzige Tochter heiratete den Bauern Louis Fortmüller.

1907 wurde der moderne Massivbau mit Ziegel- und Putzflächen sowie Zierfachwerk als Wohn- und Geschäftshaus errichtet. Das Denkmalamt betont, dass „die Formziegel der Fensterbrüstungen und des Floralfrieses über dem Erdgeschoss als besonders aufwendig gearbeitet hervorzuheben sind“. Gleichzeitig wurde auch ein Schlacht- und Kühlhaus nach neuesten Erkenntnissen errichtet. In der Genehmigungsurkunde vom 31. Januar 1908 wird deutlich, dass Vorschriften bereits damals einzuhalten waren: „Zwischen dem Schlachtraum und den Wohn- beziehungsweise Wirtschaftsräumen […] darf keine Verbindungstür sein (vorhandene sind zu vermauern). Die Eingangstür zum Schlachthaus soll mindestens 1,1 Meter breit und zwei Meter hoch sein.“ Auch die Hygienevorschriften hatten es in sich.

Heute sind derartige Vorgaben noch viel umfangreicher. Eine Betriebsprüfung hat Hans Fortmüller dazu bewogen, seine Schlachterei Ende des Jahres zu schließen. Schlacht- und Kühlhaus hätten sonst einer grundlegenden Renovierung bedurft - eine satte Investition, die sich für Fortmüller angesichts der Konkurrenz der Supermärkte nicht rechnen würde. Hans Fortmüllers Vater Rolf hatte das Geschäft seines Großvaters August Steineke vor 55 Jahren nach einer Generation Pause wieder eröffnet. Sein Sohn Hans übernahm es 2002. Bald bekommt das historische Bauwerk am Alten Markt nach mehr als 100 Jahren wohl eine neue Bestimmung.

Auch die Gaststätte geht auf Steinekes zurück

Nicht nur die Schlachterei, sondern auch die Gastwirtschaft am Alten Markt hat eine lange Tradition: Die ersten Pächter in Steinekes Gasthaus waren Wilhelmine und August Müller – die Großeltern des jetzigen Pächters. Drei weitere Betreiber folgten, bis 1968 Friedel und Erika Veth die Lokalität übernahmen. Die kamen eigentlich aus der Landwirtschaft und hatten ihren Hof an der Straße In der Meineworth 21. Da der Hof aber zu wenig Ertrag abwarf, griff Veth sofort zu, als er das Angebot für die Gaststätte bekam. Bevor 1985 die Wirtsleute Oswald und Ingried Montag Einzug hielten, wurde der Bau komplett entkernt, saniert und neu aufgeteilt. Auch der Name wurde geändert. Steinekes Gasthaus verschwand aus dem Dorfbild, Gasthaus Am Markt prangte fortan über dem Eingang. 1992 übernahmen Gunter und Erika Tiedemann den Zapfhahn, den sie 2008 Dieter Henke und Christa Walke überließen. Erika Tiedemann erinnert sich noch an den FDP-Politiker Otto Graf Lambsdorff, der einst im Gasthaus für seine Partei warb: „Das war ein Aufsehen, überall Polizei und der schmale Graf mittendrin.“

Von Jürgen Zimmer

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