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Stürmer abgeschoben – TSV ist ohne Torjäger

TSV Wettmar Stürmer abgeschoben – TSV ist ohne Torjäger

Schock beim Kreisligisten TSV Wettmar: Spieler und Trainer der Mannschaft sind entsetzt, dass ihr Stürmer David Koffi nach Portugal in der Nacht zum Montag abgeschoben worden ist. Der Asylantrag des 20-Jährigen aus der Elfenbeinküste war abgelehnt worden.

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Seine Tore hat David Koffi in Wettmar mit einem Solto gefeiert. Weitere Tore wird er für den TSV nicht mehr schießen: Es ist in der Nacht zum Montag abgeschoben worden.

Burgwedel. Die traurige Nachricht erreichte ihn am frühen Morgen. „Ich war gerade auf dem Weg zur Arbeit und habe dann auf dem Handy gelesen, was mir David um 5 Uhr morgens geschrieben hat“, berichtet Elvedin Sabotic, Trainer der ersten Fußballmannschaft des TSV Wettmar. David, das ist sein Stürmer David Koffi. In der Nacht zu Montag wurde der Ivorer von der Polizei abgeholt - sein Asylantrag war abgelehnt worden.

Für Koffi endete die Fahrt in Köln, von wo aus es per Flugzeug nach Portugal ging. „Außer mir sind auch die Spieler sehr schockiert. Wir haben kein Verständnis dafür, David war bei uns integriert. Weder er noch wir hatten geahnt, was passieren würde“, berichtet der Coach.

Der 20-jährige Koffi war in der Winterpause vom Landesligisten TSV Burgdorf zum TSV Wettmar gewechselt. Der Ivorer lebte im Nachbarort Thönse in einer Einzimmerwohnung. Er besuchte Deutsch-Kurse und verbesserte seine Sprachkenntnisse auch auf dem Platz - und bei einem Paketzusteller in Langenhagen hatte er längst eine Arbeitsstelle gefunden. „Wir sind alle sehr traurig, leider können wir als Verein nichts gegen die Gesetze machen“, sagt TSV-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Klarhöfer. „Wir verlieren einen tollen Menschen und Spieler.“

Nach seinem Wechsel zum TSV hatte der Afrikaner Trainer und Fans begeistert. Beim 6:2-Testspielsieg gegen Blau-Gelb Elze erzielte er zwei Tore und feierte diese Treffer mit mehreren Salti. Am vergangenen Sonnabend war Koffi im Test gegen den SV Ramlingen-Ehlershausen (2:5) erneut im Einsatz - niemand konnte bei seiner Auswechslung in der 80. Minute ahnen, dass das mehr als nur ein Abgang vom Feld war und er rund 36 Stunden später abgeschoben werden würde. Die Partie gegen die Ramlinger war Teil des TSV-Winterfestes, der Verein feierte den Start einer besonderen Aktion: 200 Mitglieder fanden sich auf dem Sportplatz ein, um sich ein Sammelalbum und eine Tüte mit Bildern zu sichern. Vorab hatten sich 350 Mitglieder aus allen Abteilungen fotografieren lassen, auch das erste Fußballteam - samt Koffi, dessen Foto nun im Nachhinein eine traurige Note erhält.

Bei allem Schock - Sabotic berichtete auch von einer Nachricht auf seinem Handy, die ihn positiv stimmt: „David hat alles locker aufgenommen und geschrieben, dass er bald wieder da ist.“

Von Stephan Hartung

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