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Verdächtigung wird vor Gericht zum Bumerang

Burgwedel Verdächtigung wird vor Gericht zum Bumerang

Mit den 36.000 unversteuerten Zigaretten, die in ihrer Küche gefunden wurden, wollte sie nichts zu tun haben. Stattdessen beschuldigte eine 75-Jährige einen Mann, der sie wegen Steuerhehlerei angeschwärzt hatte, der falschen Verdächtigung. Das brachte ihr jetzt selbst eine Verurteilung ein.

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Vor dem Amtsgericht Burgwedel wurde der skurrile Fall um unversteuerte Zigaretten und falsche Verdächtigungen verhandelt.

Quelle: Frank Walter

Burgwedel. „Bestreiten kann ja jeder erst einmal alles, aber der Gegenangriff ist ein Problem“, so brachte es Burgwedels Amtsrichter Michael Siebrecht am Donnerstag auf den Punkt. Angeklagt war eine 75-Jährige wegen falscher Verdächtigung. Gegen den Strafbefehl in Höhe von 600 Euro hatte die Rentnerin Einspruch eingelegt.

36 000 Zigaretten übersehen?

Skurril ist die Hintergrundgeschichte: Die Frau war nach diversen Streitigkeiten in Mietsachen von ihrem Kontrahenten wegen Steuerhehlerei angeschwärzt worden. Es folgte im vergangenen Jahr eine Durchsuchung ihrer Wohnung, bei der die Polizei insgesamt sagenhafte 36 000 unversteuerte Zigaretten fand – in großen, schwarzen Tüten verpackt, mitten in der Küche. Die Reaktion der Rentnerin damals: Wo kommen die denn her? Damit habe sie nichts zu tun, die habe ihr jemand untergeschoben.

Ihr Verteidiger betonte gestern im Gerichtssaal noch einmal ausdrücklich, dass sie auch im vertraulichen Zwiegespräch mit ihm immer bei dieser Auffassung geblieben sei. „Sie ist selbst sogar Nicht-Raucherin. Können wir nicht einmal kurz davon ausgehen, dass sie wirklich nichts damit zu tun hatte?“, fragte er in die Runde.

„Abenteuerliche Version“

„Wie kann man denn bitte 36 000 Zigaretten in der eigenen Wohnung übersehen?“, fragte sich nicht nur der Richter. Die Version der Rentnerin sei doch sehr abenteuerlich. Das dazugehörige Strafverfahren war allerdings von einem anderen Richter zuvor gegen eine Geldzahlung eingestellt worden. 5000 Euro muss die Burgwedelerin obendrein an Steuern nachzahlen. Die Frau hatte damals jedoch nicht nur abgestritten, etwas mit den Zigaretten in ihrer Wohnung zu tun zu haben, sondern hatte prompt auch ihren Kontrahenten wegen falscher Verdächtigung angezeigt. „In so einem Fall wird viel Verwaltungsarbeit in Gang gesetzt“, erklärte Siebrecht, warum die Frau nun selbst wegen falscher Verdächtigung auf der Anklagebank Platz nehmen musste.

Auch wenn es kein Urteil gegen sie gegeben habe, sei doch die Akzeptanz einer Geldauflage ein Indiz dafür, dass sie nicht falsch verdächtigt wurde. „Und dass es die Zigaretten gab, ist auch unstrittig“, ergänzte der Richter. Dem Vorschlag des Verteidigers, statt der Geldstrafe eine weitere Verfahrenseinstellung vorzunehmen, wollte Siebrecht nicht folgen. „Sie hätte ja nicht gestehen müssen, aber jemanden anderen gleich anzuzeigen, das ist wirklich übertrieben.“ Es gebe Tage, da sehe es nicht gut aus für die Verteidigung – „und heute ist so einer.“ Das Signal kam an: Drei Minuten dauerte die Beratung vor der Tür – dann zog die 75-Jährige ihren Einspruch gegen den Strafbefehl zurück.

Von Carina Bahl

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