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Sieben Monate Haft für Außendienstmitarbeiterin

Großburgwedel Sieben Monate Haft für Außendienstmitarbeiterin

Wenn jemand es ablehnt, vorzeitig aus der Haft entlassen zu werden, ist das ungewöhnlich und zeugt von echter Reue. Eine 55-jährige Frau, die sich am Donnerstag vor dem Amtsgericht Burgwedel wegen Betrugs verantworten musste, hat dafür einen Strafrabatt bekommen.

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Vom Amtsgericht Burgwedel wurde die Angeklagte zu sieben Monaten Haft verurteilt.

Quelle: Martin Lauber

Burgwedel. Die Frau hatte im Januar 2015 älteren Großburgwedelerinnen Postkarten-Sets zum Kauf angeboten und in fünf Fällen damit auch Erfolg gehabt. Für jeweils zehn Karten kassierte sie 20 Euro, weil sie dabei einen falschen Eindruck erweckte: Das Geld kam nicht wie zugesichert hilfsbedürftigen Kindern zugute, sondern wanderte in ihre Tasche und die ihres Chefs. Bei diesem wohnte sie auch und war nach Einschätzung ihres Verteidigers sowohl wirtschaftlich als auch psychisch von ihm abhängig. Anfang 2015 hatte sogar die Burgwedeler Pestalozzi-Stiftung vor der Betrügerin gewarnt.

Der Nachfrage von Amtsrichter Michael Siebrecht, ob sie als Drückerin gearbeitet habe, mochte die gelernte Friseurin nicht widersprechen. Dies sei allerdings „die alte Bezeichnung. Besser klingt Außendienstmitarbeiterin“, entgegnete die voll geständige Angeklagte.

Bei diesem Außendienst kann die Frau schon einige Erfahrung vorweisen - in den vergangenen Jahren ist sie mehrfach wegen Betrugs verurteilt worden. „Ein paar der Urteile machen die Sache für Sie jetzt unangenehm“, sagte der Richter mit Blick auf zwei Verfahren, bei denen es ebenfalls um dubiose Postkarten-Verkäufe ging. Die bislang letzte Verurteilung war nur drei Wochen vor den nun verhandelten Taten erfolgt. „Sie haben sich dadurch nicht beirren lassen und sind ganz schnell rückfällig geworden“, warf Siebrecht ihr vor.

Normalerweise, das machte der Richter deutlich, hätte er sie deshalb zu mehr als den letztlich ausgesprochenen sieben Monaten Haft verurteilt. Doch davon nahm er mit Blick auf die besondere Situation der 55-Jährigen Abstand. Diese verbüßt gerade in Hildesheim eine Haftstrafe wegen etlicher Betrugsfälle und könnte eigentlich einen Antrag auf vorzeitige Haftentlassung stellen - was sie aber nicht tut. „Sie lehnen die vorzeitige Entlassung ab, sagen, Sie haben die Strafe verdient. Das zeigt echte Reue, ist ein deutliches Statement“, sagte Siebrecht. Das honorierte der Richter mit dem milden Urteil, das die Angeklagte sofort akzeptierte.

Sie wird damit nicht im Herbst 2016, sondern erst im Frühjahr 2017 aus der Haft entlassen werden. „Und dann möchte meine Mandantin endlich einen Schlussstrich ziehen“, kündigte ihr Rechtsanwalt an.

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