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Hartz-IV: Zum Start 2005 ist vieles zu pauschal

Burgwedel Hartz-IV: Zum Start 2005 ist vieles zu pauschal

Zu Beginn einer dreiteiligen Serie „Hartz IV & Co.“ wirft die Nordhannoversche einen Blick zurück auf die Anfänge des Jobcenters vor Ort: ährend der Monate vor und nach der Jahreswende 2004/2005 galt sowohl bei der Arbeitsagentur in Großburgwedel als auch in den Sozialämtern der drei Nordkommunen eine Urlaubssperre.

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Quelle: Symbolbild

Burgwedel. Nicht mehr ganz pünktlich zum Inkrafttreten des Arbeitslosengeldes II zum 1. Januar war das große Sortieren immer noch in vollem Gange. Die Fragestellung lautete: Welcher unserer Kunden ist fähig, drei Stunden am Tag zu arbeiten, und wer gehört zur Bedarfsgemeinschaft eines solchen Erwerbsfähigen? Für diese Personen gab es jetzt statt Sozialhilfe ALG II, sprich Hartz IV. Zuständig: das neue Jobcenter.

Das Jobcenter in Großburgwedel nahm am Rathausplatz die Arbeit auf. Einige der Mitarbeiter im damals 25-köpfigen Team rekrutierten sich aus den Rathäusern von Burgwedel, Isernhagen und der Wedemark. Denn deren Sozialämter waren durch die Reform auf einen Schlag 85 bis 90 Prozent ihrer Klientel losgeworden. Insgesamt „erbte“ das neue Jobcenter auf diese Weise 530 Kunden. Der Hauptkundenstamm bestand aber aus Langzeitarbeitslosen, deren bis dahin am letzten Einkommen orientierte Arbeitslosenhilfe nun ebenfalls von Hartz IV ersetzt wurde. Zum Start waren dies rund 1200 Männer und Frauen.

Der bis dahin oft beklagte „Verschiebebahnhof“ zwischen den Trägern von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe war nun zwar per Gesetz passé. In der Praxis aber wurden weder die komplizierten Hartz-IV-Antragsverfahren und noch weniger die pauschalen Regelsätze den Wechselfällen des Lebens der Hilfebedürftigen gerecht. In Burgwedel musste das Diakonische Werk zum Beispiel Alarm schlagen, dass Eltern von Schulkindern von Hartz IV allein die hohen Kosten für Schulbücher und Schulutensilien nicht bezahlen könnten. Weil bis dahin übliche Einzelfallhilfen wegfielen, konnte eine kaputte Waschmaschine ins finanzielle Dilemma führen.

„Das Jobcenter musste unsere Klienten erst mal kennenlernen um festzustellen, dass sich bedarfsorientierte Leistungen schnell ändern können“, erinnert sich Christiane Concilio, damals wie heute Burgwedels Sozialamtsleiterin. Hartz IV sei „mit einer zu großen Pauschalisierung“ gestartet. Erst durch die Rechtsprechung sei vieles wieder in Richtung individueller Bedarf korrigiert worden.

Grundsätzlich aber hielt Concilio schon vor zehn Jahren die Zielrichtung des Vierten Gesetzes für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt für richtig. „Dass man Arbeitslosigkeit ganzheitlicher sehen muss und Leistungsgewährung und Arbeitsplatzvermittlung aus einer Hand kommen“, sei überfällig gewesen. Zwar hatte Burgwedel selbst gerade angefangen, Arbeitsgelegenheiten zu schaffen und sogar eigene Arbeitsplatzanbahner zu beschäftigen, um die Vermittlungschancen ihrer Langzeit-Sozialamtskunden zu verbessern. „Aber wir waren nicht die Profis für Beruf und Arbeitsmarkt. Uns fehlte der direkte Zugang zu den Stellen. Und Möglichkeiten, wie sie dem Jobcenter heute zu Gebote stehen wie Fallmanager, Förderprogramme oder Coaching, hätten wir nie gehabt.“

Zehn Jahre später ist das Jobcenter am Rathausplatz für die Grundsicherung von rund 2900 arbeitslosen Erwerbsfähigen aus Burgwedel, Isernhagen und der Wedemark zuständig. Aus der Daseinsvorsorge für diese Bürger hätten sich die Kommunen nicht ausgeblendet, unterstreicht Concilio. „Wir versuchen, flankierend zu helfen.“ In Burgwedel reiche das von der Befreiung von Kita-Gebühren über verbilligte Konzert- und Freibadkarten bis zur Förderung von Schuldnerberatung und Tafel.

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