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Hartz IV: Gesucht werden Chancengeber

Burgwedel Hartz IV: Gesucht werden Chancengeber

Im zweiten Teil der kleinen Serie über "Zehn Jahre Hartz IV" beleuchten die Nordhannoversche Zeitung, welche besonderen Anreize das Jobcenter Arbeitgebern zu bieten hat, die bereit sind, Langzeitarbeitslosen eine Chance zu geben.

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Jennifer Liebegott (rechts) ist mit ihrer neuen Mitarbeiterin Christine Dorn höchst zufrieden.

Quelle: Lauber

Burgwedel. Bei der aktuellen Arbeitslosenquote von nur 4,2 Prozent sei der Arbeitsmarkt in Burgwedel, Isernhagen und Wedemark zurzeit so aufnahmefähig wie lange nicht mehr, sagt Björn Sund, Bereichsleiter für alle vier Jobcenter im Altkreis Burgdorf. Auch Bewerber, deren Profil nicht unbedingt „Eins A“ sei, hätten jetzt eine Chance.

Bewerber wie Christine Dorn: Als Hausfrau und Mutter hat die Kleinburgwedelerin eine 24-jährige Auszeit vom Arbeitsmarkt hinter sich. Die Rückkehr in den erlernten Friseurberuf war wegen einer Allergie nicht möglich. „Das ist alles nicht so leicht“, fasst die 46-Jährige ihre mehr als einjährige erfolglose Jobsuche zusammen.

Unter den 2080 erwerbsfähigen Hartz-IV-Beziehern des Jobcenters Burgwedel gehörte Dorn – nach einer Fördereinheit im Integrationscenter – zu den Top 50: Bewerbungsunterlagen tiptop, gesundheitlich fit, keine persönlichen Probleme. „Leute, die bereit sind für den Arbeitsmarkt“, sagt die Leiterin des Jobcenters Burgwedel, Claudia Sommer, „müssen so schnell wie möglich ihre Chance bekommen.“

Dorn passte exakt in die Zielgruppe von Ergün Yavsan. Dessen Aufgabe ist es seit Juni, als persönlicher Ansprechpartner (Pap) des Jobcenters für die Arbeitgeber „gute Bewerber und den Arbeitsmarkt zu verzahnen“. „Wenn er in einen Betrieb fährt und die geeigneten Bewerber vorstellt, hat das einen ganz anderen Stellenwert.“ Deshalb muss sich Yavsan auch nur um 50 Kunden kümmern statt der sonst üblichen 300 bis 350 – aber intensiv eben. Passende Stellen und handverlesene Kunden werden für ihn herausgefiltert.

Christine Dorn war eine von ihnen. Ihre Bewerbungsmappe legte Yavsan unter anderem vor, als die Tagespflege Schmidtke eine Küchenkraft suchte. Beim Vorstellungsgespräch war er auch mit dabei. Und er hatte handfeste Argumente im Gepäck – unter anderem einen 50-prozentigen Lohnkostenzuschuss für das erste Beschäftigungsjahr.

Die Bewerberin aus Kleinburgwedel überzeugte auf ganzer Linie. Wenn ihr neuer Arbeitgeber im Herbst eine dritte Tagespflegegruppe aufmacht, könnte sich ihre 20-Stunden-Stelle in einen unbefristeten Vollzeitjob verwandeln. „Ich finde das gut“, sagt die 46-Jährige.

Bei Entscheidern in Firmen Akzeptanz zu schaffen für Langzeitarbeitslose, das ist auch der Job von Ognjana Heuer. Sie allerdings kümmert sich um jene Hartz-IV-Bezieher, deren Jobsuche nach zwei oder gar fünf und mehr Jahren Arbeitslosigkeit normalerweise ziemlich aussichtslos wäre. Zu fehlenden oder nicht mehr aktuellen Ausbildungsabschlüssen kommen bei manchen ihrer rund 100 Kunden persönliche Probleme, die das lange prekäre Leben mit sich bringen kann, wie zum Beispiel ungeordnete Wohnverhältnisse oder Schulden – Probleme, die vordringlich ins Lot gebracht werden müssen.

Hier geht es zu Teil 1 der Serie.

Heuer denkt nicht nur von Berufs wegen positiv, deshalb unterstellt sie Potenziale – auf beiden Seiten. Ihre Mission umschreibt die Betriebsakquisiteurin des Jobcenters so: „Wir ermöglichen Arbeitgebern, sich als Chancengeber zu betätigen und soziale Verantwortung zu beweisen.“ Immerhin vermittelt sie Langzeitarbeitslose, die freiwillig kommen und arbeiten wollen.

Wenn die Burgdorferin bei einem Personalchef anklopft, kommt sie nicht mit leeren Händen. Heuer kann ein umfassendes Paket schnüren, das (zwecks „Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit bis 2020“) von Bundesregierung und Europäischem Sozialfonds mitfinanziert wird. Bis zu 75-prozentige Lohnkostenzuschüsse für drei Jahre sind im Förderportfolio und je nach individuellem Bedarf noch viel mehr: vom Jobcenter bezahlte Erprobungsphasen im Betrieb, eine arbeitsplatzbezogene Qualifizierung wie zum Beispiel ein Gabelstapler-Schein oder die Übernahme der Pendelkosten.

Den „Antragskram“ übernehme die Behörde, sagt Heuer. Zudem steht sie ihren Kandidaten weiter berufsbegleitend zur Seite. Vor diesem Hintergrund ist ihre Standardfrage an Arbeitgeber – „Was haben Sie zu verlieren?“ – gar nicht mal rhetorisch gemeint.

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